NIX3 - danach

Auf dieser Seite möchten wir Berichte, Kurzartikel, Meldungen, Meinungen ... die anch dem 3. Transport veröffenlicht wurden darstellen, um so die Diskussion nach dem Tag X zu dokumentieren.
Wenn Ihr einen Beitrag zu diesem Thema habt, dann schickt uns bitte ein e-mail, ein Fax oder ruft uns an.


vom 20.11.1997

Justitia nähert sich drittem Gastor-Transport- Amtsgericht Dannenberg:

Landfriedensbruch fallengelassen


Nachfolgender Offener Brief wurde von Adolf (Adi) Lambke zur Verfügung gestellt. Die Bilder von Adi Lambke, wie er von der Polizei von seinem Trecker gezerrt wurde gingen durch die Republik. Der Landwirt und Rentner ist Atom-Widerständler im Wendland auch bei den Bauern. (s. Bäuerliche Notgemeinschaft)

 


Die Nachfolge Vorladung ist im Zusammenhang mit der Treckerblockade in Splietau während Nix3 zu sehen.


EJZ vom 2.07.1997

Unbequemes zum Castor-Einsatz

lr Lüchow. Das wird auch viele Lüchow-Dannenberger interessieren: Erlebnis- und Erfahrungsberichte vom CastorEinsatz im Wendland sind Sehwerpunkte der neuesten Ausgabe der Polizeizeitschrift

,,Unbequem".

Herausgegeben wird das Blatt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten.

Zu beziehen ist ,,Unbequem" bei Bernward Boden unter der Telefonnummer (Hinweis der Castor-Nix-Da-Redaktion: die Rufnummer wurde anonymisiert.)


EJZ vom 26.06.1997

"Platttorm Plattdüütsch in de Kark" tagte in Riebrau

Angst vor "Atomschiet" stimmte sehr nachdenklich

jg Riebrau. Knüppelbewehrte Polizisten, Demonstranten mit Steinen, gesperrte Waldwege. ,,Dat kann doch nich wahr wesen", faßt ,,Ruheständler Hannes" seine Eindrücke von einem Mornmüll-Transport zusammen.

Was der Tourist erlebte, der zufällig während der Castor-Tage im Kreisgebiet war; berichtete Horst Gierow aus Lemke/Nienburg gestern auf Platt rund 30 Mitgliedern der ,,Plattform Plattdüütsch in der Kark" auf ihrem ,,Vierländertreffen" in Riebrau.

Frauen und Männern aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie SachsenAnhalt waren gekommen, Mitglieder der ,,Plattform" - Zusammenschluß von Arbeitsgemeinschaften, die im norddeut schen Raum die plattdeutsche Arbeit in der Kirche fördern. Der Vortragende, Vater des Riebrauer Pastors Mrchael Gierow, brauchte nur wenige Worte, um ,,Castor-Atmosphäre" zu vermitteln - die plattdeutsche Sprache in ihrer Schliehtheit und Klarheit tat das ihre dazu. Und so schienen die Anwesenden doch sehr nachdenklich gestirnmt zu sein, als sie vom ,,Atomschiet" hörten, von der im Umfeld der Transporte herrschenden Angst. Die Erzählung des Wendland-Besuchers, eingebettet in eine Andacht in der Kirche zu Riebrau, war Auftakt des Beisarnmenseins.

 


EJZ vom 26.06.1997

 

Castor-Demo mit Folgen für Schülerin

dpa Kassel. Der Direktor des Kasseler Albert-SchweitzerGymnasiums hat einer 14jährigen Schülerin den Besuch des Bundestags verboten, weil sie an einer Anti-Castor-Demonstration teilgenommen hat. Die Achtkläßlerin wollte auf Einladung des Kasseler Bundestagsabgeordneten Matthias Berninger (Grüne) nach Bonn fahren um sich dort über das deutsche Regierungssystem zu informieren. Die Reise stelle eine Vergünstigung dar, so der Schulleiter. Aus pädagogischen Grunden sei es falsch, sie ihr zu gewähren, da sie wegen der Demo unentschuldigt gefehlt habe.


EJZ vom 23.06.1997

Gorleben-Transporte bald mit einem V/52-Behälter?

BI warnt vor dem Riesen-Castor

lr Gorleben. Nicht mehr 19 abgebrannte Brennelemente wie bisher, sondern fast das Dreifache, nämlich 52 Brennelemente, soll ein neuer RiesenCastor-Behälter enthalten, der schon ab dem kommenden Jahr nach Gorleben und Ahaus rollen könnte.

Die ersten fünf dieser Groß-Castor-Behälter von Typ V/52 würden bereits gefertigt, erfuhr die hiesige Bürgerinitiative Umweltschutz (BI). Allerdings seien nach bislang vorliegenden Informationer keinerlei Belastungstests mil diesen neuen Castoren durchgeführt worden. Ob diese noch stattfänden, sei eher fraglich.

Für die zuständige Genehmigungsbehörde - das Bundesamt für Materialprüfung (BAM) - würden nach eigenen Aussagen Rechnermodelle und Computersimulationen durchaus genügen. Die Gründe für die HerstelIung eines solchen Behälters liegen für die BI auf der Hand. Neben technischen Gründen aufgrund der etwas kürzeren Brennelemente aus dem AKW Gundremmingen sei es offensichtlich, daß man versuche, mit einem fast dreimal so großen Fassungsvermögen der neuen Castoren die unbequemen Transporte nach Gorleben zu reduzieren. Doch noch ein zweiter Punkt ist für die Atomkraftgegner nicht von der Hand zu weisen: Durch Verwendung der neuen V/52Behälter wäre es möglich, Stellplätze im Zwischenlager einzusparen.

Dazu BI-Sprecher Rainer Erhard: "Durch den Antrag zur Nutzungserweiterung aus dem Jahr 1995 ist zwar klar geregelt, daß bei 3 800 Tonnen Schwermetall in der Castor-Halle Schluß ist, doch wenn im Zwischenlager durch die neuen Großbehälter dann noch Stellplätze frei wären, könnte doch die Aussicht auf eine erneute Nutzungserweiterung allzu verlockend sein. " Nach BI-Meinung unzulänglich geprüfte Behälter, noch schwerere Atomkolosse, die über Straßen und Schienen rollen, kompaktere Lagerung, um Platz in den Zwischenlagern zu sparen - all dies zeige einmal mehr und überdeutlich, ,,daß im Atomgeschäft Profit vor der Sicherheit der Menschen" stehe. Erhard: ,,Der Widerstand wird sich diesen Plänen der Atomindustrie und ihrem neuen Riesen-Castor entgegenstellen - spätestens auf der Straße."


EJZ vom 2.06.1997

Spiele und Spaß bei landwirtschaftlichem Turnier

Luft für platte Treckerreifen

hs Reddebeitz. Reifen wieder unter Druck bringen, Traktoren per Muskelkraft rückwarts schieben, Brühtröge rollen oder Strohballen auf quergestellte Holzpfähle stapeln: die Bauerliche Notgemeinschaft hatte am Sonnabend zu einem kurzweiligen Treckerfest nach Reddebeitz eingeladen.

Auch diesmal galt es auf dern Bauernhof von Harald Günther für sechs bunt zusammengewürfelte Teams, ihre ,,landwirtschaftlichen Arnbitionen" unter Beweis zu stellen. Zum spaßigen Wettstreit gehörten aber auch deftig pointierte Seitenhiebe gegen die Atomenergie.

Es gewann schließlich die zweite Gruppe. Doch das war eher belanglos. Notgemeinschaftsvorsitzende Susanne Kamien und ihre ebenso redegewandte Mitstreiterin Claudia Heimbucher heizten den rund 500 Besuchern und den Wettkampfteams mit viel Pep in der Stimme richtig ein. So waren sich beispielsweise die beiden Moderatorinnen einig, daß wendländische Bauern zukünftig immer genügend Luft für platte Reifen ihrer Traktoren haben, wenn viele Luftpumpen vorhanden seien und der konditionelle Atem durch Teamgeist gestärkt werde. Und mit vereinten Kräften, so der Kommentar beim Rückwärtsschieben der Traktoren, könnten diese Gefährte ohne Motorkraft ebenfalls mit vereinten Kräften bewegt werden. Der bäuerliche Protest über Gefähren durch Atomenergie blieb auf Günthers Hofwiese nicht Sache von Erwachsenen. Schüler und Schülerinnen der Klasse 4 b der Wustrower Grundschule führten ihr Märchen ,,Die Ausdauerlinge" vor. Darin erzählen die Kinder ihre Ansichten vom Leben mit einer gefährlichen Energie. Ein Märchen, daß nachdenklich macht warum junge Menschen so detailliert über Castor-Behälter Stunkparade, ein imaginäres Salzschloß oder ,,Stromhausen" nachdenken und zum Ausdruck bringen. Spaß für die jüngsten Besucher wurde von der Theatergruppe ,,Pustekuchen" in der ,,Bühnenscheune" in Reddebeitz geboten. Mit viel Pantomime, Gesten und Publikumsnähe präsentierten die vier LaiendarsteUerinnen eine imaginäre und kaum zu bändigende Flohfrau namens Florentine.


EJZ vom 31.05.1997

Chor singt am Castor-Kran

lr Breese/M. Das schöne Wetter lockt auch den "Straßenchor" wieder nach draußen: Die sangesfreudigen Atomkraftgegnerinnen und -gegner treffen sich fortan an

jedem ersten Sonntag eines jeden Monats um 11 Uhr

am Castor-Verladebahnhof bei Breese in der Marsch. So ist der Chor auch morgen am vertrauten Platze zu hören .


14. Juni Brokdorf DICHT machen !

1. Behindern wir den Betriebsverkehr zum diesjährigen Austausch der Brennelemente

2 Wir malen das größte Atomkraft? Nein, danke auf die Straße

3. ist dies die Auftaktaktion zum 20. CASTOR aus Brokdorf in die WAAs. 17Uhr (Infoaustausch + Ortsbesichtigungen+Aktionsvorbereitungen)

4. Aulsklang am Deich und wildes Campen am AKW

TREFFs:

13 Uhr BhfWilster

14 Uhr an beiden AKWtoren

Es ist Raum für alle Demonstrationsformen! Unbedingt mitbringen: Autos, weiße Farbe+Rollen (für Straße), Zelte,Instrumente und viele Menschen Transportinfotelefon 04859 - 222


Anzeige in der EJZ vom 24.05.1997

Hausdurchsuchung!

6. Mai 1996, 23.30 Uhr: Gefahr im Verzug! Eine Hundertschaft BGS umstellt ein Hofgelände in Mützingen. Scheinwerfer leuchten den ganzen Platz aus, zivile und unifonnierte Schnüffler suchen mit vierbeiniger Unterstützung nach Sprengstoff. Ein "Versehen", ein "Irrtum", wie sich kurze Zeit später herausstellte. Die Bewohner warten bis heute auf eine Entschuldigung oder gar öffentliche Richtigstellung.

19. März 1997, 7.05 Uhr: 20 Zivilbeamte und eine Hundertschaft Bereitschaftspolizei stürmen die Alte Ziegelei in Mützingen. Privat- und Geschäftsräume werden vier Stunden lang durchwühlt. Diesmal suchen die Hunde laut Durchsuchungsbeschluß vom 11. März nach "Hakenkrallen" und "Toilettenabflußrohren" zur Durchführung von Bahnanschlägen.

Ein "Versehen", ein "Irrtum"? Nein, die Schikane hat Methode. Immerhin wohnen hier zwei Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative. Mit Hausdurchsuchungen, ständiger Telefonüberwachung, Zivilwagen vor dem Hoftor und verdeckten Ermittlern auf dem Gelände werden zwei Ziele verfolgt: 1. Einschüchterung und 2. die Hoffnung, daß Nachbarn und Bekannte von den Bewohnern abrücken unter dem Motto "Irgendwelchen Dreck am Stecken werden die schon haben, wenn die Polizei immer bei denen ist!". Wir bedanken uns fur die Unterstützung aus dem Dorf und von Menschen aus dem ganzen Landkreis. Wir werden weiterhin entschieden Widerstand leisten gegen die Schreibtlschtäter in Behörden und Atomfirmen und gegen Schläger in Uniform. Zu Fuß und auf dem Schlepper, auf Straße und Schiene - für uns und unsere Kinder. Die BewohnerderAlten Ziegelei Mützingen, die Lederwerkstatt Falcon& Kite und der Mützingenta e.V.

