| Wir möchten auf dieser Seite die Aktionen, die gegen den Castor-Transport in den
nächsten Tagen laufen, dokumentieren und so versuchen, mit diesem Medium eine Form der
Gegenöffentlichkeit zu schaffen, die das Meinungs- und Berichterstattungsmonopol der
Medien bricht! Und an alle, die direkt im Wendland sind, solltet Ihr Provokationen von Zivilbeamten oder massive Polizeiübergriffe miterleben, dann schickt uns bitte ein e-mail, ein Fax oder ruft uns an, denn wir wollen an dieser Stelle nach dem Tag X eine Dokumentation des Ablaufs des Transportes zusammenstellen. |
Ersten Abschätzungen zufolge schlug der dritte Castortransport nach Gorleben mit 157 Millionen DM zu Buche. Den größten Posten machten nach einem Bericht des Berliner "Kurier" die Personalkosten für die rund 30.000 BGS- und Polizeibeamten aus. "Der Kanthersieg wandelt sich in einen Phyrrussieg", kommentiert die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg: der größte Polizeieinsatz in der Nachkriegsgeschichte zur Sicherung des Castorkonvois sei eben auch Ausdruck für die Stärke des Bürgerprotests gegen Atomtransporte. Gewichtiger noch als die realen Kosten sei der politische Preis, der "Imageverlust der Glogowskis, Merkels und Kanthers", die den Konflikt eskaliert hätten. Die überwiegende Mehrheit der Demonstranten hätte sich besonnen und dennoch entschlossen verhalten, sich auch von polizeilicher Härte nicht provozieren lassen. "Das vorbildliche Verhalten der 9000 Menschen am Verladekran in Dannenberg hat es möglich gemacht, daß jetzt über die Sache, das Atommüllfiasko und den Ausstieg, geredet wird und nicht über Gewalt", bilanzierte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. "Es war zu besichtigen, von wem die Gewalt ausging, daß mit vertretbaren polizeilichen Mitteln die Transporte nicht mehr machbar sind." Über 300 verletzte Demonstranten, davon drei schwerverletzt, eine Hubschrauberattacke auf die Traktoren, die der niedersächsische Innenminister auf der Pressekonferenz in Hannover "am Tag danach" mit den Worten quittierte, das sei "vernünftig gewesen", Knüppeleien ohne jede Vorwarnung gegen Sitzblockierer in Gorleben - das angekündigte Deeskalationskonzept der Polizei sei buchstäblich auf der Strecke geblieben, schreibt die BI. Die Ankündigungen aus Bonn bzw. seitens der Brennelementlagergesellschaft Gorleben (BLG), weitere Transporte aus La Hague seien noch für 1997 zu erwarten, seien "wahrlich instinktlos" und ein Schlag ins Gesicht der atomkritischen Mehrheit im Wendland. Der Vorstellung des Duos Merkel und Schröder, mit einem Zwischenlager in Süddeutschland die Lage im Wendland befrieden zu können, sei völlig abwegig, betont die BI.
Bei weiteren Castortransporten werde sich das Schauspiel wiederholen, bis der Kern des Problems auf er Tagesordnung stehe: die Atommüllproduktion. "Die hessische Umweltministerin Nimsch hat es gerade vorgemacht, wie ein Zusammenspiel von außerparlamentarischem Protest und parlamentarischer Initiative aussehen kann, als sie während des Castortransports die Betriebsgenehmigung für den Block A des AKW Biblis widerrief", heißt es in der BI-Stellungnahme. Die BI-Vorsitzende Birgit Huneke fragt von daher leicht ironisch: "Könnte es sein, daß von Monika Griefahn nur deshalb nichts mehr zu hören und zu sehen ist, weil sie mit einem entsprechenden Entwurf für das AKW Stade befaßt ist?"
CASTOR-NIE-MEHR!!!
- Sunday, March 09, 1997 at 11:37:44 (MET)
Wie wir von erfahren haben, ist die e-mail-adresse der Polizeieinsatzleitung in Lüneburg geändert worden.
Damit Eure mails dann (hoffentlich) ankommen, hier die nach unserer Erkenntnis derzeit aktuelle Adresse:
Wir möchten die Polizei-Einsatzleitung bitten, sich selbst ernstzunehmen, und doch wirklich auf das selbst initiierte "Feed-Back" einzugehen!
Auch wir haben nichts gegen "Antworten" ihrerseits einzuwenden, viele derjenigen, die am Verladekran von Ihren Wasserkanonen, Schlagstöcken, Stiefeln von der Straße "entfernt" wurden, möchten auch gern die Antwort wissen: Warum ?
Wir leben in einem demokratischen Staat.
Das glauben wir. Immer noch!?
Wie lange noch???
Anzeige vom 08.02.
werde ich die Kinderärztin aus Berlin, unser Stunkwagen mit Symbol "Kinderwagen" hatte es ihr angetan.
werde ich das junge Mädchen aus dem schwarzen Block, das schon fast zärtlich schüchtern fragte, ob sie uns fotografieren dürfte.
werde ich den Polizeihundeführer vor der Kirche, der gräßlicher seine Zähne fletschte als sein armer Hund.
sind die starken Frauen vor der Langendorfer Kirche und deren Pastoren
O. Kumpe, Kaltenhof
Anzeige vom 08.02.
Thomas Lebenhagen, Jürgen Constin,
Siggi und Clemens Neumann, Elke und Jockel Knoch,
Christine Patzer, Stefan Jensen, Annegret und
HansJürgen Jensen
LüchowDannenberg
- Saturday, March 08, 1997 at 20:21:10 (MET)
Anzeige vom 08.02.
Uta Quis, Gledeberg
Castor-Nix-Da <BI-Ticker>
- Saturday, March 08, 1997 at 20:20:24 (MET)
Wir haben die Atomwirtschaft an ihrem Wunden Punkt getroffen, der Atomstaat hat geantwortet.
Das "Deeskalationskonzept" der Polizei ist aufgegangen, sagt Einsatzleiter Dautert. Tatsache ist: Noch mehr Menschen als letztes Jahr mußten sehen und am eigenen Leibe miterleben, wie so ein Konzept in der Praxis aussieht.
Es gibt Gruppen, die scheren sich nicht um unser Konzept. Wir haben nicht zu
verantworten, was solche Gruppen oder Einzelpersonen machen. Im übrigen kann man aber
klar besichtigen, daß Steine von Wasserwerfern und Polizeischildern abprallen, und den
Transport nicht aufhalten.
Im Gegensatz dazu reichen vier Seiltänzerinnen und einzelne, die sich mit hohem
persönlichen Risiko an Bahnschienen anketten, um den Transport für Stunden zu stoppen.
Diese Menschen genießen unsere Solidarität.
Gemein und nützlich + Spendenkonto 2060721 + KSK Lüchow (BLZ 258 513 35)
- Friday, March 07, 1997 at 17:25:28 (MET)
Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung!"
(Pressemeldung im Internet, www.polizei-lg.de)
Das wars.
Wars das? Wir meinen: Nein.
So ist es. Kurz und knapp auf den Punkt gebracht
In einer Anzeige, die bereits vor dem zweiten Transport im Frühjahr 1996 in der
"Elbe- Jeetzel-Zeitung" erschien.
