Kein Atommüll-Versuchslabor Gorleben!
BI prangert offensichtliche mafiöse Strukturen bei Forschungsvorhaben an
| Hinweis der Castor-Nix-Da Redaktion: Die EJZ berichtet am 09.05.2006 unter: ausführlich darüber |
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow Dannenberg (BI) spricht sich entschieden gegen ein untertägiges Versuchslabor im Gorlebener Salzstock aus und fordert weiter die Schließung des Standorts. Hintergrund: Der niedersächsische Wissenschaftsminister Stratmann hatte bei einem Besuch in Gorleben gegenüber der Elbe Jeetzel Zeitung (3.5.06) ausführlich Planungen dargestellt, in Gorleben ein Untertagelabor für Versuche mit Atommüll einzurichten.
Die BI wirft der Atomindustrie mit ihren Plänen offensichtliche mafiöse Strukturen vor. Ausgerechnet die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) nämlich, deren Tochterfirma Brennelementlagergesellschaft (BLG) das Gorlebener Atommüll-Zwischenlager betreibt, will u.a. über Stiftungsprofessuren an die TU Clausthal das fragwürdige Projekt finanzieren. Die GNS gehört zu 100% den Atomstrom und Atommüll produzierenden Konzernen.
Das Eigeninteresse der Atomstromkonzerne, die laut Stratmann über die TU Clausthal angeblich ergebnisoffen forschen wollen, liegt deutlich auf der Hand, fasst der BI-Sprecher zusammen. Es ist offensichtlich und unerträglich, dass die Privatwirtschaft über ein als Forschung getarntes Hintertürchen Gorleben als Endlager dingfest machen will. Laut Informationen der BI sollen mit GNS - Geldern 16 Wissenschaftler eingestellt werden. Das zahlen die locker aus der mit knapp 40 Milliarden Euro gefüllten Rückstellungskasse.
Der BI-Sprecher verweist auf langjährige personelle Verfilzungen. So haben Prof. Klaus Kühn von der TU Clausthal und Dr. Klaus Jürgen Brammer von der GNS gemeinsam unter dem Titel Sicherheitstechnische Einzelfragen zur Endlagerung, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Vorgehen des BfS (atw 12/05) gefordert, die Erkundungsarbeiten in Gorleben unverzüglich fortzusetzen. Kühn attestierte als zuständiger Sicherheitsexperte den Katastrophen-Endlagern Asse II, bei Wolfenbüttel und Morsleben, bei Helmstedt, jahrelang angebliche Standsicherheit. Morsleben ist inzwischen teilweise eingestürzt und wird verfüllt, der Standort Asse II bei Wolfenbüttel droht weiter abzusaufen. Mit verheerenden Folgen für die Trinkwasserqualität im Großraum Braunschweig.
An beiden Standorten wurden auch Forschungen durchgeführt. So führte Stoller Ingenieurtechnik seit 1987 Bestrahlungsversuche im Untertagemessfeld Morsleben durch. Dort sind Spezialcontainer mit hochstrahlendem Kobalt und Caesium befüllt. Daraus ergibt sich zusätzlich die Frage, ob in Gorleben der nächste atomare Forschungs-Spielplatz als Ersatz für die bereits versauten Katastrophenstandorte gesucht wird, gibt der BI-Sprecher zu bedenken. Wenn es nicht vorher noch zu einem Salzlaugen-Einbruch wie in der Asse II, oder zu einem Zusammenbruch wie in Morsleben kommt, wäre die Errichtung eines Untertagelabors in Gorleben definitiv die Vorbereitung des Planfeststellungsverfahrens für ein Endlager. Noch hat das im Oktober 2000 für die Dauer von bis zu 10 Jahren ausgerufene Moratorium, ein Baustopp, Gültigkeit.
Die BI hakte in zwei Briefen an das BMU und das BfS sofort nach: Wie wir der Elbe-Jeetzel-Zeitung entnehmen, plant die Technische Universität Clausthal ein Untertagelabor im Salzstock Gorleben. Bitte teilen Sie uns mit, ob dies in Absprache mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erfolgt. Aus der prompten Antwort geht hervor, dass die Planungen nicht mit dem BfS bzw. BMU abgesprochen sind. Aus der BfS-Antwort: Dem BfS sind die vorgestellten Pläne zur Einrichtung eines Untertagelabors nicht bekannt, geht aus der prompten Antwort hervor. Dem Bundesamt als Genehmigungsbehörde liegt auch kein Antrag vor. Weiter heißt es in der Antwort: Das BfS hatte nach Beendigung der Untertagelaboraktivitäten in dem Forschungsbergwerk Asse Anfang der 90er Jahre selbst die Einrichtung eines Untertagelabors in Gorleben geprüft und insbesondere aus verfahrenstechnischen Überlegungen wegen der laufenden Erkundung des Salzstocks Gorleben im Rahmen des atomrechtlichen Genehmigungsverfahrens nicht weiter verfolgt.