Wir stellen uns auf die Seite derjenigen, die als "kriminell" gebrandmarkt werden sollen. Wir lassen keinen Keil in Familien, Dorfgemeinschaften oder die Bevölkerung treiben. Freunde und Gäste der Mützingenta '97

Sigrid Ahlert, Neumühlen; Uli Anders, Hamburg; Astrid Arnold, Breselenz. Angelika Auckertala, Altenkirchen. Peter Bausmann, Marburg; Bea und Ceipek, Gledeberg; Wilhelm Behr, GUlden. Bea Büschel, Billerbeck. Dorliebe Boback, Langlinga; Kai Brass, Klamp; Christd Bremer, Schnega; Wemer Burmester, Sarenseck; Ernst-Gerhard Busse, Hambrock; Jörg Butinopp, Bockleben; Judith Christner, Dannenberg; Nina Christner, Dannenberg; Stefan Dahlmann, Lüchow; Klaus-Peter Dehde, Neu Darchau; Günter Dittmann, Vietze; Mihai Dobberthien, Lienen; Elke Draht, Karmitz. Dirk Fabijansli, Langwedd; Bernard Fathrnann, Penkefitz; Christd Fathmann, Penkefitz; Frank Fiedler, Hitzacker. Jutta Fliether, Berlin. Petra Flinspach, Hamburg; Marita v. Fintel, Fmtel; Hajo Främke, Lübeln; Felix Grimm, Gartow. Katharina Hahn Vogdsane, B. Harbecke Kosche; Andrea Harre, Granstedt; Heinrich Harre, Granstedt; Fam. Hechtenberg, Hamburg; Claudia Heimbucher, Lübeln; Karl-Hemning Hohmann, Lüneburg; Hanna Horns, Dannenberg; Heike Horns, Lüneburg; Heiko Jäger, Quickborn; Renate Jäger, Quickborn. Wolfeane Jürries, Jeetzel, Elke Knodtel, Mützingen; Ingo Koller, Hamburg; Stephan Krawczyk, Berlin; Rajko Kihnöhl, BiDlerbeck; Harald Lanesch Schnega; Susanne Langsch, Schnega; Rita Ludwig, Groß Heide; Stephan Möller-Horns mit Johann, Lüneburg; Christine Morbs, Hamburg; Monika Murdfield, Domrnatzen; Petra Muth, Kannitz; Dorothee Nordmann, Poitzen; Petra Nowak, Mützingen; Michael Ober, Dannenberg; S. Peters, Rosengarten; Dagmar Potten, Essen; Regina Reuters GroB Thondorf; Hartmut Rietzke, Besdand; Kerstin Rudek, Küsten; Jörg Satorin, Uetze; Ann-Kathrein Schröder Barnstedt. Birgit Schuhmann Hamburg; Birgit Seemann, Uetze; Beate Seiler, Wnstrow; Herbert Stübner, Berlin; Gerhard Studyaka, Jameln. Sigrid Stadyaka Lamdn; Wolfram Tanbitz, Glieneitz; Eckhard Tietke, Gr. Breese; Johannes Toppel, Hamburg; Klaus-Dieter Uhlich, Hamburg; R. Wasmuth, Bösel; Janka Weber, Simander; Doris Weimann, Schmardau; Elisabeth Werner, Dragahn; Klaus Werner, Dragahn. Hajo Wilms, Lüneburg; Heinz Winter Schwarzenbek; Fam. Wittstamm, Clenze; Nana Wollmann, Raffatz; Hans-Werner Zachow, Fließau.


EJZ vom 24.05.1997

Staatsanwaltschaft stellte bereits 18 Verfahren gegen die Polizei ein:

"Treckerlahmlegen keine Sachbeschädigung"

by Lüchow. Sachbeschädigung, Nötigung und Köperverletzung hatte die Bäuerliche Notgemeinschaft der Polizei vorgeworfen, die beim Glaskokillen-Transport im Mai vergangenen Jahres gegen Landwirte und ihre Trecker vorgegangen war.

Polizisten hätten die Ventile der Reifen mit Bolzenschneidern durchtrennt oder die Reifen sogar mit Messern durchstochen, beklagten die Bauern, insgesamt seien 140 Trecker lädiert worden. Die Landwirte wehrten sich gegen das Lahmlegen ihrer Trecker mit insgesamt 36 Anzeigen, 18 dieser Verfahren hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile eingestellt, sie hält das Vorgehen der Polizei für gerechtfertigt und beruft sich dabei auf das Niedersächsische Gefahrenabwehrgesetz . Das erlaubt die Ingewahrsamnahme von Personen nicht nur um Straftaten, sondern auch um Ordnungswidrigkeiten von ,,erheblicher Gefahr" zu verhindern und die Sicherstellung einer Sache, um eine gegenwärtige Gefahr abzuwehren.

Und um eine ,,gegenwärtige Gefahr" handele es sich, wenn die Einwirkung des schädigenden Ereignisses bereits unmittelbar begonnen hat oder bei der diese Einwirkung unmittelbar oder in allernächster Zeit mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit bevorsteht". Die Teilnahme an einer verbotenen Versammlung ist, so die Staatsanwaltschaft eine solche ,,gegenwärtige Gefahr". Für die Polizisten, die am Tag des Atommülltransportes frühmorgens mehrere Traktoren bei Siemen aufbrachten, war die Sache klar: sie "mußten und konnten davon ausgehen, daß die von ihnen gesichteten Trekker und die Treckerfahrer auf dem Weg zur Transportstrecke (Verladestation Dannenberg-0st bis Zwischenlager) waren, um diese zu blockieren. Eine andere Einschätzung an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit wäre nicht sachgerecht gewesen", heißt es in der an die Staatsanwaltschaft gerichteten Stellungnahme der Polizei zum "Komplex Treckerbeschädigungen". Dabei spiele keine Rolle, daß sich die Treckerfahrer mehrere Kilometer von der vom Versammlungsverbot er faßten Zone befunden hätten.

"Die Teilnahme an einer Straßenblockade zusammen mit den anderen Treckerfahrern ist hypothetisch, aber doch sehr wahrscheinlich. " Deshalb hätten sich für die Polizei die Möglichkeiten ergeben, entweder die Treckerfahrer in Gewahrsam zu nehmen - das wäre die einschneidendste Maßnahme gewesen - oder den Traktor sicherzustellen. Letzteres taten sie dann, indem sie die Luft aus den Reifen ließen und die Ventile an sich nahmen. Sachbeschädigung sei das nicht gewesen. meint die Staatanwaltschaft. Sie hat deshalb auch davon abgesehen zu ermitteln, welche Beamten vor Ort eingesetzt waren und sich an den Ventilen zu schaffen machten.

Der Anwalt der betroffenen Landwirte, Wolf Römmig, hat Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt und findet, daß hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen werde. Was die Polizei sich hier geleistet habe, gehe weit über die Befugnisse hinaus, die der Polizei nach der Strafprozeßordnung bei der Verfolgung konkreter Straftaten zustehen. Hier gehe es lediglich um eine mögliche Ordnungswidrigkeit. Römmig möchte auch gern wissen, wie die Polizei eigentlich einem Menschen ansehe, ob er ein Versammlungsverbot brechen will. Seiner Meinung nach eröffne sich hier ein breites Feld für staatliche Willkür. Dabei werde auch in das Grundrecht auf Freizügigkeit eingegriffen. Ausgehend von diesen Fällen weist Römmig auf weitere Bedenken gegen dieses niedrigschwellige Gefahrenabwehrgesetz hin: Sollten die Arbeitslosenzahlen steigen und die Zeiten im Lande politisch unruhiger werden, könnten unter diesem Gesetz eines Tages auch solche Leute selbst leiden, die es, wie die Sozialdemokraten, einst mit verabschiedet haben.

 

 


DIE BÄUERLICHE NOTGEMEINSCHAFT LÜCHOW-DANNENBERG

feiert das

9. Grosse Wendländische Treckerfest

Wir möchten alle einladen, die auf ihrenTreckern gegen die Atomanlagen demonstriert haben, die Aktionärinnen, und alle, die uns bisher unterstützt haben - und natürlich ganz besonders herzlich die Splietauer und Splietauerinnen!

SONNABEND, den 3 1, MAI AB 1 4.00 UHR AUF DEM HOF GÜNTHER IN REDDEBEITZ BEI LÜCHOW

Unser Nachmittagsprogramm: Der bewährte KOMISCHE BÄUERLICHE MEHRKAMPF (verschärfte Version), bei dem gemischte Mannschaften aus Bäuerinnen / Bauern und freiwilligen Gästen um hochwertige Preise kämpfen, oder ein Geschicklichkeits-Parcours für jedermann, auf dem Ihr prüfen könnt, wieviel vom bäuerlichen Blut von Eurer Vorfahren noch durch Eure Adern fließt. Und die Kinder? Im Zelt gibt es ein spezielles Programm für die Kleinen. Hunger & Durst? Wir haben Essen & Trinken.

Musik? Ab 20.00 Uhr live mit Liederjan und Sean Donnelly, Irland.

Eine dringende Bitte: Bringt Eure Trecker und Stunkwagen mit!


Leserbrief vom 10.05.1997

Gegen Kriminalität der Atomlohby vorgehen

Betrifft: Atompolitik in Japan

In dem High-Tech-Land Japan haben also 120 Polizisten die Büros von Atomkraftbetreibern gestürmt, weil nukleare Unfälle durch Lügen verheimlicht wurden. Bemerkt sei, daß japanische Kernkraftwerke weltweit die sichersten sind, weil diese wegen ihrer geographischen Lage auch noch Erdbeben standhalten müssen! Die Zeitschrift "Die Welt" spricht sogar von Kriminalität, der Betreiber. Dieses zeigt doch einmal mehr, daß die Sicherheit von Atomanlagen sogar mit krimineller Energie vorgetäuscht wird! Sollte es die japanische Atomlobby versäumt haben, Politiker und Aufsichtsbehörden rechtzeitig zu manipulieren? Oder ist japanischen Politikern Leben und Gesundheit der Menschen wichtig? Deutlich wird jedoch, daß wir Politiker brauchen, die argwöhnisch gegen eine mögliche Kriminalität und die Lügen der Atomlobby vorgehen!

Hans Wittkowski, Schnega

 


Veranstaltungshinweis

Zwei Männer in einern Betonklotz - Ganz zu schweigen von 15.000 Polizisten und 6 Caestor-Behältern!

Erstmals im Landkreis: Ein Film über die Aktion! Modenschau und Versteigerung mit Mr. X zugunsten der Prozeßkostenhilfe für die Schienenbetonierer vom Tag X³

. Do., . 8.Mai um 21 Uhr, Alte Ziegelei, Mützingen (beheiztes Zirkuszelt)

Eine Veranstaltung des Mützingenta e.V.


Anzeige in der EJZ vom 07.05.1997

Schließe keine Kompromisse, du bist alles, was du hast! Janis Joplin,

Ali + Pu.


EJZ vom 05.05.1997

Prozeßserie: Sachbeschädigung statt Störung öffentlicher Betriebe

Geldstrafe für Schienensägen

fk Dannenberg. Es hätte der Versicherung der Staatsanwältin nicht mehr bedurft. Daß der Staat bei allem, was mit den Protesten gegen Atomanlagen zusammenhängt, ein großes "öffentliches Interesse an der Strafverfolgung" sieht, das ist spätestens seit dem ersten Castor-Transport 1995 überdeutlich geworden. Andere Demonstranten, etwa Bergleute, können sich eines solchen öffentlichen Interesses nicht erfreuen.

Als es in der vergangenen Woche vor dem Dannenberger Amtsgericht gegen vier CastorDemonstranten ging, da war es der Anklagevertretung ganz besonders wichtig, keine Kompromisse zu machen. Einen Vorschlag zur Einstellung der Verfahren lehnte sie ab. Wohl aus Gründen der Generalprävention, wie Richter Skwirblies vermutete. An der Abschreckung möglicher Mittäter ist den Strafverfolgern gerade in diesen und den Fällen der nächsten Wochen gelegen. Es geht um Aktionen, die von den Tätern als "ziviler Ungehorsam" bezeichnet werden: Regelverletzung, Übertretungen von Gesetzen am hellen Tag und öffentlich, bei denen von vornherein die Bestrafung in Kauf genommen wird. Das fordert die Ermittlungsbehörden offenbar ganz besonders heraus. Bei einer Reihe von Hausdurchsuchungen der letzten Monate waren diese Aktionen als Grund angegeben. Eine dieser Aktionsreihen im ·Zusamenhang mit dem Castor war ,,Ausrangiert".

Das Verfahren in der vergangenen Woche drehte sich um die Nachfolgeaktion vor dem zweiten Tag X, "Keine Bahn zum CastorKran". Nach Zeitungsanzeigen und anderen öffentlichen Ankündigungen waren Demonstranten am 15. September 1996 zum Dannenberger Ostbahnhof gezogen. Mit einer Bügelsäge hatten sich einige an dem Gleis zu schaffen gemacht, auf dem der Castor rollen sollte. Als die Aktion nach einer Stunde beendet war, fand die Polizei mehrere Schnitte in den Gleisen, rund fünf Zentimeter tief. Sachbeschädigung, warf die Staatsanwaltschaft den vier Angeklagten, die an diesem Tag dabei waren, vor. Das ist neu. Immerhin gab es vor dem Dannenberger Amtsgericht bereits einmal ein Verfahren wegen "Ausrangiert". Damals klagte die Staatsanwaltschaft noch wegen "Störung öffentlicher Betriebe" an, und das Gericht war dem gefolgt. Damals rückte man Widerstandsaktionen wie ,,Ausrangiert" in die Nähe des Terrorismus.

Die Störung öffentlicher Betriebe ist eine Katalogtat nach Paragraph 129 a, Bildung einer terroristischen Vereinigung. Vor Gericht war diesmal davon keine Rede mehr. Die so legitimierten Hausdurchsuchungen sind vorbei. Die Angeklagten bestritten die Tat überhaupt nicht. So konnten die Zeugen sofort wieder entlassen werden. Gegenstand der halbtägigen Verhandlung war nur noch die Frage, ob es rechtfertigende Gründe gab. Die Angeklagten sahen sie in der Gefahr durch die Atomenergie und im Atomstaat. Katja Tempel wies darauf hin, da alle ungerechten gesellschaftlichen Verhältnisse einmal gesetzlich waren. Die Gesetze seien ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse von gestern. Ihr Vater zum Beispiel habe als Lehrerausbilder die Anweisung erhalten, auf die Dateien von Anwärtern mit linkem Gedankengut einen roten Punkt zu kleben.