Die Polizei wünscht ein "Feedback":
Uns interessieren insbesondere folgende Themen:
Einsatzleitung.Lueneburg@t-online.de; Kopie an uns.
Mit dem, was Ihr erlebt habt.
Mit dem, was Ihr an Leid gespürt habt.
Mit dem, was Ihr an Liebe erfahren habt.
Mit dem, was Ihr an Freude, offener oder klammheimlicher, mit nach Hause genommen habt.
Aus dem Wendland.
Dem besetzten.
Der immer noch im Herzen "Freien Republik Wendland".
Macht Euch die Mühe. Es wird nichts ändern.
Aber sie werden spüren: Sie sind die Besatzer. Wir sind das Volk.
Auch wenn sie mit noch mehr Truppen kommen. WIR STELLEN UNS QUER!!!
Dieter Metk
CASTOR-NIX-DA
Republik Freies Wendland - Friday, March 07, 1997 at 15:44:32 (MET)
Man traut seinen Ohren nicht. Einen Kurswechsel in der Energiepolitik wird es nicht geben, dröhnt es aus Bonn just an dem Tag, an dem der umstrittene Castor-Sixpack-Transport sicher ins Zwischenlager Gorleben gerollt ist. Ende gut, alles gut?
Es spricht eine gehörige Portion Ignoranz und Arroganz aus solchen
Durchhalteparolen nach dem Motto: Weiter so. Und es mag verwundern, daß Politiker so
schnell zur Tagesordnung übergehen, während die Spuren der Massenproteste im Wendland
noch gar nicht beseitigt sind. Was ist von denen zu halten, die so tun, als wäre nichts
geschehen? Was muß noch passieren, bevor sich bei Regierenden die Erkenntnis durchsetzt,
daß es so eben nicht mehr weitergehen kann? Angesichts der Ereignisse in dieser Woche
zwischen Verladekran und Zwischenlager darf bezweifelt werden, daß derartige Transporte
politisch noch länger durchsetzbar sind. Politische Lösungen, wie sie in diesen Tagen in
vieler Munde sind, indes ändern für Gorleben nichts. Nach der Diskussionsvorlage soll
hier alles so weitergehen wie bisher. Es ist also zu befürchten, daß der Konflikt,
ausgelöst durch ein mit vielen offenen Fragen behaftetes Entsorgungskonzept, weiter auf
dem Rücken der Bevölkerung des Wendlandes ausgetragen wird. Die Region wird folglich
nicht zur Ruhe kommen. Deutlicher konnte Minister Bohls bittere Botschaft an diesem Tag
nach "Tag X 3" nicht sein.
Hans- H. Müller
- Friday, March 07, 1997 at 14:47:19 (MET)
der Landespolizei Niedersachsen
Am Mittwoch, den 5. März mußten wir in unserem Ort eine Blitzaktion der Polizei erdulden, für die es nach unserer Überzeugung keine Rechtfertigung geben kann. Aus heiterem Himmel landeten große BGS-Mannschaftshubschrauber, Beamte sprangen heraus, zerstörten in wenigen Minuten 60 Traktorenreifen mit Messern und Zangen, um so schnell abzuheben, wie sie gelandet waren. Dieser Einsatz hat uns erschreckt und ängstigt uns nachhaltig.
Wir verweisen darauf, daß dieser Überfall zu einem Zeitpunkt erfolgte, als der Castorkonvoi bereits rollte; auf einer bis zum Zwischenlager gesicherten Route. Die Traktoren hingegen befanden sich 2 km entfernt, wo sie nicht bewegt werden konnten, weil Chaoten die Straße unterwühlt hatten, was der Polizei bekannt war; weswegen sie jetzt auch eine andere Route benutzte. Wir empfinden den Überfall als einen perversen Racheakt!
(Wieviele Polizeiskandale hat diese Republik noch für uns alle auf Lager?...) Wir
Das Dorf Splietau hat 122 Wahlberechtigte.
95 Splietauer haben diese Resolution unterzeichnet, weitere 15 Personen, von denen mit
Sicherheit bekannt ist, daß sie diese Resolution mit Sicherheit unterschreiben würden,
konnten heute nicht angetroffen werden.
- Friday, March 07, 1997 at 12:55:01 (MET)
Zeitgleich mit der Abfahrt der Castor-Transporte vom Verladebahnhof -
zu einem Zeitpunkt also, da bereits feststand, daß die Transportroute
Truppentransporthubschrauber des BGS hatten sich im Tiefflug von Südosten gehähert und auf einer Koppel am Rande des Ortes Einsatzkräfte der Landespolizei Niedersachsen abgesetzt. Diese durchschnitten dann die Zäune der Koppeln, und begannen, überfallartig und ohne Vorwarnung die Reifen unserer Trecker zu zerstören. Als ein Anwohner die noch anwesenden Bauern alarmieren konnte, waren bereits die Reifen von 30 Traktoren zerstört, in den meisten Fällen mehr als einer pro Fahrzeug. Die Polizisten stachen dabei in der Regel mit Messern und Schraubenziehern sofort in die Reifen. Die Behauptung der Polizei, man habe nur zugestochen, wenn es nicht möglich gewesen sei, Luft abzulassen, ist eine Lüge. Offensichtlich kam es der Polizei darauf an, die Traktoren auf Dauer fahrunfähig zu machen und nachhaltige Schäden zu verursachen. (Insgesamt ca. 60.000 DM).
Uns Bäuerinnen und Bauern wurde dabei keine Gelegenheit gegeben, die Traktoren von der Straße zu fahren, es gab keine vorherige Aufforderung, die Straße zu räumen. Es gelang ihnen zwar, die Polizisten wieder zu vertreiben, wobei es aber nur der Besonnenheit auf der bäuerlichen Seite zu verdanken ist, daß es bei diesem Einsatz keine Verletzten gab. Denn einige der Polizisten waren bei ihrem Reifengemetzel bereits sehr tief in die aus ineinander verkeilten Treckern bestehende Blockade eingedrungen, konnten nur unter Schwierigkeiten Kontakt zu ihren Komplizen halten und sich wieder zurückziehen. Weil aber die Bauern bewußt auf die Anwendung von Gewalt verzichteten, obwohl es vielen von ihnen angesichts der an ihren Traktoren angerichteten Schäden sehr schwer fiel, konnten sie eine Eskalation der Gewalt verhindern.
Die Bäuerinnen und Bauern der Bäuerlichen Notgemeinschaft verurteilen diesen gewalttätigen Polizeiüberfall nach Wildwestmanier, der nach Aussage eines der beteiligten Beamten direkt vom Einsatzleiter Dautert persönlich angeordnet wurde, auf das schärfste. Denn der Charakter der ganzen bäuerlichen Blockadeaktion war zu jeder Zeit betont friedfertig und gewaltfrei. (So haben wir beispielsweise den Versuch einiger Demonstranten, sich in der Nähe unserer Blockade mit Pflastersteinen zu munitionieren, unterbunden.) Und zum Zeitpunkt des Überfalls bestand überhaupt keine militärische Notwendigkeit mehr, die Traktoren gewaltsam stillzulegen, da die Castorbehälter sich bereits auf der abgeschirmten Transportstrecke befanden. Für uns liegt der Verdacht nahe, daß Dauterts Motive für diesen Überfall zumindest teilweise im persönlichen Vergeltungsbedürfnis liegen könnten. Denn insgesamt war die friedliche Blockade der Hauptstrecke ein großer Erfolg.