Keine Rechtfertigung fand dagegen die Staatsanwältin. Wer setzt schließlich die Maßstäbe, was gerechtfertigt ist und was nicht, fragte sie. Es könne nicht jeder seine Ideen nach dem Faustrecht durchsetzen. Im übrigen erinnerte sie die Angeklagten an deren eigene Definition von zivilem Ungehorsam: die Strafe wissentlich in Kauf zu nehmen. Das Gericht bescheinigte den Angeklagten eine "ernsthafte sittliche Grundhaltung". Sie hätten nicht aus Eigennutz gehandelt. Dennoch: es wäre sogar nach der Zielsetzung der Angeklagten widersinnig, wenn die Regelverletzung straffrei bliebe. So hatte schon das Bundesverfassungsgericht befunden. Für die Angeklagten hieß das: Geldstrafen. Jeder erhielt zwanzig Tagessätze, gestaffelt nach Einkommen, bis zu 600 DM. Damit war dem öffentlichen Interesse Genüge getan.


 


Castor-Berichte der Pastoren:

Jetzt im Internet

epd Lüchow. Die Berichte, die Pastoren aus dem Wendland über den Castor-Transport im März verfaßt haben, sind auch im Internet nachzulesen. Die 46seitige Dokumentation und ein zusammenfassender Artike von Pastor Martin Grahl aus Conow in Mecklenburg-Vorpommern sind über die Seite der Landeskirche abrufbar. Die Adresse lautet Die Berichte sind unter den Stichworten http://www.evlka.de/aktuell/pastor.htm und "/aktuell/castor2.txt" zu finden. Die Pastoren hatten während des CastorTransports zwischen Polizei und Demonstranten vermittelt.


Anzeige in der EJZ vom 30.04.1997

Resolution

"Wir, die Versammelten auf dem bundesweiten Anti-Castor-Delegiertentreffen, erklären: Während der Aktionstage um NIX3 wurde eine Frau vergewaltigt.

Sie nahm sich im März das Leben.

Wir finden nicht die Worte, um unsere Trauer und Betroffenheit auszudrücken. Diese Vergewaltigung ist Ausdruck der alltäglichen sexualisierten Gewalt gegen Frauen, die auch in unserer Bewegung vorhanden ist. Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen wurden und werden in der Anti-AtomBewegung bisher fast gar nicht thematisiert. Es muß erst die extremste Form von Männergewalt passieren, bevor wir uns damit auseinandersetzen. Zu viele von uns wollen sich nach wie vor nicht mit anderen Herrschaftsverhältnissen als dem politisch begrenzten CASTOR-Konflikt beschäftigen. Unser Widerstand richtet sich nicht nur gegen den einzelnen Atomtransport, sondern gegen alle Gewaltverhältnisse in unserer Gesellschaft. Wenn wir in der Anti-Atom-Bewegung etwas zur Überwindung dieser Verhältnisse beitragen wollen, ist unsere Arbeit untrennbar von der Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen und anderen Unterdrückungsmechanismen. Vergewaltigung ist dabei die weitgehendste Form. Diskriminierung fängt auch bei uns mit Redeverhalten, Gruppenstrukturen und in Beziehungen an. So lange wir (speziell die Männer von uns) Gewalt und Herrschaft gegen Frauen nicht angehen, muß es uns nicht wundern, wenn wir Unterdrückung von Frauen reproduzieren - auch am Tag X. Trebel, 12. 4.1997

Wir solidarisieren uns mit dieser Resolution und möchten unsere tiefe Betroffenheit äußern, nicht nur weil wir während der Castor-Tage dieser Frau begegnet sind.

Castor-Gruppe Gusborn

 


Pressemitteilung

"Keine Bahn zum Castor-Kran" Regelmäßiger Ziviler Ungehorsam am Castor-Gleis in Dannenberg

Prozesswelle wegen Schienendemontagen rollt an

Ziviler Ungehorsam am Castor-Gleis in Dannenberg wird vor Gericht verhandelt.

Dannenberg, 28.4.97. Am Mittwoch beginnt vor dem Amtsgericht Dannenberg die Juristische Aufarbeitung der öffentlichen Schienend.emontagen an der Verladestation für Castor-Behälter. Etwa 300 AtomkraftgegnerInnen haben zwischen September 1996 und Februar 1997 an den sonntäglichen Aktionen unter dem Motto "Keine Bahn zum Castor-Kran'' teilgenommen. gegen knapp die Hälfte der Beteiligten sind Ermittlungs-, Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren anhängig. Dabei geht es um ganz unterschiedliche Tatbestände: Beim Sägen an den Gleisen wird von der Polizei wegen Sachbeschädigung, Landfriedensbruch oder Gefährlicher Eingriff in den Schienenverkehr ermittelt. Diejenigen, die sich nur auf de:n Schienen aufhielten, bekamen Bußgeldbescheide wegen "Betreten von Gleisanlagen" oder Strafverfahren wegen "Beihilfe zu einer Straftat", Die Verfahren wegen "Beihilfe" sind besonders brisant, weil die Staatsanwaltschaft schon den Aufenthalt auf den Gleisen als "Ermutigung" derJenigen wertet, die an den Schienen sägten.

Fast alle betroffenen AtomkraftgegnerInnen haben gegen dle Bußgeldbeschelde und Strafbefehle Widerspruch eingelegt. Dies ist wenig verwunderllch, haben doch die an den Aktlonen Betelllgten schon im Vorfeld öffentllch u.a. erklärt:

"Wir lassen uns von drohenden Festnahmen nicht von unserem Tun abbrlngen. Wir verstehen die Juristische Auseinandersetzung als Teil der politlschen Auseinandersetzung."

In den nächsten Monaten wird es vor den Amtsgerichten in Dannenberg und Bad Bramstedt (Schleswig-Holsteln) zu einer Prozeßwelle in Sachen Castor-Gleis kommen. Bad Bramstedt verhandelt die Bußgeldsachen, da die Gleisanlagen in die Zuständigkeit des Bundesgrenzschutzes in Harburg fallen. Die Strafverfahren landen alle auf dem Tisch der Dannenberger Richter. Im der Verhandlung am Mittwoch geht es um die Auftaktaktion der Kampagne vom 15. September '96. Vier Beteiligte aus dem Wendland stehen wegen Sachbeschädigung vor Gericht. Das Besondere: Die AktivistInnen bestreiten nicht, an den Gleisen zum Verladekran gesägt zu haben. "Wir stehen zu diesem Akt Zivilen Ungehorsams", erklärt KatJa Tempel, Sprecherin der Kampagne und selbst eine der Angeklagten, "Jetzt muß sich die Justiz die Frage stellen, wie sie mit Menschen umgeht, die aus Gewissensgründen begrenzte Regelverletzungen begehen."

Termin: Mi. 30.4., 9.15 Uhr, Amtsgericht Dannenberg


April-Runschreiben der

KURVE WUSTROW

Bildungs- und Begegnungsstätte für gewalffreie Aktion e.V. Kirchstraße 14 D-29462 Wustrow Tel.: 0 58 43 - 507 Fax: 0 58 43 - 1405 e-Mail: kurve-wustrow@oln.comlink.apc.org

An alle Vereinsmitglieder sowie UnterstützerInnen, Freunde und Freundinnen der Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V. KURVE Wustrow

Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Freundinnen, liebe Freunde! Wenige Tage lang befanden sich Gorleben und das Wendland im Mittelpunkt internationalen Interesses. Fernsehen und Zeitungen brachten ihre Berichte über die brutale Räumung der großen gewaltfreien Sitzblockade am Castor-Verladekran in Dannenberg oft noch vor Reportagen über den Aufruhr in Albanien. An mancher Stelle wurde der Polizei-Einsatz mit dem der Belgrader Polizei gegen die jugoslawische Demokratie-Bewegung verglichen. Wir werten dies als einen großen Erfolg: die vielleicht größte gewaltfreie Aktion der deutschen Geschichte vermochte es, der Polizeigewalt den Anspruch der Rechtmäßigkeit staatlichen Handelns zu entziehen und den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft deutlich zu machen, daß der Ausstieg aus der Atomindustrie ansteht.

Gewaltfreie Aktionstrainings

Die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion KURVE Wustrow hatte Anteil am Erfolg gewaltfreier Politik im Wendland. In den Monaten vor dem Castor-Transport führte die KURVE Wustrow im Auftrag der Kampagne "X-tausendmal quer" Gewaltfreiheitstrainings mit vielen Aktionsgruppen in ganz Deutschland durch. Mitglieder des Trainingskollektivs der KURVE berieten den SprecherInnenrat der Aktion und organisierten am Sonntag vor dem Transport ein großes Blockadetraining im Splietauer Camp der Aktion.

In unserem Haus in Wustrow trafen sich wochenlang Gruppen, um ihre Aktionen und das Camp vorzubereiten, um Strategien zu entwickeln und um Kraft zu schöpfen. Helfer und Helferinnen kamen hier zusammen, bevor sie nach Splietau weiterfuhren. Es zeigte sich, wie wichtig ein Haus wie die KURVE ist, damit gewaltfreie Aktion leben kann - in jenen Tagen wurde der Name "Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion" für alle BesucherInnen sichtbare Realität wie selten zuvor.

Gorleben International Pesce Team

Wenige Tage Medien-Aufmerksamkeit reichen nicht aus, um die Mechanismen der Gewalt gegen die Bewegung im Wendland und das Ausmaß von BürgerInnenrechtsverletzungen zu verstehen und zu dokumentieren. Deshalb riefen wir bereits im Februar internationale MenschenrechtlerInnen ins Wendland. Sieben Frauen und Männer aus den USA, Nigeria, Ecuador und Mazedonien beobachteten die Ereignisse kurz vor der, während und nach der "heißen Phase" des Widerstands Anfang März. Unter dem Namen "Gorleben International Peace Team" (GIPT) richteten sie sich ein Büro in Wustrow ein und stellten sich den verschiedenen Gruppen des Widerstands wie auch der Polizei vor. Ihr Einsatz ist deshalb wichtig, weil sie jenseits spektakulärer Medien-Ereignisse die Entwicklung gewaltträchtiger Situationen über einen längeren Zeitraum erfassen können und daher ein genaueres Abbild des Geschehens vor Ort liefern.

In der Castor-Woche dokumentierte GIPT zum Beispiel den Polizei-Ubergriff auf eine gewaltfreie Sitzblockade in Seybruch bei Dannenberg und auf Medienvertreter, die diese Vorgänge beobachtet hatten. Dieser Vorfall sollte noch ein Nachspiel im Magdeburger Parlament haben und zu Untersuchungen über unverhältnismäßiges Polizeiverhalten führen. GIPT hat seine Beobachtungen schriftlich festgehalten und in einem Bericht veröffentlicht, der im Mai erscheinen wird und in unserer Geschäftsstelle angefordert werden kann. Auch in Zukunft möchten wir auf diese und andere - nicht immer so spektakuläre - Weise in die gewaltfreien Bewegungen hineinwirken und zu ihrem Erfolg beitragen. Dazu brauchen wir Ihre oder Eure Solidarität und Unterstützung.

Auch 1997 benötigt die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion etwa 100 000 DM an Spenden, um ihre Arbeit zu gewaltfreier Aktion und kreativer Konfliktaustragung fortsetzen zu können. Wir bitten Sie und Euch, uns damit nicht allein zu lassen.

Spenden an die Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion sind steuerabzugsfähig. Eine Spendenbescheinigung schicken wir allen UnterstützerInnen automatisch zum Jahresbeginn zu. Uber eine regelmäßige finanzielle Hilfe per Dauerauftrag - auch mit kleinen Beträgen - oder über Mitgliedschaft im Trägerverein freuen wir uns besonders. Uber die bisher geleistete Arbeit geben der zweimal im Jahr erscheinende Rundbrief, den wir Mitgliedern und FörderInnen zusenden, das Jahresprogramm sowie in unregelmäßigen Abständen erstellte Informationen Auskunft. Vielen Dank!

Mit freundlichem Gruß Carsten Wydora(für den Vorstand) Hagen Berndt(Pädag.Mitarb.)

Spendenkonto: 55 66 33-309 PGA Hannover BLZ 250 100 30


Anzeige vom 09.04.1997

Auf nach Ahaus!

Jetzt wird's ernst.

Wir brauchen Eure verbindliche Anmeldung bis 20. April. Ob als schwarzer Block mit Schlips und Kragen, ob als wendländische Bullizei, wir werden Phantasie und Power mitnehmen. Auch IDAS und die Bäuerliche Notgemeinschaft machen sich auf den Weg. Ein riesiges STOPP-AHAUS-Transparent wird vor Ort angefertigt. Wir organisieren eine zweitägige und eine eintägige Busfahrt wie folgt:

ZWEITÄGIG: Busabfahrt 30. 4. 13.00 Uhr Dannenberg, Minimalparkplatz, Minimalparkplatz 13.15 Uhr Lüchow,

EINTÄGIG: Busabfahrt 1. 5. 5.00 Uhr Dannenberg, Gildehausparkplatz, 5.15 Uhr Lüchow, Glidehausparkplatz

Rückfahrt in Ahaus jeweils 1. 5. voraussichtlich 17.00 Uhr. Fahrpreis 40,- DM,

Fahrkartenverkauf ab sofort im BI-Büro. Patenschaften werden gerne engegengenommen, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. Drawehner Straáe 3, 29439 Lüchow, Telefon (0 58 41 ) 48 84 Spendenkonto: KSK Lüchow (8LZ 258 513 3S) 2 060 721


EJZ vom 08.04.1997

Information und Diskussion:

Siemens-Boykott

lr Breselenz. Über 130 Initiativen aus dem Bundesgebiet haben sich im "Koordinationskreis SiemensBoykott'' zusammengeschlossen, um den Konzern zum Ausstieg aus der Atomtechnologie zu bewegen. Siemens ist eine der führenden Firmen in diesem Bereich und derzeit am Bau einer Reaktors bei München beteiligt, der trotz internationaler Proteste mit waffenfähigerr Uran betrieben werden soll.