P.S.: Die gesamte Aktion wurde von einem zufällig anwesenden Filteam des Hessischen Rundfunks dokumentiert. (Kamil Taylan, Red. Politik und Gesellschaft, HR; Tel.: 069- 1552801)
CASTOR-NIX-MEHR!!!
- Friday, March 07, 1997 at 12:36:54 (MET)
TAGESBILANZ DER SANIS: 138 leichtverletzte DemonstrantInnen und 15 Schwerverletzte.
Allgemeiner Umtrunk, warmes Essen und Musik
Es spielt eine Irische Band
Die Bäuerliche Notgemeinschaft hat einen kostenlosen Taxidienst organisiert, der
alle DemonstrantInen unterwegs einsammelt und in die Camps zurückfährt. Am Abend fahren
die Taxen nach Hamburg und Berlin zurück
CASTOR - NIE WIEDER!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 18:06:47 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 13:40:46 (MET)
Deeskalation, so hieß es bei der Polizei, sei das Hauptziel bei diesem Castor-Einsatz. Das, was sich heute morgen am Dannenberger Verladekran abspielte, war genau das Gegenteil. Schritt für Schritt eskalierte die Gewalt - nicht die der X-tausendfach Quersitzenden, sondern die der Polizei. Mit konsequenter Gewaltfreiheit kann die Polizeiführung anscheinend nicht umgehen. Denn für Gewaltfreiheit braucht man Ruhe. Und die ist nicht da, wenn hektisch mit allen Mitteln die tödliche Atomfracht gegen den Widerstand der Wendischen Bevölkerung und ihrer Gäste durchgepeitscht werden soll.
Was denken sich die Verantwortlichen eigentlich? Denken sie überhaupt, oder führen auch sie nur, wie die Beamten vor dem Castor-Zug, Befehle aus, die "von oben" kommen?
Dabei begann alles so "normal": Bei Räumungsbeginn wurden die friedlichen Sitzblockierer weggetragen. Doch das dauerte wohl zu lange. Die Eskalation beginnt. Um 4.50, nach fast vier Stunden Räumungsbemühen, kündigen die Lautsprecher "Zwangsmittel" an: körperliche Gewalt, Schlagstock und Wasserwerfer. Zunächst mit leichten Wasserspritzern aus den zwei Strahlrohren wird versucht, die Frauen, Männer, Schüler zu durchnässen, damit sie von selbst aufgeben. Die Nacht war schließlich saukalt, Minusgrade. Doch trotz der vielen Stunden, die x-tausende bereits unter freiem Himmel, gebettet auf von Bauern herangeschafftem Stroh, verbracht hatten, ist kaum einer bereit, freiwillig zu gehen. Kaum beginnt die künstliche Beregnung, werden Hunderte von Plastikplanen von Unterstützern herangeschafft, selbst die IG Medien stiftet "offiziell" entsprechenden "Regenschutz".
Nichts, aber auch gar nichts ging dadurch schneller voran. Auch die Aufrufe aus dem Lautsprecherwagen, doch wieder dazu überzugehen, die Menschen wegzutragen, helfen nicht weiter. Bemühungen der Organisatoren von X-tausendmal Quer, den Einsatzleiter zu kontaktieren, schlagen fehl, er ist schlichtweg "nicht erreichbar", auch Lautsprecherdurchsagen mit der Bitte um Gespräche bleiben ergebnislos.
Es wird naß und nasser auf der kleinen Stichstraße zum großen Verladekran. Nicht nur die Gesichter und Klamotten der Blockierer, auch die Gesichter der BGS-Mannen sind tropfnaß. Zum einen, weil sie schweißgebadet, Hunderte von Menschen zuerst wegtragen, dann wegschubsen mußten, zum Teil auch, weil sie sich - unfreiwillig, auf Befehl - mit zu den Demonstranten setzen müssen: Immer wenn der Strahl mittlwerweile mit immer weiter steigendem Druck in die Menge gesteuert wird, heißt es: hinsetzen. "Strahl auf 11.00 Uhr" tönt es aus dem Lautsprecher. Und mit der bis dahin gewonnenen Erfahrung weiß man, wo hingehalten wird. Hemmungslos. Rücksichtslos sodann. Gespräche, wie sie Stunden vorher noch möglich waren, zwischen dem Beamten aus dem bayerischen Rosenheim, der schon über 30 Stunden im Einsatz war, und dem wendländischen Quersteller, sind schon lange nicht mehr möglich. Teilweise treten Stiefel und Schlagstöcke in Aktion, verhindern jede persönlichen Austauch der Gedanken. Die "Einsatzkräfte wurden bis an den Rand der physischen Belastungsfähigkeit gebracht, als sie hunderte Personen von der Straße tragen mußten", heißt es bei der Polizeipressestelle später. Anzusehen war es den Männern und Frauen des BGS, nicht nur die physischen Kräfte waren am Ende, auch die psychische Belastbarkeit war erreicht. Daß Vereinzelte durchdrehten, war da unausbleiblich.
Besser hatten es da die Schützen im Wasserwerfer. In aller Ruhe konnten sie durch ihre Sonnenbrillen das Ziel anpeilen, mal 20 Meter weit voraus, auf die nächsten hundert Menschen, mal mit direktem Strahl auf die nur wenige Meter von dem Strahlrohr entfernt sitzenden Mädchen und Jungen, Frauen und Männern jeden Alters. Gleichberechtigung ist auch bei den BGS-Kanonieren eingezogen: Besonders hart traf der Strahl die Ziele, die sich die rothaarige Nachwuchs-Schützin in der Kanzel ausgesucht hatte.
Dennoch dauerte die Räumung erheblich länger, als wohl eingeplant. Hatten sich doch viele der Blockierer entsprechend geschützt: alte Gummianzüge, Hosen mit eingeschweißten Schuhen und passenden Jacken, aus NVA-Beständen x-1000-fach eingekauft, hielten die gröbste Nässe ab. Dennoch waren etliche Menschen so durchnäßt, daß sie schnellstens durch einen Fahrdienst in nahegelegene Camp bei Splietau begracht werden mußten, wo sie sich umziehen, duschen und mit trockenen Sachen und heißen Getränken aufwärmen konnten.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 13:20:50 (MET)
Wir haben festgestellt, daß das Interesse an den Castor-Seiten auch international
sehr groß ist. Wer ist in der Lage, AKTUELL diese Texte ins Englische zu übersetzen?
Bitte Fax an: 05841 / 4062...