Über die Boykottaktion gegen Siemens, den Stellenwert des Nuklearbereichs in den Geschäften des Konzerns, Aktionen der Boykotteure und Reaktionen von Siemens informiert auf Einladung hiesiger Atomkraftgegner Gerhard Keller aus Gießen am

Mittwoch, den 09.04. ab 20 Uhr im Gasthaus Lühr in Breselenz.

Keller ist Mitglied des "Arbeitskreises Leben nach Tschernobyl".


Anzeige vom 05.04.1997

X4 in AHAUS?

Auf nach Ahaus!

Angela Merkel hat sich immer wieder gefragt, warum es bei AtommüllTransporten nach Ahaus vergleichsweise ruhig zugeht. Sie hat Recht: Das muß anders werden!

Die Bürgerinitiative Ahaus und die dortige UWGJugend bereiten sich auf den angekündigten CASTORTransport im Herbst vor und laden zum Auftakt ein.

Wir fahren hin: Donnerstag, 1. Mai

Wer länger Zeit hat: Vom Mittwoch, dem 30. April · bis Sonntag, dem 4. Mai, Campen auf Bauer Lentings Wiese. Durchgehend Workshops. Mittwochabend, "Rock gegen Atommüll"; Donnerstag, Großes Mai Fest abends Zeltparty ; Freitagabend die traditionelle FackelzugDemo rund ums Zwischenlager; Sonnabendabend, JamParty mit DJ "Castor" u.a.; Sonntag, Abschlußforum.

Wir fahren mit Bussen für einen oder zwei Tage.

Vorbereitungstreffen

Montag, 7. April, 19.30 Uhr, in Platenlaase

Es gibt viel zu besprechen: Gruppen, Kontakte usw.

Wer hilft beim Aufbau, wer bleibt länger? Was können wir mitbringen

Zelte, Verpflegung, Workshops, Musik, Ideen...

Merkels Alptraum:

Gorleben ist überall! Auf gehts!

Bürgerinitiative Umweltschutz LüchowDannenberg


Anzeige vom 04.04.1997

Castor und Kinder

Wie verarbeiten Kinder hier im Landkreis die Geschehnisse in und um Gorleben und die CastorTransporte?

Wir sammeln spontan entstandene Bilder (Leihweise), Gesprächsprotokolle, Beobachtungen von Eltern, um eine Dokumentation zu erstellen.

Unterlagen bitte an das Kinderbüro, Georgshof 2 a,

29439 Lüchow, Auskünfte gibt Heinke Kelm,

Telefon (O 58 82) 2 93


Anzeige vom 3.04.1997

Wir haben den 3. CastorTransport mit ,,Xtausendmal quer" blockiert

Wir sind beeindruckt, wie ideenreich die Menschen im Wendland ihren Widerstand gestalten.

Sollte es weitere Transporte geben:

Wir kommen wieder und bringen von Mal zu Mal mehr Freundlnnen mit.

Klaus Marwitz, Hilde OsthausFehrmann, Armin Stolle (Bremen)


Anzeige vom 27.03.

Castor März 97 - Zeugen/Zeuginnen gesucht

Der Ermittlungsausschuß Gorleben sucht Gedächtnisprotokolle, Fotos oder Videos von

Situationen, aus denen heraus Menschen festgenommen wurden. Schicken an:

EA Gorleben, c/o BI Lüchow-Dannenberg, Drawehner Str. 3, 29439 Lüchow oder

e-mail .

Weiterhin bitten wir alle Menschen; die

Post von den strafverfolgenden Behörden bekommen,

sich bei uns zu melden. Wir möchten das Außmaß der

Kriminalisierung von Atomkrattgegnerinnen dokumentiren, und ofl ist ein Austausch oder eine

Beratung sinnvoll. Meldet Euch bei Prozeßterminen oder wenn Sachen eingestellt werden.

Telefon (0 58 43) 76 42

(Mo. 18.00 bis 20.00 Uhr, Fr. 9.00 bis 11.00 Uhr, sonst AB)


Anzeige vom 27.03.

Er löscht das Feuer mit Benzin, er löscht den Brand nicht mehr. Er macht was er verhindern will, er macht uns populär!

- frei nach V/. Biermann

 

Wenn irgendwelche Finanzbeamte und Bundestagsabgeordnete meinen, sie könnten den Widerstand gegen die Atompolitik erledigen, indem sie der Bl die Gemeinnützigkeit aberkennen, dann haben sie sich (wieder mal) geschnitten!

Wir werden Mitglied der BI

Familie Bockelmann, Familie Rippe, Familie Bohnenbuck, Familie Schulz, Familie Evers,

Familie Wieckenberg, Familie Fox Birte u. Silke Gerstenkorn, Familie Gerstenkorn Fritz Klipp,

Familie Gorek/Möwe alle Langenhorst,

Langenhorst hat 12 Familien

Nachahmung ausdrücklich erwünscht!


Anzeige vom 25.03.

Die Castoren sind durch und nun?

Eine perspektivische Aufarbeitung

Mittwoch, den 26. März 1997, um 20.00 Uhr im Hotel

"Stadt Hamburg" in Bergen/Dumme.

Die Castor-Gruppen im Südkreis


Anzeige vom 24.03.

 

"X-tausendmal quer"-Treffen:

Gespräch über Demo

 

Die Sitzblockade gegen den Castor-Transport vor dem Verladekran und die nächtlichen Räumungsaktionen der Polizei haben für viel Aufsehen gesorgt. Beteiligte und Interessierte können sich am morgigen

Dienstag ab 20 Uhr im Gasthof "Lindenhof" in Breselenz

treffen. Dort wollen Teilnehmer an der Demonstration das Erlebte auswerten.

Katja Tempel, die Sprecherin der Gruppe "X-tausendmal quer", meint, daß viele Menschen begeistert waren, "weil sie diese Kraft und Entschlossenheit in einer gewaltfreien Aktion nicht vermutet hätten". Viele Beteiligte an der Blockade hätten innerhalb von wenigen Stunden riesige Erfahrungsprozesse durchlebt, sagte Katja Tempel. "Wir wollen mit diesem Treffen das Erlebte austauschen und auch über die Konsequenzen des Geschehenen sprechen."

 

        

   Anzeige vom 22.03.


Mit Staatsgewalt gegen
Bürger und Bürgerinnen - der dritte Castor-Transport


Das Komitee f
ür Grundrechte und Demokratie hat in der Zeit vom
28. 2. bis 5. 3. 1997 die vielf„ltigen Demonstrationen, Protestaktionen und
Blockaden im Wendland mit 20 Personen beobachtet.

Einen ersten zusammenfassenden Bericht haben wir nun erstellt, eine
ausf
ührliche Dokumentation wird - wie auch in den letzten beiden Jahren -
folgen.
Mit unserer Stellungnahme weisen wir einmal mehr darauf hin, da
ß ein
solcher Transport unter Wahrung rechtsstaatlicher Mittel nicht realisierbar ist.
Wer Interesse an diesem vorl
äufigen Bericht hat, möge uns kurz schreiben
und eine Briefmarke (1,- DM) f
ür das Porto beifügen.
Komitee f
ür Grundrechte und Demokratle e.V.
Bismarckstra
ße 40 50672- Köln
V.i.S.d.P. Martin Singe, Elke Steven, K
öln


Anzeige vom 22.03.

Bäuerliche Notgemeinschaft

Herzlichen Dank den Firmen RWG Jameln, Walter Schulze, Schwiepke; W+S Dannenbery; Vergölst, Uelzen; Riebock, Gusborn

für dio schnelle, unkomplizierte, preisgünstige bzw. kostenlose und kooporative Hilfe bei der Reparatur unserer zerstochenen Treckerreifen

In diesem Zusammenhang laden wir alle Unterstüzer zu unserer Treckerreifen-Fete heute um 20 Uhr im Gasthaus Lühr in Breselenz ein.


EJZ vom 21.03.1997 Seite 5

Castor-Einsatz: Demo-Sanitäter erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei

16 Knochenbrüche "Niedergeknüppelt und liegengelassen"

gel Gorleben. "Unterarmfraktur, Nasenbein gebrochen Schulter ausgekugelt, Schlüsselbein gebrochen, Halswirbelsäulenfraktur" - wenn Heiko Rehe die lange Liste der Verletzten durchgeht, klingt das wie eine Bilanz von einem Schlachtfeld. Und es "war wirklich wie im Krieg" , sagt Rehe. Er fungierte während des Castor-Transports nach Gorleben als einer der rund 130 freiwilligen Demo-Sanitäter. Die mußten sich während der heißen Phase des Transportes um etwa 500 verletzte Demonstranten kümmern, so die Bilanz. Auffällig, sagt Rehe, seien die vielen Verletzungen im Kopfund Gesichtsbereich gewesen. Seiner Meinung nach habe es sich um einen "brutalen Einsatz der Polizei" gehandelt bei dem Demonstranten "gezieit zusammengeschlagen" worden seien. Tagelang haben die "DemoSanis" die Ereignisse aufgearbeitet, bis eine abschließende Bilanz vorlag. Erst vor wenigen Tagen hat sich noch ein professioneller Krankenwagenfahrer aus Hamburg gemeldet, der seine Eindrücke beim GorlebenEinsatz so schilderte: Ohne Demo-Sanis hätte es Tote gegeben. . .

Vor allem im Raum Quickborn/Gusborn sei die Polizei gegen Demonstranten, darunter zahlreiche Krawallmacher besonders hart vorgegangen. Eine nahkampfgeschulte bayrische Einheit, erinnert sich Rehe, habe dort besonders brutal agiert. Nachts seien Demonstranten in Wäldern "niederknüppelt und liegengelassen" worden; die Demo-Sanis mußten danach wie auf einen Schlachtfeld die Verletzten ein sammeln, sagt Rehe; "es war fürchterlich". Die Verletzungen seiene dort umso schlimmer gewesen, wo keine Medien vor Ort waren. Rehe: "Unbeobachtet läßt sich eben hemmungsloser prügeln." Rehe hat gegenüber anderen Gorleben-Einsätzen einen deutlichen Trend ausgemacht: Diesmal habe es "weniger Festnahmen, dafür mehr Verletzte gegeben". Insgesamt zählten die Demo-Sanitäter allein 16 Knochenbrüche bei Demonstranten.

Schwere Vorwürfe gibt es aber auch von den Demo-Sanitätern, weil sie in ihrer Arbeit von Polizisten behindert worden seien. So sind in der Nacht zum 5. März in einem Wald bei Quickborn, so ein Ereignisprotokoll, zwei Demo-Sanis von Polizisten schwer verletzt worden. Als in derselben Nacht ein Tramm fahren wollte, sei er an Eingangstor angehalten und aufgefordert worden, Personalien vorzuzeigen. Als die nicht sofort geschah, sei die Pistole eines Polizisten an seinen Kopf gerichtet worden. Der Fahrer, der auch im jugoslawischen Bürgerkrieg Dienst verrichtete, habe so etwas noch nicht erlebt, berichtet Heiko Rehe. Am Nachmittag des 5. Mär soll es zu diesem Vorfall bei Grippel gekommen sein: Ein Dannenberger Rettungswagen war mit einem Arzt an Bord auf dem Weg ins Krankenhau Dannenberg: Ein Patient mit einem Nasenbeinbruch wurd transportiert - ein Notfall. Die Polizei stoppte den Wagen und stellte die Personalien aller Insassen fest. Mindestens zehn Minuten, sagt Heiko Rehe, sei der Transport aufgehalten worden.

Noch schlimmer das, was sic nach Angaben der Demo-Sanitäter an jenem Tag bei Laas ereignet haben soll. Ein Sanitäter versorgte einen am Bode liegenden Demonstranten, als plötzlich mehrere Polizisten auf die beiden zugestürmt seien, obwohl der Sani mit einem Logo gekennzeichnet gewesen seien und laut gerufen habe, daß er Sanitäter sei, habe die Polizei auf ihn und den Verletzten mi Schlagstöcken eingeschlagen. Danach sei der Rucksack des Sanitäters ausgekippit worden. Als der Sanitäter seine Verbandsmaterialien einsammeln wollte, habe ein Poilzist eine Augenspülflasche zertreten.


X-tausendmal quer

Zeugen und Zeuginnen gesucht!

Eine zentrale Aussage im Aufruf von "X-tausendmal quer'` lautete: "Wenn genügend Menschen gewaltfrei die Straße blockieren, ist ein Castor-Transport mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht mehr durchführbar!" Genau dies ist passiert: Bei der Räumung der Blockade von "X-tausendrnal quer" gab es keinen Rechtsstaat mehr! Dies im Nachhinein aufzuzeigen und zu beweisen ist genauso wichtig, wie die Vorbereitung und Durchführung der Blockade selbst!

· Wir brauchen deshalb:

1. Zeugenaussagen und Protokolle von jedem/r, der/die Unrecht durch Beamte gesehen oder erlebt hat, seien es auch nur verbale Entgleisungen :^ 2. Wichtig ist auch Bildmaterial: Fotos, Filme 3. Wer kann bezeugen oder mit Bildern beweisen, wie Beamte die Plastikfolien mit Messern zerschnitten haben?

Alle Unterlagen bitte an:

Herbert Waltke, Bahnhofstr. 9, 29479 Jameln, Tel.: 05864/458


Leserbrief vom 14.03.