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 12:18:53 (MET)
Die Castor-Karawane ist nach wenigen hundert Metern zum Stoppen gekommen: Es war der
Polizei nicht gelungen, die zwischen den Bäumen hängenden Kletterer herunterzuholen,
auch nicht mit Wasserwerferbeschuß. "Dann rollen die Castoren eben unter ihnen
durch", so die Polizei. Und so wurde es soeben auch gemäß einem Live-Bericht im
Rundfunk durchgezogen.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 12:06:55 (MET)
Bezirksregierung Lüneburg Der Direktor der Polizei Einsatzbereich Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit - Az.: 12319/0205 - Datum: 04.03.1997 Presseinformation Starker
Zulauf von Atomkraftgegnern in Dannenberg; Räumung der Verbotszone dauert an Um 01.00 Uhr
heute Nacht begann die Polizei mit der Räumung besetzten Transportroute in Dannenberg vor
der Verladestation. Nachdem der Aufforderung, die durch ein Demonstrationsverbot belegte
Zone zu verlassen, nicht Folge geleistet wurde, begannen die Einsatzkräfte Demonstranten
wegzutragen. Einsatzkräfte wurden dabei bis an den Rand der physischen
Belastungsfähigkeit gebracht, als sie hunderte von Personen von der Straße tragen
mußten. Aus dem Randbereich der Blockierer wurden die eingesetzten Beamten mit
Signalmunition beschossen; Strohfeuer wurden entfacht. Nach mehrmaliger Androhung wurden
in den frühen Morgenstunden zusätzlich Wasserwerfer gegen die Teilnehmer an der Blockade
eingesetzt. Die Polizeikräfte gingen dazu über, die Blockierer abzudrängen, um die
Räumung zu beschleunigen. Derzeit ist der Einmündungsbereich der B 191 geräumt. Im
weiteren Verlauf befinden sich noch Personen auf der Fahrbahn. Nach weiteren Androhungen
von Zwangsmitteln hat der Gesamteinsatzleiter den Schlagstockgebrauch freigegeben. Im
Bereich der B 191/K 15 werden Polizeibeamte massiv aus den Wäldern angegriffen. Die Zahl
der Gewalttäter in diesem Bereich wird auf mehrere Hundert geschätzt. Auch hier kommt es
seitens der Polizei zu Zwangsanwendungen wie dem Wasserwerfereinsatz. Der Transport steht
abfahrbereit in der Umladestation. Pressestelle der Gesamteinsatzleitung
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 12:02:23 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 11:55:50 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 11:30:20 (MET)
Leider sind wir mit der aktuellen Berichterstattung ein wenig in Verzug geraten. Aber auch wir haben gesagt: WIR STELLEN UNS QUER!
Nachdem wir nun wieder trockene Klamotten anhaben, können die Finger, zwar noch ein wenig steif und zittrig, wieder Texte für das Net hacken, was das Zeug hält...
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 10:57:23 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 04:24:46 (MET)
ABSCHLUSSFETE. Schon jetzt werden die Proteste gegen den dritten CASTOR-
Transport als großen Erfolg der wiedererstarkten Anti-Atombewegung bewertet. Unter dem
Motto "Auch Etappensiege muß man feiern !" soll morgen "nach
Feierabend" eine vorläufige Abschlußfete gefeiert werden - mit Umtrunk, warmen
Essen und Musik. Ort: das Camp zwischen Splietau und Nebenstedt. Die Bäuerliche
Notgemeinschaft hat einen kostenlosen Fahrdienst mit Bussen und Taxen organisiert, die
alle DemonstrantInnen aufsammeln und in ihre Camps bringen. Busse und Taxen fahren abends
zurück nach Berlin und Hamburg. Heissa !
CASTOR-NIX-DA!!!
- Wednesday, March 05, 1997 at 00:01:02 (MET)
Dannenberg, 22.55 Nachdem die sog. "Südstrecke" über Splietau und Gusborn durch Treckerblockaden und unterhöhlte Straßen für den CASTOR-Transport unpassierbar geworden ist, steht nun möglicherweise auch die "Nord-Route" (Quickborn / Langendorf) nicht mehr zur Verfügung. Bewohner des Ortes Langendorf erklärten gegenüber der BI Umweltschutz, daß im 2 km langen Ort Langendorf und vermutlich auch in Quickborn von mehreren Häusern aus Tunnel unter die Straße vorgetrieben worden sind. Die damit ausgesprochene Warnung: die Straßendecke in den Dörfen würde den Belastungen nicht standhalten!
Die Bürgerinitiative hält diese Information für absolut vertrauenswürdig und
fordert die Polizei auf, die Warnung sehr ernst zu nehmen.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 23:44:59 (MET)
Dannenberg / Verladekran 19.30 Uhr. Die Sitzblockade vor dem Verladekran in
Dannenberg besteht zur Zeit aus ca. 4000-5000 Menschen. Ständig kommen weitere Menschen
hinzu. Wie der Einsatzleiter vor Ort im Gespräch erklärte, will die Polizei noch
während der Nacht mit der Räumung beginnen. Vorgegebener Grund für eine Räumung
während der Dunkelheit: nachts seien keine Kinder dabei. Die BI Lüchow-Dannenberg e.V.
vermutet dagegen, daß die Polizei den Räumungstermin in die Nacht verlegen will, um die
Bereichterstattung durch die vor Ort anwesenden Medienvertreter zu erschweren. Schon den
ganzen Tag über haben Einsatzkräfte der Polizei Journalisten bei der Arbeit behindert.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 20:56:59 (MET)
Neu-Tramm / Dannenberg. 90 DemonstrantInnen wurden heute Nachmittag bei Kacherien
unter dem Vorwurf des Landfriedensbruchs nach StGB festgenommen. Die Männer und Frauen
wurden gefesselt und in Gefangenentransportern in die ehemalige Kaserne Neu- Tramm
gebracht. Obwohl die Polizei sich nicht in der Lage sieht, die strafrechtlichen Vorwürfe
aufrechtzuerhalten, sollen die DemonstrantInnen weiter in Gewahrsam bleiben. Zur Zeit
werden die DemonstrantInnen dem Haftrichter vorgeführt, der die Freiheitsentziehung
bestätigen soll. Paradoxerweise wird bei der vorgeschriebenen Einzelfallprüfung nun das
NGefAG herangezogen. Pauschale Begründung: der Einzelfall bestehe darin, daß sich die
festgenommenen in einer Menge befunden hätten - gemeinsam habe man sich auf die
Verbotszone zubewegt. "Eine nachträgliche Änderung der Rechtsgrundlage für die
Ingewahrsamnahme ist ohne Änderung der Beweislage völlig unzulässig", erklärte
Rechtsanwalt Dieter Magsam. Obwohl der Polizei Anwaltsvollmachten vorliegen, verweigert
sie den Anwälten den Kontakt mit den Festgenommenen. Der Haftrichter ist telefonisch
nicht erreichbar - der Kontakt ist nur über die Polizei herzustellen. Die Anwälte
erwägen eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung gegen den verantwortlichen Einsatzleiter
Lehne.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 20:54:08 (MET)
- Tuesday, March 04, 1997 at 19:55:43 (MET)
Hektische Betriebsamkeit am Azurblauen Frühlingshimmel im Wendland: Hubschrauber knattern über Lüchow und Dannenberg, was die Rotoren nur hergeben. Über die Landstraßen donnern Polizei-Wannen, grüne VW-Bullis rasen durch die Ortschaften. "Alltag" im Castor- Land seit dem Wochenende.
Fährt man allerdings nach Gedelitz, sieht die Welt ganz anders aus. An einer
Polizeisperre darf man endlich sein Auto verlassen, die Weiterfahrt hin zum
"Entsorgungspark" ist mororisierten nur mit Ausnahmegenehmigung gestattet.
Eigentlich auch richtig, was soll mensch denn diese herrliche Frühlingsluft mit
Autoabgasen verpesten! Also, Karre abgestellt, und Fahrrad ausgeladen - weiter gehts in
Richtung Zwischenlager / Gorleben.
Und nun ist plötzlich Ruhe. Die Straße von Gedelitz zum Zwischenlager liegt im
Nachmittagssonnenschein, der Specht hämmert an den Bäumen, von Polizei und Hubschraubern
ist um diese Zeit nichts zu sehen und zu hören. Friedlicher könnte es auch in einem
Naturpark kaum sein.
Am Zwischenlager eine Polizeidichte, wie selten erlebt: ein einziger VW-Bulli steht mit seinen Mannen und Weibern vor dem Tor, in das 24 Stunden später die tödliche Strahlenfracht hineingeknüppelt werden soll. Nichts weist darauf hin, was hier morgen los sein wird, allein die Ü-Wagen der Fernsehanstalten lassen vermuten, daß die Ruhe trügerisch ist. Hinten, im Wald versteckt, auf dem Gelände des "Erkundungsbergwerks" ist ein modernes Heerlager aufgestellt, über 200 Wohncontainer für die Besatzungstruppen. Ein wenig ausgestorben kommt einem die Straße nach Gorleben dann doch vor, fahren auch sonst nur sehr wenige Autos diese Strecke, herrst heute verkehrsmäßiger Totentanz. Wenn da nicht plötzlich eine Sammlung von zwanzig Wannen mit Tempo 100 vorbeidonnern würde, dort, wo nur "50" erlaubt ist. Verstärkung unserer Brüder und Schwestern, aus der Stadt, wo Demokratie anfing, mit "Wir sind das Volk". Zwei dezente Luxuskarossen aus Untertürkheim sausen hinterher, biegen ab ins Zwischenlager. "L-7001", das Autokennzeichen deutet darauf, daß ein hohes Tier die Wende-Hälse bei ihrem Einsatz in Gorleben befehligt.
Gorleben. Ein Dorfname mit Symbolgehalt. Das Ortseingangsschild ist echt. Im
Gegensatz zu so manchen Orten, die ein Ortschild aus Papier aufkaschiert bekamen, das
vermeintlich auch den Namen Gorleben trägt, nur daß statt "Landkreis
Lüchow-Dannenberg" jetzt "ist überall" darunter steht. Auf dem echten
Schild ist "soll leben" mit Silberlack daruntergesprüht. Bei vielen anderen
Ortsschildern und Wegweisern ist "alles übergemalt, man findet sich ja garnicht
zurecht", wie ein Ortsunkundiger Auslieferungsfahrer verzweifelt beim Vergleich von
Autokarte und Straßenführung feststellt.
Gorleben, das Dorf, das bezogen auf die Einwohnerzahl in der Bundesrepublik die höchste
Gewerbesteuer kassiert, wo entgegen gängiger Meinung mehr Atombefürworter als -Gegner
wohnen, wo Geld ebensowenig stinkt, wie die radioaktive Strahlung, die von der
Kartoffellagerhalle in zwei Kilometer Entfernung ausgeht, Gorleben also macht den Eindruck
eines im sommerlichen Mittagsschlaf verfallenen Kaffs. Kinder spielen auf der
Castor-Straße Ball, von Absperrungen, die im vorigen Jahr fast die ganze Straße zwischen
dem Ort und dem Zwischenlager aufgestellt waren, ist noch nichts zu sehen - eine Idylle!
Das ändert sich, sobald man den Ort in Richtung Dannenberg verläßt. Wenige Hundert
Meter weiter im Wald stehen die ersten grünen Fahrzeuge, laufen "vermummte
Chaoten" mit grüner Kleidung, zwar noch ohne Helm, aber den Schlagstock griffbereit
die Straße ab, auf der Suche nach dem kleinsten Löchlein, das womöglich neu gebuddelt
sein könnte, sei es von einer Wühlmaus, sei es von einem Maulwurf. Und Reinlichkeit,
Sauberkeit und Ordnung, ist für einen Rechts-Staat - kommt der Name nun von
"Recht" oder von "Rechts"? - wichtig, so wird also penibel jedes
Ästchen, jede leere Cola-Dose von der Straße geräumt.
Und noch ein Stückchen weiter auf der die Elbe begleitenden Straße kehrt dann der
wendische "Alltag" wieder in diesen ersten Märztagen: Straßensperre, der Blick
auf den Elbe ist durch jede Menge "Wannen" versperrt. Noch diskutieren die
Herren in Grün mit den vereinzelten Atomkraftgegnern. Noch. Aber es ist mehr als
deutlich: Hier soll zwar ein Naturpark entstehen, an der Elbtalaue, aber bald,
wahrscheinlich schon in den nächsten Stunden, hat die Natur nichts mehr zu sagen. Der
Atomstaat will sich beweisen. Die Schönwetter-Periode wird zuende gehen.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 19:25:00 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 17:26:17 (MET)
&127 ABSCHLUSS-FETE. Alle beteiligten Gruppen planen für Mittwoch ("nach Schicht") eine große Abschlußfete
AUSNAHMEZUSTAND. Über die Bewohner von Seybruch wurde gestern abend eine Ausgangssperre verhängt. Bürgermeister Schulz aus Langendorf durfte heute morgen sein Dorf nicht mehr verlassen. Die Sanitätergruppe ParaMedic war am heutigen Dienstag auf dem Weg zu einem Polizeikessel, um dort Verletzte zu versorgen. Die Weiterfahrt wurde ihnen verwehrt. Ein Notarzt wurde von der Polizei tätlich angegriffen. Der Pressesprecher der Bürgerinitiative wurde nicht zum Ort einer angemeldeten Versammlung (außerhalb der 50- Meter-Verbotszone) vorgelassen. Die Benutzung einer öffentlichen Telefonzelle wurde ihm versagt. Bei dem Versuch, den Versammlungsort auf einem anderen Wege zu erreichen, wurde der Info-Wagen von der Straße auf einen Feldweg abgedrängt und daran gehindert, die Straße ein weiteres Mal zu überqueren.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 16:08:30 (MET)
Gorleben / Langendorf / Grippel. Zur Zeit werden an verschiedenen Stellen DemonstrantInnen von der Polizei eingekesselt und in Gefangenenbusse verfrachtet. Augenzeugen berichten von Hunderten von Personen, die festgesetzt und an unbekannte Orte "verbracht" werden.
Über die Bewohner von Seybruch wurde gestern abend eine Ausgangssperre verhängt. Bürgermeister Schulz aus Langendorf durfte heute morgen sein Dorf nicht mehr verlassen. Die Sanitätsgruppe ParaMedic war am heutigen Dienstag auf dem Weg zu einem Polizeikessel, um dort Verletzte zu versorgen. Die Weiterfahrt wurde ihnen verwehrt. Ein Notarzt wurde von der Polizei tätlich angegriffen. Der Pressesprecher der Bürgerinitiative wurde nicht zum Ort einer angemeldeten Versammlung (außerhalb der 50-Meter- Verbotszone) vorgelassen. Die Benutzung einer öffentlichen Telefonzelle wurde ihm versagt. Bei dem Versuch, den Versammlungsort auf einen anderen Weg zu erreichen, wurde der Info-Wagen der BI von der Straße auf einen Feldweg abgedrängt und daran gehindert, die Straße ein weiteres Mal zu überqueren.