" Ich wünsche mir mehr von diesem Pack"

Betrifft: Castor-Transport

Ich habe es mit eigener Augen gesehen, Herr Kanther das unappetitlicke Pack irr Wendland. Ick habe gesehen was Ihnen bisher verborger blieb. Ich habe Bauern gesehen die sich rnit 570 Traktoren au den Weg gemacht haben, um farbenfroh, fröhlich und phantasievoll für ihre eigene Existenz zu demonstrieren. Ich habe ein Ehepaar gesehen, jenseits der 60, das in Schlafsäcke gehüllt mit Tausenden anderer Menschen friedlich auf der Straße saß. Ich habe Geschäfts leute gesehen, die mit Lebensmittelspenden zur Versorgung der Demonstranten in der Camps beitrugen. Ich habe Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder gesehen, die sich aus Angst um ihre Zukunft, urr ihre Heimat im Wendland quergestelllt haben. Alles unappetitliches Pack, Herr Kanther Ich weiß.

 

Zehntausend Bürger stander auf der Straße, als die Bundesregierung zum dritten Mal ihr strahlende Fracht auf den Weg schickte. Ich gehörte dazu. Zugegeben, ich befand mich mehr im Hintergrund, gehörte - weil unerfahren und ängstlich im Umgang mit derart massiver Staatsgewalt - mehr zu den Beobachtern einer Szenerie, die so nichts - mit dem friedichen Wendland zu tun hatte, das ich in den vergangenen 17 Jahren als Urlauber erlebt habe.

Aber ich habe gelernt: Nicht alles, was mir Fernsehbilder in mein Wohnzimmer im fernen Westfalen transportieren, entspricht auch den Tatsachen. Denn ich habe mit eigenen Augen gesehen, daß hier Menschen dem vielzitierten Recktsstaat widerstehen, die eines miteinander verbindet: Ikre Angst vor der todbringenden Gefahr der Atomkraft, vor Politikern und den Bossen der Energieunternehmen, die ihnen wider jede Vernunft ihren strahlenden Müll vor die Haustür kippen. Da bleibt die Frage: Was taugt ein Rechtsstaat, der sich derart ignorant verhält und seine Interessen mit 30 000 Polizisten gegen den Willen der Bevölkerung durchsetzen muß? Wen wundert's, daß ein Innenminister von unappetitlichem Pack spricht, um diesen Einsatz zu rechtfertigen.

Meine Hochachtung vor den Bürgern im-kleinen Wendland, die mit ihrem mutigen Einsatz den Menschen in unserem Land gezeigt haben, wie es um die Atompolitik, um die Menschenwürde bestellt ist. Denn wenn Wasserwerfer auf Menschen gerichtet werden, die friedlich und gewaltfrei für ihr Leben und das Leben nachfolgender Generationen auf der Straße sitzen, dann ist es weit gekommen. Zu weit, Herr Kanther. Aber wovon rede ich, das ist ja alles unappetitliches Pack, da im Wendland. Ich wünsche mir mehr von diesem Pack. Nicht nur im Wendland. Klaus Brüggemann, Werne


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 15:01:42 (MET)


EJZ vom 17.03.

Justizministerin Alm-Merk: Erste Bilanz zum Castoren-Transport

Schon 659 Ermittlungsverfahren

nrp Gorleben. Die Auseinandersetzungen beim CastorenTransport nach Gorleben haben bereits zu 659 Ermittlungsverfahren gegen Demonstranten geführt. Dabei handele es sich um 630 Verfahren wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In 21 Fällen werde wegen Eingriffs in den Schienenverkehr ermittelt. Diese Zahlen präsentierte in einer ersten Bilanz Justizministerin Heidi Alm-Merk (SPD) dem Rechtsausschuß des Niedersächsischen Landtages.

Gleichzeitig hat die Justizministerin angekündigt, daß die Zahl der Ermittlungsverfahren noch erheblich zunehmen werde. Die Polizei habe während der großen Blockade am 5. März vor dem Castor-Verladekran in Breese/Marsch zahlreiche Filmaufnahmen gemacht, die Rückschlüsse auf Straftaten geben könnten. Mindestens 204 Personen seien vorübergehend festgenommen worden. Dies sei aus Gründen der Strafverfolgung sowie zur Gefahrenabwehr geschehen. Zudem erinnerte AlmMerk daran, daß für Straftaten vor dem Transport seit Dezember 1996 bereits 130 Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruch eingeleitet worden seien. 93 dieser Verfahren seien abgeschlossen. Nach Angaben der Ministerin wurden zehn Strafbefehle erlassen und einige Verfahren eingestellt. Zahlreiche Fälle seien als Ordnungswidrigkeiten an die Bußgeldbehörde abgegeben worden. Die Ministerin sagte: "Mit meiner Information an den Rechtsausschuß will ich deutlich machen, daß die Organe der Rechtspflege sofort das Notwendige veranlaßt haben. Es bedarf keiner Aufforderung an Richter und Staatsanwälte, die strafrechtliche Verfolgung der Täter konsequent zu betreiben."


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 15:01:19 (MET)


Anzeige vom 14.03.

IDAS

Motorradfahrerinnen gegen Atomkraft

Wir sind alle edle Quellen des Stromes (Leben/Zukunft) in unserem Wendenland. Dieser Strom wird sich zu einem großen Fluß verbreitern durch unsere Aktivitaten und den Glauben an das Leben. IDAS bedankt sich aus ganzem Herzen bei allen Menschen, die uns in den Krisentagen durch Spenden und Hilfe jeglicherArt (ganz besonders im Camp) so toll unterstützt haben.

Ein herzliches Dankeschön an Ulrike und Andreas in Grippel, die Band "Meiselgeief', Liesel und die Dorfbewohnerlnnen in Grippel.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 15:00:46 (MET)


Anzeige der Castorgruppe Breselenz und Umgebung

Wir danken allen,- die uns beim Aufbau des Camps Pölitz geholfen haben

- die uns mit Nahrungsmitteln, Geld- und Sachspenden unterstützt haben,

- die für eine regelmäßige Verpflegung gesornt haben

- die während der Einkesselung für Auswege gesorgt haben,

- die die Technik des Camps im Griff hatten,

- die die gute Stimmung im Camp bereitet haben,

- die beim Aufräumen angepackt haben,

- die sich gegen den Atomwahn auf die Straße gesetzt haben.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 15:00:17 (MET)


EJZ vom 15.03.1997

GdED fordert besseren Schutz

"Wut und Angst macht sich breit"

lr Lüchow. Nach einer Serie von Anschlägen auf Bahnstrekken und -anlagen fordert der Bezirksleiter der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED), Peter Kuczora aus Hamburg, einen stärkeren polizeilichen Schutz. Die Anschläge bedrohten nicht nur das Leben der Reisenden, sondern auch das der Beschäftigten bei der Bahn.

,,Wir sind auch nicht gerade begeistert, daß die Bahn die Castor-Transporte ins AtommüllZwischenlager im niedersächsischen Gorleben transportiert, letztlich aber ist sie das einzig sichere Verkehrsunternehmen für derartige politisch entschiedene Transporte", so Peter Kuczora: ,,Wut und Angst machen sich bei den Beschäftigten der Bahn breit, die im Fernsehen mit ansehen müssen, wie Eisenbahnstrecken unterhöhlt werden oder an Stromleitungen befestigte Hakenrollen eine absolute Gefährdung für Leib und Leben darstellen."

An die Politik gewandt, fordert der Gewerkschafter eine Energiepolitik; die derartige Castor-Transporte generell überflüssig macht. ,,Kein Mensch hat dafür Verständnis daß der nunmehr dritte CastorTransport in das AtommüllZwischenlager durch ein riesiges Polizeiaufgebot mehr als 60 Millionen DM verschlingt wenn andererseits die Bundesregierung durch Sozial-Demontage ungeniert-in die Taschen der kleinen Leute greift", kritisiert GdED-Bezirksleiter Kuczora.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 14:59:40 (MET)


EJZ vom 17.03.

Justizministerin Alm-Merk: Erste Bilanz zum Castoren-Transport

Schon 659 Ermittlungsverfahren

nrp Gorleben. Die Auseinandersetzungen beim CastorenTransport nach Gorleben haben bereits zu 659 Ermittlungsverfahren gegen Demonstranten geführt. Dabei handele es sich um 630 Verfahren wegen Landfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. In 21 Fällen werde wegen Eingriffs in den Schienenverkehr ermittelt. Diese Zahlen präsentierte in einer ersten Bilanz Justizministerin Heidi Alm-Merk (SPD) dem Rechtsausschuß des Niedersächsischen Landtages.

Gleichzeitig hat die Justizministerin angekündigt, daß die Zahl der Ermittlungsverfahren noch erheblich zunehmen werde. Die Polizei habe während der großen Blockade am 5. März vor dem Castor-Verladekran in Breese/Marsch zahlreiche Filmaufnahmen gemacht, die Rückschlüsse auf Straftaten geben könnten. Mindestens 204 Personen seien vorübergehend festgenommen worden. Dies sei aus Gründen der Strafverfolgung sowie zur Gefahrenabwehr geschehen. Zudem erinnerte AlmMerk daran, daß für Straftaten vor dem Transport seit Dezember 1996 bereits 130 Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruch eingeleitet worden seien. 93 dieser Verfahren seien abgeschlossen. Nach Angaben der Ministerin wurden zehn Strafbefehle erlassen und einige Verfahren eingestellt. Zahlreiche Fälle seien als Ordnungswidrigkeiten an die Bußgeldbehörde abgegeben worden. Die Ministerin sagte: "Mit meiner Information an den Rechtsausschuß will ich deutlich machen, daß die Organe der Rechtspflege sofort das Notwendige veranlaßt haben. Es bedarf keiner Aufforderung an Richter und Staatsanwälte, die strafrechtliche Verfolgung der Täter konsequent zu betreiben."
Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Friday, March 21, 1997 at 14:58:27 (MET)


Anzeige vom 15.03.

Wir möchten uns bei allen Geschäfs- und Privatleuten, die uns während des Castor-Trnasportes unterstützt haben, recht herzlich bedanken.

Castor-Gruppe Lüchow


Castor-nix-da <05843619@t-online.de>
- Saturday, March 15, 1997 at 23:52:02 (MET)


Leserbrief vom 13.03.

Kranke Politik ist längst am Ende

Betrifft: Polizeieinsatz im Wendland

Keiner außer den bekannten Technokraten, Ignoranten und Hardlinern will es hier haben, das riesige Heer der hochgerüsteten Polizei, das unsere angeblich nicht vorhandenen Millionen verschlingt. Dessen Aufgabe ist es, mit staatlich sanktionierter Gewalt den Widerstand zu brechen. Das weiß ein jeder; da gibt es keinen Zweifel. Wir haben sie gesehen, wir haben sie erlebt, die Polizeiknüppel, die Schreie und Tränen.

Es gäbe kein Widerstandsrecht, glaubte die Wendländer einer dieser unsäglichen AtomKompliezen belehren zu müssen, doch er vergaß die immanente Psychologie seiner miesen Tirade: Daß der Mut und die Zuversicht des Widerstandes wächst, wenn Impertinenz, Dummheit und Brutalität beweisen, daß diese kranke Politik längst am Ende ist. Der Einsatz von 30 000 Polizisten gegen die Bevölkerung gehört zu dieser Dialektik.

Entsetzlich die Erkenntnis, wie schlecht offenbar die einzelnen Polizisten, die man auf uns hetzt, ausgebildet sind. Zu ihrem psychologischen Training sollte es gehören, daß sie mit der gesellschaftlichen Verachtung die ihnen entgegenschlägt, grundsätzlich sensibel und souverän umgehen können. Sie gilt nicht ihnen, sondern ihrem Befehl; dem einzelne freilich allzu eilfertig sich beugen. Nicht also von der Polizei, die uns vor Verbrechen schützt und uns aus brennenden Autos birgt, ist die Rede, sondern von der, die sich nicht schämt, auf Menschen einzuschlagen, weil eine abgewirtschaftete Politik es so befiehlt.

Das ist weltweit so und kein Geheimnis, daß die Polizei eines Landes dazu mißbraucht wird, politische Fehler der Machthaber durchzupeitschen. In Jugoslawien, in der Türkei, in Albanien, in den 60er Jahren in den USA, in den 80ern in Südafrika, als die Gleichheit der Menschen erkämpft wurde und 1989 in der DDR, als das Volk den Terror satt hatte: überall und zu jeder Zeit Polizisten, die mit Knüppeln auf die Bevölkerung einschlagen.

Deshalb sollten die armierten Truppen verstehen, daß sie hier nicht willkommen sind. Das was sie massiv spüren, wenn sie gegen unseren Widerstand antreten, gilt nicht ihnen als Personen, sondern einer Politik, die seit zwanzig Jahren glaubt, die Menschen mißachten zu können.

Dr. Thomas Krauß, Schnackenburg


Castor-Nix-DA <Doninger-In-Ganse@t-online.de>
- Friday, March 14, 1997 at 20:29:30 (MET)


ElbeJeetztelZeitung vom 13.03.1997

Kirchenmitarbeiter bei CastorTagen Deeskalation zwischen Osterglocken und Knüppeln

Dem Diakon drohte "was auf die Fresse"

jg Gorleben. Polizisten, die andere Menschen blutig schlagen, und Polizeibeamte, die kaputte Kinderwagen reparieren; CastorGegner, die Einsatzkräften Osterglocken überreichen, und Protestierer, die Steine auf Beamte werfen: Beide Seiten begegnen den Leserinnen und Lesern der "Berichte zum Atommülltransport", gestern herausgegeben von Propst HansJürgen Wolters, Lüchow, und Superintendent Peter Kritzokat aus Dannenberg. Pastorinnen und Pastoren sowie weitere kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht nur aus dem hiesigen Kreisgebiet, haben ihre Eindrücke von den CastorTagen aufgeschrieben. Ein 47seitiges Heft wurde daraus, das zunächst in einer Auflage von 3 000 Exemplaren erschienen ist.