CASTOR-NIX-DA
- Tuesday, March 04, 1997 at 15:10:14 (MET)
Die "Salinas Salzgut GmbH", die neben der Endlagerbaustelle liegende Salzabbaugerechtigkeiten des Grafen Bernstorf gepachtet hat, und zukünftig dor Salz fördern will, hat der Polizeit verboten, ihr Gelände vis a vis dem Zwischenlager zu betreten. In einer morgen in der örtlichen "Elbe-Jeetzel-Zeitung" erscheinenden Anzeige heißt es: "Wir lassen uns das Salz nicht verstrahlen! Wir danken allen GesellschafterInnen, die aus diesem Grund heute unter uns sind. Wir untersagen den Einsatztruppen der Polizei und des BGS unser Betriebsgelände weiter zu betreten". Salinas hat die von ihr gepachteten Waldstücke mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet.
CASTOR-NIX-DA
- Tuesday, March 04, 1997 at 15:09:05 (MET)
Dannenberg Augenzeugen beobachteten in der Nacht zum 4. 3. über dem einfahrenden Castortransport ein unbemanntes, ferngesteuertes Flugobjekt - eine sog. "Drohne", die von der Bundeswehr für militärische Aufklärung verwendet wird. Der Bundesgrenzschutz erklärte auf Anfrage eines Journalisten, er selbst verfüge nicht über derartige Flugkörper. Die Bürgerinitiative Umweltschutz verlangt dringend Aufklärung darüber, ob die Bundeswehr entgegen ihrem verfassungsmäßigen Auftrag für Polizeiaufgaben mißbraucht wird.
Gorleben / Langendorf. Die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hat am Morgen bei der Kreisverwaltung die Durchführung einse Circel-Singens in Langendorf nahe der Transportstrecke angemeldet. Eine weitere Veranstaltung unter dem Motto "Kinder als Hauptleidtragende der Atomindustrie" wurde von Privatpersonen in Gorleben angemeldet. Beide Veranstaltungsorte liegen außerhalb der von der Bezirksregierung Lüneburg verfügten Verbotszone.
Trotzdem haben Polizeikräfte entlang der Strecke Kontrollstellen eingerichtet und verweigern Veranstaltungsteilnehmern ohne Begründung die Zufahrt. Die vor Ort anwesenden Anwälte erklärten, daß es sich dabei um den Tatbestand der Nötigung handelt - das Vorgehen der Polizei habe keine Rechtsgrundlage. "Ein weiteres Beispiel dafür, wie im Rahmen eines Atommülltransports die Grundrechte einfach über den Haufen geworfen werden" kommentiert Birgit Huneke von der BI Umweltschutz.
CASTOR-NIX-DA
- Tuesday, March 04, 1997 at 14:57:18 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 12:16:03 (MET)
Bereits um 11.10 ist der dritte Castor von der Bahn auf das Straßenfahrzeug
umgeladen worden. Auf der Nordroute ist auf die Strecke zwischen Abzweig zur B191 bei
Quickborn bis Kacherien fast lückenlos mit Polizeifahrzeugen gesichert (alle 20 m ein
Fahrzeug). Vermutungen, die Polzei habe sich auf die Nordroute festgelegt, scheinen sich
damit zu bestätigen.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 11:44:02 (MET)
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 10:49:14 (MET)
Mit 8-stündiger Verspätung ist in der heutigen Nacht um 1.17 der Castor-Zug in Dannenberg angekommen. Damit hat sich gezeigt, wie mit phantasievollen, gewaltfreien Aktionen von entschlossenen, mutigen Menschen die Rechnung des Atomstaates, nur ausreichende Mittel, finanzieller und polizeilicher Art einzusetzen, um den Strahlenmüllcontainer in das "Zwischenlager" zu knüppeln, durchkreuzt werden kann. Der Sprecherin der Bäuerlichen Notgemeinschaft, Susanne Kamien, konnte man gestern ihre Genugtuung am Lächeln ansehen, als sie in einem Fernsehinterview gefragt wurde, ob diese Verzögerungen als Erfolg anzusehen seien.
Die letzten Etappen des Transportzuges:
Um 0.35 wurden die Angeketteten Pussade abgeflext, der Zug konnte weiterfahren. Um 1.00
passierte er Hitzacker, und um 1.17 war das Zwischenziel, Dannenberg, dann schließlich
erreicht.
Hier begannen um 8.15 die Arbeiten an den Behältern, die von den Waggons auf Spezialfahrzeuge für den Straßentransport umgeladen werden müssen. Für diese Umladeaktion wird der ganze heutige Tag veranschlagt.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 09:23:09 (MET)
Auch am Dritten Tag der Demonstrationen läßt die Protestbewegung nicht nach. Die Blockade in Pudripp besteht weiter, und auch das Dorf Splietau bleibt weiterhin unberührt von polizeilichen Maßnahmen. Es verdichtet sich der Eindruck, daß die südliche, Gusborner Transportstrecke von der Polizei aufgegeben wurde. Hingegen stehen an der Quickbonrer Transportstrecke parallel zur Straße ein Einsatzwagen neben dem anderen. Die Polizei will offensichtlich jeden Zugang zur Strecke versperren. Selbst Anwohner, so beispielsweise in Langendorf, seien von der Polizei daran gehindert worden, ihre Häuser zu verlassen. Im Wendland herrscht der Ausnahmezustand.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 09:19:14 (MET)
Die Bilanz des Ermittlungsausschusses Gorleben verzeichet für den gestrigen Montag ingesmt 82 Festnahmen.
Dabei wurde 43 mal der Vorwurf "Eingriff in dein Schienenverkehr" erhoben, d. h. Sitz- und Stehblockaden, Ankett- und Einbetonieraktionen, Schotterwühlen und Bau von Holzbarrikaden.
In neun fällen erfolgten die Festsetzungennach Durchsuchung von PKW, wegen darin gefundener Seile, Sylvesterknaller und Leuchtmunition
7 mal wurde der Vorwurf des Landfriedensbruchs und Verstoß gegen das Versammlungsverbot als Grund genannt
In 23 Fällen konnte die Polizei überhaupt keine Gründe für die Festnahme angeben, oder es wurde der Vorwurf fallengelassen
Insgesamt registrierte der EA eine
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 09:18:02 (MET)
Die Gerüchte, die von einer bevorstehenden Räumung der Trecker-Blockade in
Splietau die Runde machten, haben sich nicht bestätigt. Anscheinend hat die Polizei
derzeit wichtigeres zu tun. Es steht aber zu befürchten, daß tatsächlich bei
Tagesbeginn die Aktion begonnen wird. Die Stimmung ist trotz der mittlerweile saukalten
Nacht großartig, besonders die Meldungen, der Castor ist immer noch nicht durch, sorgten
für Wärme in den Herzen. Nun sitzt man vor Lagerfeuern, Einheimische erklären den
wißbegierigen "zugereisten Chaoten", wie sich der Widerstand in 20 Jahren so
weit entwickeln konnte, daß der Castor nicht problemlos durchkommt. Warum im Wendland
keine Steine geworfen werden, warum man immer wieder mit Polizisten redet, obwohl man
diese elenden Diskussionen doch schon fast satt hat... Warten auf den Morgen. Generationen
sitzen zusammen, die Alten erzählen Geschichten, die Jungen hören zu, fragen, erwidern -
Splietau in dieser eiskalten Märznacht. Fast wie aus einem Märchenbuch.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 01:44:20 (MET)
Wir vervollständigen die Chronologie des Castor-Transports ab 21.00
CASTOR-NIX-DA!!!