........ Zwei Tage später, die Castoren sind abfahrbereit, geschieht etwas, was die Kirchenleute unter der Überschrift "Die Berliner schlagen zu" wie folgt schildern: Beim Abräumen von Demonstranten vor dem VerIadekran prügeln Polizisten Menschen von der Straße. "Ein etwa 17jähriges Mädchen steht mit erhobenen Händen vor den Polizeikräften. Ein Beamter holt aus und schlägt der Wehrlosen mit der Faust mitten ins Gesicht. Das Mädchen wird durch den Schlag rückwärts zu Boden gerissen, und der Beamte rollt sie mit Fußtritten von der Straße." Einem Diakon, der dagegen protestiert, droht ein Polizist: "Hau ab, sonst gibt's was auf die Fresse."

Mit dem Fazit: "Es ist nicht abzusehen, wann die Wunden dieser geschundenen Region verheilt sein werden," schließt die Sammlung der Berichte. Sie kann bei übersenden von 10. DM beim:

Kirchenbüro der Dannenberger Johanniskirche

29461 Dannenberg&127

bezogen werden.

Hinweis: Der komplette Text des Berichtes wird auf einem anderen Server bereitgestellt. Wir werden dann an dieser Stelle ein Link einbauen.

Wir bitten deshalb um etwas Gedult.


Castor-Nix-DA <Doninger-In-Ganse@t-online.de>
- Friday, March 14, 1997 at 20:28:52 (MET)


X3 IHR HABT UNS MUT GEMACHT

mit Eurer unberechenbaren Ideenvielfalt, bei der TreckerStunkparade mit Pfiff, in Frauengruppen und Camps, mit den standhaften Sitzblockaden trotz Kälte und Wasserwerfereinsatz, mit der liebevollen Versorgung der Gäste vor Ort, mit dem Bemühen, friedlich zu bleiben auch wenn es manchmal schwerfiel und auch mit dem Willen . . . nie aufzugeben!

RESPEKT UND DANK AIIEN, DIE DABEIWAREN!

Heinke und HansJürgen Kelm / Annelica und Jörn Rahn


Castor-Nix-DA <Doninger-In-Ganse@t-online.de>
- Friday, March 14, 1997 at 20:28:10 (MET)


Anzeige vom 13.03.

Ein tausendfaches Dankeschön den Einwohnern von Grippel

die es mit ihrem Engagement und persönlichen Einsatz vielen Menschen ermöglicht haben, den friedlichen Protest gegen die

Atompolitik unseres Staates auszudrücken. Die Öffentlichkeit möge beurteilen, ob eine derart menschenfeindliche Politik auf

Dauer gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen ist. Im Namen aller Protestler gegen den atomaren Wahnsinn

Rib und Peter Rütz · Laase


Castor-Nix-DA <Doninger-In-Ganse@t-online.de>
- Friday, March 14, 1997 at 20:27:39 (MET)


Prozeßtermin

Freitag, 14. 3. 1997, 9.00 Uhr Amtsgericht Dannenberg

gegen K. H. T., den Fahrer, der am Aktionstag, dem 7. September 1996, eine junge Frau angefahren hat.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:07:07 (MET)



(ÖKUM.INITIATIVE) GORLEBENER GEBET, TEL: (05843)1574

Willst weiter du beten und widerstehen, solltest du an die Kreuze gehen.

Liegt dir ein Sonntag besonders am Herzen, tu es kund zu den Iden des Märzen.

HOCHAKTUELLE WENDLÄNDISCHE BAUERNREGEL



Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:06:33 (MET)


Leserbrief vom 12.03.

Gewalt nicht mit Gewalt begegnet

Betr. CastorTransporte

Ich bin einer von den 8 000 Menschen, die die Straße am CastorVerladekran in Dannenberg blockiert haben. Ich gehöre zu denen, die es nicht für verantwortbar halten, kommenden Generationen unseren Atommüll aufzuhalsen und die um ihrer Enkelkinder willen aus Gewissensgründen Widerstand leisten. Auch ich will den Ausstieg aus der Atomenergie.

Die Minister Kanther, Rüttgers und Merkel weigern sich zur Kenntnis zu nehmen, daß sich Tausende von Frauen und Männern aller Generationen ihrer Politik gewaltfrei widersetzen, und diffamieren deshalb mich und die überwiegende Mehrheit im Widerstand als militante Chaoten. Wie meine gewaltfreien Mitstreiterinnen und Mitstreiter bin ich der zum Teil brutalen personalen Gewalt von Bundesgrenzschutz und Polizei und den Wasserwerfern die sich auch auf Nichtblockierende gerichtet haben nicht mit Gewalt, Steinen oder Haßworten begegnet. Wenn Polizeisprecher behaupten, die staatliche Gewalt sei eine Reaktion auf unsere Gewalttätigkeiten gewesen, so entspricht das nicht der Wahrheit der BGS und die Polizisten, die in Dannenberg die Straße geräumt haben, sind dafür ebenso Zeugen wie die neutralen Beobachter, die alles gesehen und dokumentiert haben.

Auch wenn selbst von Journalisten behauptet wird, diesmal wäre alles viel schneller gegangen, die Wahrheit ist: Wir haben neun Stunden lang von ein Uhr nachts bis morgens 10 vollkommen gewaltfrei die Ausfahrt der sechs Castor Behälter verhindert. Erst danach konnte der Transport über die hermetisch abgeriegelte Straße nach Gorleben rollen.

Ich bin Quäker, habe 27 Jahre lang Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet und war zuletzt Geschäftsführender Direktor des Staatlichen Studienseminars Hamburg.

Konrad Tempel, Ahrensburg


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:05:48 (MET)


Ermittlungsausschuß Gorleben c/o BI Umweltschntz Drawehnerstr. 3 29439 Lüchow fon & fax 05843 l 7642

Eine vorläufige Auswertung ergibt folgende Bilanz:

Es gab ca. 400 Ingewahrsamnahmen bzw. Festnahmen. Dabei wurden den DemonstrantInnen Straftaten vorgeworfen, wie z.B. Eingriff in den Schienenverkehr, Landfriedensbruch usw. Bereits in der Gefangenensammelstelle Neu Tramm wurde in den meisten Fällen von der Polizei festgestellt, daß der Straftatvorwuf nicht haltbar ist, und die Festnahme wurde auf das Nieders. Gefahrenabwehrgesetz umgemünzt, d.h. Gewahrsamnahme zur Verhinderung von Straftaten. Dieser Wechsel der Rechtsgrundlage ist in vielen Fällen nicht zulässig, so auch nicht im Falle des "Quickborner Kessels" vom 03.03.'97, dort läuft bereits eine Strafanzeige gegen den Einsatzleiter wegen Freiheitsberaubung.

Eine mehr als 20 Menschen zählende Gruppe mußte über viele Stunden in einem Gitterkäfig im Freien stehen. Erst nach lautstarkem Protest wurden sie in einen Keller verbracht. Viele Gefangenen Berichten von Schikanen wie mehrmaligem Durchsuchen, Beleidigungen und Beschimpfungen.

Entgegen den bereits im Vorfeld des Transportes erfolgten Zusicherungen der Bezirksregierung, wurde der Kontakt zu unserem anwaltlichen Notdienst sehr erschwert und behindert. Die Anwälte wurden mit Falschaussagen an der Nase herumgeführt und häufig nicht zu den Gefangenen vorgelassen, obwohl sie rechtlich in jeder Lage des Verfahrens von ihren Mandantlnnen hinzugezogen werden können.

Der zugesicherte richterliche Notdienst notwendig zur Uberprüfung der Rechtmäßigkeit einer Ingewahrsamnahme war unterbesetzt und wurde ebenfialls von der Polizei ausgespielt. Anträge zu Uberprüfung der Ingewahrsamnahme für Menschen, die sich schon lange in Neu Tramm aufhielten, wurden erst dann gestellt, wenn der Richter gerade eine viertel Stunde seinen Dienst beendet hatte, mit der Folge, daß die Betroffenen bis zu 20 Stunden einsitzen mußten.

Die bisher in den Medien veröffentlichte Zahl der Verletzen ist falsch.

Allein nach vorläufiger Auswertung der Angaben von SanitäterInnen und ÄrztInnen sind mindestens 400 Menschen verletzt worden. Zusätzlich erlitten 30 Personen schwere Verletzungen. Wobei zu bemerken ist, daß die SanitäterInnen "nur" die schweren und komplizierten Arm und Beinbrüche, Halswirbelfrakturen, Nieren sowie Milzprellungen und Kieferfrakturen zu den schweren Verletzungen zählen. Wir gehen davon aus, daß die tatsächliche Zahl von Verletzten um etliches höher liegt.

Zahllose Protokolle berichten, daß die Polizei gezielt durch Tritte und Schläge auf den Kopf von DemonstrantInnen versucht hat diese demonstrationsunfähig zu schlagen. Platzwunden, Gehirnerschütterungen, Nasenbeinbrüche und Augenverletzungen waren vielerorts die Folge brutaler Polizeiübergriffe bei Sitzblockaden und Demonstrationen auch außerhalb der Verbotszone.

Bereits abgeräumte DemonstrantInnen wurden hinter den Polizeiketten&127 krankenhausreif geschlagen, Menschen die verzweifelt, ängstlich und weinend an Baumstämmen lehnten wurden von bis zu 5 Polizisten gleichzeitig zusammengeschlagen und Menschen denen schon längst die blutabschnürenden Schnellbinder um die Handgelenke gelegt waren, wurden immer noch getreten.

Ist das nicht schwere Körperverletzung im Amt? Von ganz oben abgesegnet, wenn nicht sogar befohlen? Polizeieinheiten aus Magdeburg und Berlin taten sich wieder einmal bei den harten Übergriffen besonders hervor. Die Strafverfolgung der Beamten ist zumeist aussichtlos, da die Polizeirandale im Schutz der Dunkelheit und der Polizeivisiere stattfand. Aus unseren Erfahrungen mit der "Wir klagen an" Kampagne, schließen wir, daß die Polizisten von ihren Einsatzleitern gedeckt bzw. diese Tatsachen geleugnet werden, denn die Anzeigen aus 1996 haben noch kein einziges Ermittlungsergebnis hervorgebracht.

Es hatte System, daß an manchen Straßenabschnitten randalierende Polizisten DemonstrantInnen krankenhausreif schlugen und anschließend die zur Hilfe eilenden Sanitätsfahrzeuge nicht durchließen, sie erhielten sogar Platzverweise. Andere Rettungswagen wurden durchsucht, mit dem Vorwurf von ihren Funkgeräten aus den Polizeifunk zu stören und eine RTW Besatzung wurde minutenlang mit einer Pistole an der Schläfe aufgehalten, während sie dringend zu einer Notfallversorgung, makabererweise, in die Gefangenensammelstelle mußten. Auch dieses Vorgehen der Polizei hat bereits Strafanzeigen zur Folge.

Im Landkreis LüchowDannenberg herrschte wieder ein mal Ausnahmezustand und es entstand beim Ermittlungsausschuß der Eindruck, daß das polizeiliche Vorgehen großer Willkür und bloßer körperlicher Gewalt entsprang.

Aus Kontrollstellen wurden rechtswidrige Straßensperren. Bauern durften nicht über die Straße, um zu ihre Schweine zu füttern, Kinderwägen mit denen demonstriert werden sollte wurden einkassiert und zerstört. Das Pölitzer Camp war von der Versorgung völlig abgeschnitten und konnte zeitweilig nur noch per Boot angefahren werden. Mit dem Abschuß von Leuchtspurmunition über Camps provozierte die Polizei und rechtfertigte mit der fadenscheinigen Erklärung, sie müßten testen, ob sie noch funktioniert. Planen mit denen Menschen sich vor dem Wasserwerfer schützten wurden von oben ohne sehen zu können, was darunter passiert mit Messern aufgeschlitzt und an einem Ort bekamen die Beamten den Befehl: "Steine werfen" und sie warfen.

Selbst wenn man die angeblich rechtsstaatliche Argumentation verfolgen wollte und damit eine Sicherung des Transportes rechtfertigt, so müssen wir doch nach diesem Einsatz feststellen: der Rechtsstaat hat sich verabschiedet. Willkürliche Festnahmen und absichtlich herbeigeführte schwere Verletzungen können wohl nur den Zweck der massiven Einschüchterung verfolgen, sollen wohl ein Bild von Angst und Terror verbreiten, sodaß ein jeder und eine jede sich überlegt, ein weiteres Mal auf die Straße und Schiene zu gehen. Doch bereits in den vergangenen Jahren schlossen wir, daß dieses Konzept der Polizei nicht aufgehen wird und wir haben recht behalten.

&127 Rückfragen auch an S.Neumann fon & fax:05849 / 1209


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:04:34 (MET)


Anzeige vom 12.03.

Videoaufnahmen über den CastorTransport gesucht (auch im Vorfeld)

Filme oder Kopien bitte im Büro abgeben (Rückgabe garantiert). Abholung möglich.

Die Videobeiträge sind wichtig zur Ergänzung des neuen Videofilms über den CastorTransport.

Verloren: Kamera Panasonic M 7 am 7. 3., ca. 14 Uhr in Predöhlsau am See. Bitte unbedingt zurückgeben.

Bürgerinitiative Umweltschutz LüchowDannenberg e.V.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:03:03 (MET)


EJZ vom 12.03.

Polizeieinsatz beobachtet GIPT:

Zeitdruck lielß zum Knüppel greifen

lr Breese/M. Nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland gebe es gute Gründe, die Einhaltung von Menschenrechten und demokratischen Spielregeln zu überwachen in LüchowDannenberg besonders vor und nach dem Transport von Atommüll. Diese Folgerung hat das "Gorleben International Peace Team" (GIPT) nach Beobachtungen im Kreisgebiet gezogen. Dabei habe das GIPT besonderen Wert darauf gelegt, festzustellen, welche Aktivitäten von welcher Seite zu einer Zuspitzung oder Entspannung der Situation führten.

Ein eindrucksvolles Beispiel dafür, so das Team, sei die Situation am Verladekran gewesen. Das GIPT erinnert: Die Polizei hatte am 5. März gegen 1 Uhr morgens damit begonnen, mehrere tausend Demonstranten abzuräumen. Gegen 4 Uhr seien Wasserwerfer eingesetzt worden, doch die Protestierer blieben sitzen, "die Geschwindigkeit der Räumung erhöhte sich nicht". Um 9.10 Uhr sei es "zu einer dramatischen Eskalation von seiten der Polizei" gekommen, als eine andere Einsatzgruppe kam und sofort Wasserwerfer und Knüppel eingesetzt habe. Während die Polizei für die zuvor geräumte Strecke 8,5 Stunden brauchte, seien für die um 9.10 Uhr begonnene Räumung nur 50 Minuten nötig gewesen.

Von den Demonstranten sei es zu keinen Handlungen gekommen, "die eine solche Eskalation gerechtfertigt hätten", berichtet GIPT. Es sei zu vermuten, "daß allein Zeitdruck der Grund für die unverantwortliche Eskalation der Gewalt war". Demonstranten, die Teil ein und derselben Kampagne waren und sich gleichermaßen friedlich verhielten, seien von der Polizei extrem unterschiedlich behandelt worden. Das GIPT will Ende März einen vollständigen Bericht seiner Beobachtungen und Analysen veröffentlichen.


Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:02:33 (MET)



HERBERT WALTKE, JAMELN

Kommt der Castor nicht zum Kran, müssen wir nach Ahaus fahrn.

WENDLÄNDISCHE BAUERNREGEL



Castor-Nix-Da <05843619@t-online.de>
- Thursday, March 13, 1997 at 22:01:25 (MET)


Anzeige vom 11.03.

X1000mal quer

Gewaltfreie Blockade des CastorTransportes nach Gorleben

Eine erste Bilanz:

Wir sind tief beeindruckt. Damit haben selbst die größten Optimistlnnen nicht gerechnet: 9.000 Menschen haben sich an "Xtausendmal quer in der Nacht vom 4. auf den 5. März beteiligt. Neun Stunden hat die Polizei gebraucht, um die gewaltfreie Sitzblockade zu räumen. Und dies ist ihr nur mit rechtswidriger brutaler Gewalt gelungen. Trotzdem ließen sich 9.000 Menschen nicht provozieren und selbst von übelsten Attacken nicht zu sogenannten "Ausschreitungen" hinreißen, die zur Legitimation der Polizeigewalt nötig gewesen wären. Selbst die mit eskalierender Absicht gewählte Nachträumung brachte nicht das von der Polizei erhoffte Ergebnis. Die Disziplin, Würde und Standhaftigkeit der Menschen auf der Straße war fast unglaublich.

Viele fragen:

Wie war das möglich?Gewaltfrei bedeutet mehr als nur "keine Gewalt". Der Absatz von "Xtausendmal quer" ging weit über den Minimalkonsens, keine Menschen zu gefährden, hinaus. Durch die Selbstverpflichtung und die Übereinkunft von "Xtausendmal quer" war eine breite geimeinsame Basis vorhanden. In den Tagen auf dem Camp und vor dem Verladekran sind Strukturen entstanden, die sich in der Räumungssituation bewährt haben. Tausende waren in Gruppen organisiert, die sich über den Sprecherinnenrat koordnierten und gemeinsames Handeln organisierten. Training in gewaltfreiem Handeln, offensives freundliches Zugehen auf Neuankömmlinge, gründlich vorbereitete Infrastruktur und Versorgung und das immer neue Appellieren an die Mitverantwortung aller Aktionsteilnehmerlnnen waren nur einige der Faktoren, die am Ende zu einer der größten und beeindruckendsten gewaltfreien Aktionen in der Geschichte der Bundesrepublik geführt haben.

Was hat es gebracht?

Der Transport wurde von der Polizei durchgesetzt. Es gab trotz umseres gewaltfreien Handelns zahlreiche verletzte Blockiererlnnen. An anderen Streckenabschnitten nutzte die Polizei die geringe Medienpräsenz umd räumte rigoros und ohne Rücksicht auf Verluste. Trotzdem wurden die drei Hauptziele der Kampagne "Xtausendmal quer" erreicht. Erstens konnten deutlich mehr Menschen motiviert werden, sich querstellen, zweitens ist die Diffamierungskampagne von Politik und Medien nicht aufgegangen und drittens ist es gelungen, die Polizei und ihre politische Führung in eine Legitimitäts und Legalitätskrise zu bringen. All diese trägt dazu bei, einen nächsten Castor unwahrscheinlicher zu machen.

Die Polizei in der Falle:

Wir haben es erlebt, als uns die Einsatzleiturig am Nachmittag vor der nächtlichen Räumung zum Gespräch bat. Sie waren mit ihrem Latein am Ende, wußten nicht, wie sie Xtausende so von der Straße bekommen, daß sowohl der CastorZeitplan als auch die Rechte der Blockiererlnnen eingehalten werden. Sie hofffen inständig auf "Ausschreitungen". Und sie erklärten uns klar und deutlich, daß im Zweifelsfall der Zeitplan wichtiger ist,als unsere körperliche Unversehrtheit und Menschenwürde. Der Rechtsbruch wurde in diesem Gespräch dramatisch offen angekündigt.

Wir wollen es ietzt wissen:

Im Vorfeld haben wir angekündigt, daß die Frage der Verhältnismäßigkeit polizeilichen Handelns ein Knackpunkt bei "Xtausendmal quer" werden wird. So ist es nun gekommen. Der Castor war nur noch unter Mißachtung gültiger Rechtsnormen durchsetzbar, und dies ist aufgrund&127 der massiven Gewalt gegen gewaltfreie Sitzblockiererlnnen so offensichtlich wie noch selten geworden. Deshalb gilt es jetzt nicht lockerzulassen. Wir haben Einsatzleitung und Innenministerium im Vorfeld erklärt, daß wir sie aus dieser Verantwortung nicht entlassen und so werden wir uns nun auch verhalten. Denn wer im Voraus bereits weiß oder wenigstens ahnt, daß ein Polizeieinsatz rechtswidrig ist und ihn dann trotzdem anordnet, der muß zur Rechenschaff gezogen werden, weil er sonst immer wieder aufs neue so handeln würde. Wir wollen eilige juristische Klärung: Wir sammeln Zeugenaussagen von allen, die bei "Xtausendmal quer" dabei waren, ob auf der Straße oder am Rande. Wir suchen juristisch verwertbare Beobachtungen über das Verhalten der Polizei. Es geht um einzelne Übergriffe, um Lautsprecherdurchsagen, um Räumungssituationen. Bitte nehmt nichts: als ungerecht hin, sondern benennt das Unrecht als solches und laßt uns eure Schilderungen zukommen. Danke!

Dank

an all die vielen Leute, die mit kleinen und großen Taten dazu beigetragen haben, daß "Xtausendmal quer geklappt hat. Dank an alle, die mit Geld oder Sachspenden die Umsetzung&127 der Idee ermöglicht haben Das Leben im Camp, das Überleben auf der Straße umd die geballte gewaltfreie Kraft in der Räumungssituation wären nicht denkbar gewesen ohne die Unterstützung vieler, vieler Menschen, aus dem Landkreis und dem ganzen Bundesgebiet. Sie hier alle zu nennen, würde jeglichen Rahmen sprengen. Besonders nennen möchten wir deshalb lediglich Bauern Harms aus Splietau, das Kochkollektiv "Rampenplan", die reisender Handwerkerlnnen und schließlich Friedrich Erbacher aus Schwäbisch Gmünd, der mit seinem organisatorischen KnowHow so manches von dem entwickelte, was dann durch die Mitarbeit aller gut funktionierte. Dank auch diejenigen, denen Sitzblockaden zu "lasch" sind und die trotzdem den Mut und die Entschlossenheit der an "Xtausendmal quer" Beteiligten jederzeit respektiert haben. Ein besonderer Dank der BI LüchowDannenberg, die trotz einzelner Irritationen im Vorfeld immer dann zur Hilfe eilte, wenn es dringend nötig war.

Entschuldigen

müssen wir uns bei denjenigen, deren Essensspenden von "Rampenplan" nicht angenommen wurden umd die darüber zu Recht empört sind. Entschuldigen müssen wir uns auch bei den über 1.700 Menschen, deren Namen aus Zeitnot nicht mehr in Anzeigen veröffentlicht werden konnten, obwohl sie Selbstverpflichtung oder Solidaritätserklärung unterschrieben haben. Wir haben entschieden, auf den Abdruck jm nachhinem zu verzichten und hoffen, daß ihr damit einvenstanden seid. Um Nachsicht bitten wir auch diejenigen, die am Zwischenlager im Rahmen von "Xtausendmal quer" blockieren wollten. Nachdem sich fast alle Gruppen im Camp für den Kran als Blockadepunkt entschieden hatten und nachdem die Räumung der Blockade so lange gedauert hatte, waren keine Kräfte mehr frei, auch noch den zweiten Blockadepunkt zu organisieren. Der Versuch, nochmal bei Grippel die auf der weiteren Strecke agierenden Gruppen zu untenstützen, ist leider an der hohen PoIizeipräsenz und dem Tempo des CastorKonvois gescheitert:

Wie geht es weiter?

Wichtig ist sicherlich die gründliche Auswertung und Bewertung von "Xtausendmal quer", gerade auch im Kontext des ganzen "Streckenkonzeptes" des CastorWiderstandes. Wir ermuntem all Leser und Leserinnen dieser Anzeige ausdrücklich, sich an dieser Diskussion, z.B. in schrifflicher Form, zu beteiligen. Wir werden in den nächsten Tagen auch zu einem großen öffentlichen Auswertungstreffen im Landkreis einladen. Ob es für einen möglichen neuen CastorTransport eine neue "Xtausendmal quer"Kampagne geben wird, wollen wir erst nach der Auswertungsphase und in Abstimmung mit anderen Gruppen des Widerstandes entscheiden. Wer bisher keine Rückmeldung an "Xtausendmal quer" unterschrieben hat, aber über alles Kommende von uns informiert werden möchte, lasse uns seine/ihre Adresse zukommen. Ein.Schwerpunkt der Weiterarbeit wird auch die bereits genannte juristische und politische Aufarbeitung des polizeilichen Vorgehens sein. Um die Kraft und Würde der Aktion nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sind verschiedene Projekte der Dokumentation und des Gedenkens in Arbeit oder Vorbereitung. U.a. wlrd es demnächst einen VideoDokumentarfilm über "Xtausendmal quer" geben.

Eine Bitte:

Viele haben sich bei uns für die gute Organisation von."Xtausendmal quer" bedankt. Trotz allen Engagements und der vielen Sachspenden mußten wir für das Funktionieren der Infrastruktur eine große Menge Geld ausgeben. Deshalb die Bitte an alle, die diese Anzeige lesen: Tragen Sie mit einer großzügigen Spende dazu bei, daß wir nicht auf Xtausend DM Schulden sitzenbleiben. Herzlichen Dank!

Die Koordinationsgruppe: Frauke Banse, Verden; Hagen Berndt, Wustrow; Miriam Breckoff, Verten; Rainer Brumshagen, Karmitz; Marie Dinkgrefe, Blütlingen; Bernd Dörgeloh, Bussau; Miriam Ebert, Wustrow; Birgit Fuhrmann, Blütlingen; Gesine Fischer, Banzau; Wolfgang Hertle, Hamburg; Werner Hesse, Volzendorf; Ansgar Jeremias, Braunschweig; Valeska Klatt, Wustrow; Felix Kolb, Verden; Silk Kreasel, Oldenburg; Harald Müller, Wustrow; Jörg Rohwedder, Hamburg; Klaus Schmitz, Gledeberg; Cornelia Seeberger, Oldenburg; Jochen Stay, Jeetzel; Katp Tempel, Jeetzel; Herbert Waltke,Jameln; AK Halt Mittwoch, Hamburg und viele weitere, die in der heißen Phase" dazukamen.

X100mal quer, Dorfstr. 30 29462 Blütlingen Tel. 058437527 Aktionskonto M. Dinkgrefe, Nr. 121 017 6100 Volksbank Wendland, BLZ 258 634 89


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:44:21 (MET)


Polizei zerschmettert Kinderwagen während der Demo

Weh dem, "der deine jungen Kinder nimmt und sie arn Felsen zerschmettert" (Ps. 137,9)

Mittwoch vormittag, Langendorfer Frauen suchen ihre Kinderwagen. Sie haben schon vor einer Woche eine "Kinderwagenparade" über das Ordnungsamt bei der Bezirksregierung angemeldet. Neben den Windeln, die sie als Halstüchcr tragen, und den Bildern ihrer Kinder und Enkel, die sie sich vor die Brust gehängt haben, wollen sie mit den Kinderwagen deutlich machen, daß es ihnen bei ihrem Protest auch um eine lebenswerte Zukunft für ihe Kinder und Kindeskinder geht. Nach der Stunkparade, bei der die Kinderwagen auf mehreren Anhängern mitgefiihrt wurden, haben sie die etwa 20 Kinderwagen auf drei Stellen in der Gemeinde verteilt. Am Dienstag also einen Tag vor dem CastorTransport schieben einige Erwachsene die Kinderwagen in der Mitte des Dorfes auf die Straße, so daß sie eine Kette bilden. Polizeiautos kommen, halten an, Polizisten springen heraus, greifen sich die Kindwagen und laden sie in die Bullis. Was dann passiert, hat eine Augenzeugin festgehalten:&127

"Am 04. 03. 97 saß ich mit zwei Nachbarn auf unserer Terrasse, als um ca. 14:3O mindestens vier Polizeiwagen von unserer Hauptstraße in einen Waldweg fiuhren, ein Waldstück passierten und am Waldesrand hielten Die Polizisten stiegen aus, räumten aus ihren Wagen 4 5 Kinderwagen und warfen sie in den Wald. Dazugehörige Matratzen wurden in die Bäume geworfen, wo einige davon in den Ästen hängen blieben. Mit einem lauten Pfiff wollte ich vermeiden, daß noch mehr Unrat verstreut wird. Dadurch bemerkten die Polizisten, daß sie beobachtet wurden. Sie stiegen wieder in ihre Wagen und verließen diesen Waldesrand. Da ich ein Feruglas bei der Hand hatte, konnte ich von 3 Fahrzeugen die Nummernschilder deutlich sehen und notieren.