- Tuesday, March 04, 1997 at 01:19:31 (MET)
Wir bitten um Entschuldigung wegen der Menge von Tippfehlern...
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 21:52:27 (MET)
Die von der Dorfgemeinschaft in Splietau vorgenommene Blockade der Landesstraße soll noch heute Abend abgeräumt werden. Vermutlich mit Einbruch der Dunkelheit soll, wenn wegen ungenügender Lichtverhältnisse Dokumentationen der Presse nicht mehr so leicht möglich sind, zugeschlagen werden. Wie vermutet wird, benötigen die Reparaturtrupps wohl mindestens 1 1/2 Tage, um die Straße mit Schotter aufzufüllen, und einigermaßen passierbar zu machen.
die Straße
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 18:01:45 (MET)
Auf den Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg kommt der Castor-Zug derzeit nicht so recht voran. Bei Dahlenburg haben sich mehrere Menschen mit einem Betonfaß auf die Schienen gesetzt, und sich mit dem Faß verkettet.
Auch in Dumstorf, Leitstade und Hitzacker befinden sich mutige Menschen auf der Bahnstrecke, um den Castor zu behindern.
Der Zug hat gegen 17:43 Lüneburg verlassen.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 17:56:20 (MET)
Die Polizei scheint ihre Deeskalationsstrategie aufzugeben. War bisher immer wieder der Versuch unternommen worden, zwischen den "guten" Atomkraftgegnern der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" und den "Autonomen" einen Keil zu treiben, muß sie nun feststellen, daß zumindest in Splietau ein sich gegenseitig achtendes Miteinander zustandekam. Nun werden andere Töne angeschlagen: in einer Pressemeldung der Polizei wird von "gewalttätigen Kernkraftgegnern" gesprochen, die in Splietau die Straße untertunnelt haben. "Das Untergraben von Straßen hat nichts mit gewaltfreiem Widerstand zu tun", so die Lüneburger Regierungspräsidentin, Ulrike Wolff-Gebhard. In Splietau würden "Straftaten, die nicht zu rechtfertigen sind", begangen. Pastoren und Abgeordnete, so Gebhard, sollten in Splietau "ihren Einfluß geltend machen und deeskalierend wirken".
Ob dieser Spaltpilz Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten. Den Bauern jedenfalls, die dort ihre Trecker abgestellt hatten, ist derzeit nichts in dieser Hinsicht anzumerken.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 17:49:05 (MET)
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kritische Polizisten verteilt Flugblätter an die Polizei. Text: "Du mußt nicht mitmachen ! Ihr seid im Einsatz - wir setzen uns ein."
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 17:37:01 (MET)
Im Laufe des Vormittags hat sich der CASTOR-Zug weiter den Weg in Richtung Dannenberg gebahnt. Über Eschwege ging es Richtung Göttingen. Nördlich von Göttingen (zwischen Gö und Bovenden) sitzen etwa 500 Menschen auf dem Feld neben der Bahnstrecke, südlich von göttingen ebenfalls ein paar hundert Leute. Gegen 12.40 kann der Transport von DemonstrantInnen gestopt werden. Nach 15 Minuten beginnt die Polizei zu prügeln, ab 13.00 rollt der Zug mit Spalierbegleitung im Schrittempo weiter. Um 13.20 ist die strahlende Frach in Nordheim, fährt über Nord-Stemmen, Hildesheim, Lehrte und Celle. Um 15.25 befindet sich derVor-Zug zwischen Unterlüß und Uelzen.
Im Bereich des Verladekrans blockieren etwa 3000 Menschen ab 12.00 die Strecke, zwischen Quickborn und Dannenberg ist die Strecke durch die Polizei gesperrt. Zwischen Gusborn und Quickborn ist sie hingegen durch DemonstrantInnen gesperrt, bzw. unpassierbar gemacht. Um 12.25 wird die Kreuzung an der B 191 bei Langendorf - 60 DemonstrantInnen saßen auf der Straße - durch die Polizei geräumt. Sehr viele Menschen kommen zur Unterstützung über die Felder.
Um 13.55 wird zwischen Seybruch und Verladekran geräumt. Ein Augenzeuge: "brutalste Räumung, mehrere Verletzte, ein Schwerverletzter". Ein ZDF-Journalist wird bei Übergriffen durch Polizeibeamte verletzt, als er zusammen mit hiesigen Pastoren die Räumungsaktion beobachtete. Obwohl er sich durch den Ruf "Presse" als Journalist zu erkennen gab, wurde er von drei Beamten überwältigt und mit Schlagstöcken verprügelt.
Gegen 15.00 Uhr werden die in Pölitz festgenommenen DemonstrantInnen - entgegen ersten Nachrichten - NICHT dem Haftrichter vorgeführt, sondern auf freien Fuß gesetzt.
Um 15.15 versuchen Hessische Bereitschaftspolizisten, mit Räumfahrzeugen durch die Sitzblockade Verladekran / B191 in Richtung Quickborn zu fahren. Es gelingt nicht, sie müssen umdrehen.
500 Meter vor Pisselberg stoppt die Polizei ein Auto mit vier Frauen und nimmt sie fest. Vorwurf: Schienenblockade. Mitlgieder eines Straßenchores protestieren. Folge: zwei Mitglieder des Chores werden ebenfalls festgenommen.
Bei Quickborn/Langendorf sperrt die Polizei die Bundesstraße vollständig ab. Niemand, auch nicht Presse und die Pastoren, wird durch gelassen; Anweisung von der Einsatzleitung. Krankenwagen fahren durch, "die Frau liegt noch immer auf der Straße", ist zu hören. "Autonome", so ist aus Bemerkungen der absperrenden Polizisten zu hören, hätten mit Steinen geworfen. Die Magdeburger Schlägertruppe kommt vom Einsatz zurück, näheres ist nicht zu erfahren.
Kreuzung Pudripp: ca. 20 Trecker und 200 Personen.
Splietau: 80 Trecker und 300 Menschen. Die Straße zwischen Gusborn und Splietau ist durch DemonstrantInnen gesperrt. Bei Seybruch besteht eine Materialblockade, die Blockade bei Seybruch wurde gegen 13.55 geräumt.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 17:23:58 (MET)
11:00 Meldung aus Splietau: die Stimmung bei der Bauern ist gut. Zur Zeit halten sich bei
den Treckern ca. 200-300 Menschen auf.
11.21 CASTOR-Transport verläßt Bebra mit Ziel Göttingen.
11 .40 Transport ca. 10 km vor Eschwege
12.00 Blockade im Bereich Verladekran z.Zt. ca. 3.000 Teilnehmer
12.15 Meldung zu den Strecken: die Strecke Quickborn/Dannenberg ist z.Z. durch die Polizei
gesperrt. Die Strecke Gusborn/Quickborn ist durch Demonstrantinnen gesperrt bzw.
unpassierbar gemacht.
12:20 Meldung aus Göttingen, Nördlich von Göttingen (zwischwen Gö und Bovenden) sitzen
ca. 5OO auf dem Feld neben der Bahnstrecke, südlich von Göttingen ebenfalls "ein
paar hundert Leute".
12.25 Kreuzung B 191 / Langendorf Räumung einer Blockade von ca. 60 DemonstrantInnen
durch die Polizei. Unterstützung durch "sehr viele" Menschen, die über die
Felder kommen
12.40 Der Transport STEHT !!! Auf der Strecke nördlich von Göttingen wurde der Transport
durch DemonstrantInnen gestoppt.
12.40 KORREKTUR der Polizei; der durch den Crash der Wasserwerfer verletzte Beamte wurde
NICHT schwerverletzt !!!
12.55 Der Transport steht noch immer. Die Polizei prügelt.
13:00 Der Transport rollt im Schritttempo und mit Spalierbegleitung weiter.
NIX3
- Monday, March 03, 1997 at 14:26:26 (MET)
+++Seit heute morgen um fünf Uhr wird die tödliche Atomfracht durch die Bundesrepublik gekarrt. Der rund 500 m lange Zug hatte sich vom Dampfkraftwerk Walheim aus Richtung Dannenberg in Bewegung gesetzt. Und überall gab und gibt es kleinere Aktionen. Schon kurz nach Verlassen Walheims mußte er eine kurze Zwangspause einlegen: Steine mußten von den Gleisanlagen geräumt werden. In Würzburg gab es kleine Blockadeversuche.
Um 9.30 war das Plutonium-Sixpack dann über Heilbronn, Würzburg, fulda in Bebra angekommen. Dort geht es seit 11.21 weiter in Richtung Göttingen. In Darmstadt saßen gegen 10:45 mehrere Hundert Menschen auf den Schienen, die Räumung begann. In Göttingen begann zur gleichen Zeit eine Schieneblockeade, an der auch Heidi Lippmann von den Grünen teilnahm. In Bad Bevensen, zwischen Uelzen und Lüneburg, wurden zwei Züge durch die Notbremsen gestopt. Verzögerung: etwa 1 1/2 Stunden. In Lüneburg setzten sich - nach Polizeiangaben - 80-100 Menschen spontan auf die Gleise; sie wurden nach 20 Minuten geräumt, teilweise, so die Polizeipressemeldung, freiwillig, teilweise ließen sie sich widerstandslos von den Schienen tragen.+++
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 12:38:36 (MET)
Im Wendland selbst ist mit dem Transportbeginn die Aktivität auf der Straße angelaufen. Auch die Polizei, die sich in der Nacht noch weitgehend zurückgehalten hatte - zum Teil, weil die Einsatzkräfte in den Dunkelheit die Orientierung völlig verloren hatten - griff mit Beginn der Dämmerung ein. Ab 8.00 finden sich 1000-2000 Menschen im Bereich des Verladekrans ein, eine Viertelstunde später blockieren 200 Leute die Bundesstraße191 bei Quickborn.. In Gusborn wird die Straße auf einer Länge von 20 Metern mit Baumstämmen blockiert, DemonstrantInnen reißen die Straße auf. In Pölitz gibt es wiederholte Blockaden.
Von 9 Uhr ab wird in Langendorf blockiert und von der Polizei geräumt. Ein ZDF- Kameramann wird von Polizeibamten so angerempelt, daß er eine Augenverletzung davonträgt. In Pölitz wird um 10.00 versucht, die Demonstranten einzukesseln, ein Gefangenbus fährt auf, 12 Leute werden festgenommen und in die ehemalige Bundeswehrkaserne nach Neu-Tramm gebracht. 10 Minuten später wird die von IDAS- Leuten (MotorradfahererInnen gegen Atomkraft) besetzte Kreuzung in Quickborn "brutal geräumt".
In Dünsche sind gegen 9.30 vier Wasserwerfer aufeinandergefahren, weil der erste Wagen die Abfahr verpaßt hatte. Bei dem Unfall wurden ein Beamter schwer, eine Beamtin und 5 Beamte leicht verletzt. Der Fahrer war zuerst eingeklemmt und mußte aus dem Fahrzeug befreit werden. Angeblich haben zwei der Wasserwerfer Totalschaden.
Die Stimmung der Bauern, die mit ihren Treckern die Ortsdurchfahrt in Splietau dichtgemacht haben, ist gut. Sie werden von etwa 200-300 Menschen unterstützt.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 12:35:00 (MET)
Berliner Verhältnisse sind in das wendländische Dorf Splietau bei Dannenberg seit Sonntag Abend eingekehrt: Oben ruht der Verkehr, unten herrscht emsige Betriebsamkeit wie beim U- Bahn-Bau am Potsdamer Platz. Oben, das heißt auf der Dorfstraße, stehen etwa 80 Trecker, ineinanderverkeilt, so dicht an den Zäunen der dörflichen Vorgärten, daß auch für einzelne Menschen kein Vorbeikommen möglich ist. Stau. Darunter, eine Ebene tiefer, wird wie in der Hauptstadt gebuddelt, werden in Akkordarbeit, bei Scheinwerferlicht, Schubkarren für Schubkarren Sand aus dem Tunnelsystem unter der Straße herausgeschippt. Hunderte von Händen greifen zu den Schaufeln, schieben die Karren, wer nicht mehr kann, macht Pause, andere springen ein. Es herrscht Volksfeststimmung in dem Dorf, die Kneipe macht einen Rekordumsatz, Garagen stehen für diejenigen offen, die sich aufwärmen möchten, Getränke und Brote werden für die Bautrupps auf Tischen und Bänken bereitgehalten. Das ganze Landvolk, die zugereisten Städter, Autonome und Müslis, alle bewundern den Fortschritt der gemeinsamen Bauarbeiten.
Über allem kreist unermüdlich der Hubschrauber der Polizei, leuchtet ab und an mit
seinem Scheinwerfer. Leider ist den Herren dort oben die Aussicht auf die Baustelle nicht
vergönnt, riesige Planen schützen die Nachtschicht vor allzu neugierigen Blicken.
"Die Autonomen arbeiten wie verrückt, buddeln die Straße in Splietau auf",
tönt es im Polizeifunk. "Die Autonomen?", so die Nachfrage aus der Zentrale,
"die können doch gar nicht richtig arbeiten". "Doch, doch, und auch die
Bäuerliche Notgemeinschaft macht da mit!" "Ach so, die Notgemeinschaft. Ja,
zupacken können die schon richtig". Mehr als diesen Kommentar gibt die Polizei nicht
von sich, kann oder will nicht eingreifen, so lange es dunkel ist.
Mehrere Stunden wird gerackert - bis Mitternacht, dann wird die Nachtruhe eingeläutet,
die Bauarbeiter ziehen sich in ihre Camps zurück, vereinzelt werden Sight-Seeing-Touren
in den unterirdischen Gängen arrangiert. Der Hubschrauber ist abgezogen, müde Gestalten
wärmen sich am Lagerfeuer auf der Dorfstraße, ein Kamerateam von Pro 7 darf seine
Scheinwerfer aufblenden und filmen.
Das Werk ist getan - vorläufig. So ganz einfach wird man durch Splietau nicht mehr
durchkommen. "Ein Räumung in der Nacht ist von der Polizei nicht vorgesehen",
melden die Nachrichten.
CASTOR-NIX-DA!!!
- Monday, March 03, 1997 at 12:11:13 (MET)
Scripts and Guestbook created by Matt Wright and can be found at Matt's Script Archive