Es handelte sich um folgende Kennzeichen: WJ 3427, WI 3291, WI 3488." (L. A. z.)

Einem Hinweis folgend gehen die Langendorfer Frauen in den Wald. Sie holen ihre demolierten Kinderwagen. Sie sind fassungslos. Ein Polizist ebenfalls. Er hilf mit einer Plastikfessel, einen Kinderwagen wieder halbwegs fahrbar zu machen.


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:42:59 (MET)


Leserbrief vom 11.03.

Signalwirkung durch Ausstieg

Betrifft: CastorSixpack internationale Presseschau

Den Wendländern gebührt für ihren Mut und ihre Tapferkeit weit mehr als ein Lob oder Dankeschön. In den Tagen des Transports wurde Geschichte gesehrieben, und (fast) alle, die nicht dabei waren, sind stolz auf euch.

Wie sagte noch der Amerikaner, der auf der Kundgebung in Lüneburg die Grußbotschaft von mehr als 100 AntiNuklearInitiativen überbrachte: The world is watching you!

Wenn Deutschland aus der AtomTechnik aussteigt, findet das internationale Beachtung. Die Deutschen, bzw. deutsche Technik, genießen im Ausland irnmer noch sehr großes Ansehen. Dies kann ich durch eigene Erfahrung, u. a. in Asien und dem südpazifischen Raum, bestätigen.

Die Presseschau der EJZ vom 6. März gibt ein ähnliches Bild wieder. Ein Ausstieg Deutschlands würde also durchaus eine positive Signalwirkung weltweit bedeuten.

ClausDieter Santen, Berlin


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:42:10 (MET)


Leserbrief vom 11.03.

Nie wieder

Betrifft: CastorTransport

Nie wieder werde ich einem Politiker trauen, ganz gleich welcher Farbe. Nie wieder werde ich in dieser PseudoDemokratie wählen gehen. Nie wieder werde ich bei irgendeinem Vorfall, ganz gleich welcher Art, die Polizei rufen. Nie wieder werde ich irgend etwas glauben, was eine Person sagt, die ein höheres Einkommen hat.

Reinhard Blunk, Gusborn


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:41:31 (MET)


Leser vom vom 11.03.

"Heiße GrillZelle" Bundestag

Betrifft: Bundestagsdebatte über CastorTransport am 27. Februar

KurtDieter Grill (CDU) schneidiger ProAtomBundes tagsabgeordneter aus Lüchow Dannenberg, machte in der CastorDebatte vor dem Plenum des Deutschen Bundestages in Anwesenheit selbst des Bundeskanzlers seine unter leeren Kassen ächzenden Parteifreunde im Parlament, Bundeskanzleramt Finanzministerium und Reaktorsicherheitsministerium ganz "heiß": Die BI LüchowDannenberg erfreue sich noch immer steuersparender Gemeinnützigkeit!

Weil dazu auch gesagt gehört was "Heißmacher" Grill ver schwieg, möchte ich dazu bemerken: Steuerbefreiender Gemeinnützigkeit erfreut sich auch die schon lange vor Bau des allerersten Atomkraftwerkes in den 50er Jahren gegründete Propaganda und Lobbyistenzentrale, jener Verein, der sich Deutsches Atomforum e.V. Bonn nennt. Hier wird steuerbefreiend gefördert, daß sich Atomindustrielle und andere Atomlobbyisten mit Bundestagsparlamentariern zu einem undurchschaubaren Gemenge zusammengetan haben. Nicht nur Bundestagsabgeordnete, bevorzugt solche mit besonderen Weihen in Ausschüssen und in ihren Fraktionen, sogar amtierende Bundesminister können hier bis zu Posten im Präsidium aufsteigen.

Zahlendes Mitglied ist heute noch der Freistaat Bayern. Andere Bundesländer wie BadenWürttemberg und RheinlandPfalz sind auf meine direkte

bzw. über CDAK (Christliche Demokraten gegen Atomkraft) indirekte Intervention inzwischen ausgestiegen. Es lohnt sich aber immer wieder, die Mitgliederverzeichnisse der Atomlobbyisten durchzuforsten. Wen man da so alles findet. Und worüber man sich wundern kann!

Der Bundestagsabgeordnete Grill sitzt zwar nicht in diesem Glashaus (noch nicht). Aber er wäre trotzdem gut beraten nicht mit Steinen zu werfen. Natürlich nur bildlich; denn so etwas tut der feine Mann nicht. "Heiß machen" schon eher. Da gibt es ja in der Atombranche diese sogenannten "heißen Zellen", in denen man aUes nur mit Handschuhen an noch dazu ganz langen, spitzen Zangen anfaßt.

Hans Grossmann, Maintal


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:40:41 (MET)


Anzeige der IDAS vom 11.03.

IDAS bedankt sich..

.. . für die Spenden, die unser Lagerleben erträglich machten

. . . für das Spritgeld, das uns bei unseren Aktionen spontan übergeben wurde

. . . für die guten Worte, die uns stärkten

. . . bei der Band, deren Auftritt uns einheizte

...bei allen, die sich quergestellt haben

. . . bei den Bauern. Was wäre der Widerstand ohne sie?

Wir haben schon einen Reifen gespendet. Macht es uns nach, ihr Schaden ist auch unserer!

&127 KSK LüchowDannenberg (BLZ 258 513 35) Konto Nr. 9 804

IDAS distanziert sich von den Gewalttätern, die dem Widerstand Schaden zufügen.

IDAS ruft die Polizei und den Bundesgrenzschutz auf: Distanziert Euch jetzt von den Gewalttatern in Euren Reihen, die Eurem Ansehen schaden

IDAS macht mobil: Ahaus, wir kommen!


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:39:58 (MET)


An die Gusborner Einwohnerinnen

Wir bedanken uns recht herzlich für die Sach- und Geldspenden für das Gusborner Camp beim hoffentlich letzten Castor-Transport.&127

Wir bedauern, daß es zu Zerstörungen und Sachbeschädigungen gekommen ist, weisen aber nochmals darauf hin, daß dies nicht im Sinne unseres friedlichen gewaltfreien Widerstandes gegen die Atommüll-Transporte ist

Castor-Gruppe Gusborn


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:39:17 (MET)


RATSCHLAG

am Sonnabend, 15 März 1997, um 15.00 Uhr

in den "Bauernstuben" in Trebel

Rückschau halten auf die Tage um den CastorTransport, politische Auswertung, wie geht's weiter. .

Bürgerinitiative Umweltschutz LüchowDannenberg e.V. · 29439 Lüchow


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:38:34 (MET)


ElbeJeetzelZeitung vom 11.03.

Landessuperintendent Drömann:

"Wirken der Pastoren war sinnvolI"

lr Lüchow. "Die Pastorinnen und Pastoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirchenkreise Dannenberg und Lüchow haben beim Einbringen der

CastorBehälter gute Arbeit geleistet. " Das stellte Landessuperintendet Dr. HansChristian Drömann

fest, der über den Einsatz der Pastoren beim umstrittenen Atommülltransport in der vergangenen Woche informierte. Er dankte allen, die diesen "außergewöhnlichen Dienst'' geleistet haben: "Das Wirken der Pastoren war sinnvoll und gelungen."

Auch Seelsorger aus der benachbarten Kirchenprovinz Sachsen, vom Bundesgrenzschutz umd von der Polizei hätten sich zwischen Demonstranten und Polizisten begeben, um deeskalierend zu wirken. Insgesamt 20 Personen hätten sich in Gruppen aufgeteilt, um während des CastorTransports an mehreren Brennpunkten sein zu können, berichtete Drömann.

Er schilderte Situationen, in denen heftigere Auseinandersetzungen verhindert worden seien. Er selbst sei dabeigewesen, als sich mehrere junge Leute über eine Straße hinweg zwischen Bäumen festketteten. Die Atomkraftgegner hätten sich geweigert, die Straße freizugeben, als Drömann sie ansprach. Bei Verhandlungen mit der Polizei habe er erreicht, daß die Demostranten mit Spezialgerät von den Ketten gelöst wurden.

Auch wenn friedliche Demonstranten Polizistinnen beleidigten oder "wenn Polizisten ausrasteten", seien die Pastoren eingeschritten, schilderte Drömann. Es habe viele Gespräche mit Beamten gegeben, denen ebenso wie den Atomkraftgegnern die "Angst im Gesicht geschrieben stand".

Das Engagement der Pastoren habe ihnen von beiden Seiten Kritik eingebracht, so der Landessuperintendent. In derart belastenden Situationen seien vermittelnde Dienste nicht jedermanns Sache. Wer den Pastoren unterstelle, sie seien von Gewalttätern instrumentalisiert worden, der tue den Seelsorgern Unrecht, stellte Drömann fest.


Castor-Nix3-Danach <BI-Ticker>
- Wednesday, March 12, 1997 at 23:36:50 (MET)


Anzeige vom 10.03.

Toll, unsere Bauern!

Dank und Anerkennung für Ihren aufrechten, mutigen und phantasievollen Einsatz bel X3

A. Bohlmann, D. Harms, R. Harms, Ch. Hennings, R.

Jacobshagen, R. Kabus, R. Schemionek, U. Winkler,

R. Schuke


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:36:03 (MET)


ElbeJeetzelZeitung vom 10.03.1997

Am Wochenende war vielerorts Aufräumen angesagt Viele Menschen machten mit

Den Bauern nicht den Dreck hinterlassen

ab Splietau. Dies sei nun wohl endgültig "der letzte Akt der Beerdigung", meinte am Sonnabend einer jener freilligen Helfer, die zum Aufräumen gekommen waren. Sprach's und stopfte auf dem nahezu verwaisten CampGelände am Splietauer Ortsrand den "wohl 150. Pappbecher und vielleicht die 80. leere Zigarettenschachtel" in einen gelben Sack.

Wie in Splietau waren am Wochenende vielerorts rund um Dannenberg, Gusborn und Quickborn viele fleißige Hände im Einsatz: "Saubermachen" war angesagt. Nach getaner Arbeit deutete nicht mehr allzuviel darauf hin, daß dort, wo die "Putzkolonnen" im Einsatz waren, noch vor wenigen Tagen mehrere tausend friedliche Demonstranten auf den Castor gewartet hatten. Und auch die Demonstrationsschauplätze, wie etwa das Gelände rund um den Verladekran wurden gesäubert. So manches Stück Papier, leere Flaschen, Dosen, Papiertaschentücher und viel anderer Unrat landeten zuerst in Säcken und später in Müllcontainern. Des weiteren hies es Stroh zusammenzuharken auf dem die Demonstranten in den Nächten zuvor bei empfindlichen Minustemperaturer geschlafen, gesungen, gegessen und sich vielleicht auch geliebt hatten.

Zum Teil von Landwirten waren den Protestlern die CampGelände zur Verfügung gestellt worden, "nun dürfer wir den Bauern nicht den ganzen Dreck hinterlassen", war man sich einig. "Bevor wir wieder nach Haue fahren, müssen ,wir' diese Arbeit erledigen", sagt die 23jährige Janina aus Stuttgart. Die Studentin ist gut drauf, sammelt alles ein, "was hier nicht hergehört". Dabei ist die junge Frau, die ihren schwäbischen Dialekt nicht verbergen will, in guter Gesellschaft: der Angestellte Axel aus Dannenberg, die Hausfrau Vera aus Dresden, die Architekturstudentin Angelika aus Münster und der Zimmermann Frank aus Flensburg. Die fünf gehörten am Wochenende zu den mehreren hundert Personen, die dem "Aufräum"Ruf der Bürgerinitiative Umweltschutz, von "Xtausendmal quer", der Unabhängigen Wählergemeinschaften, der Grünen und mehreren anderen Organisationen gefolgt waren.

Wer wollte, konnte nach getaner Arbeit eines der übriggebliebenen Brote mit nach Hause nehmen. "Die Bevölkerung hat uns überaus reichlich mit Lebensmitteln versorgt, doch wir haben nicht alles aufessen können", sagt einer jener "guten Geister", die im Splietauer Camp während der Protesttage für die Verpflegung der Demonstranten zuständig waren. Es sei erstaunlich wenig Geschirr zu Bruch gegangen, freut sich der selbsternannte "Küchenbulle" und verstaut Tassen, Teller und Bestecke in Kartons; "Nachher geht's heim."

In Splietau haben die Bauern ihre Traktoren von der StraBe gefahren, gezogen oder ziehen lassen, ein Trupp von über 100 Männern und Frauen sorgte vorgestern dafür, "daß hier bald wieder alles ordentlich aussieht". Bis Mittag ist ein Teil der Straßenbarrikaden auch zwischen Splietau und Klein Gusborn verschwunden, Trekker schieben Strohballen und das, was von davon übrig geblieben ist, von der L 256. Fußwege und Zäune werden repariert, die "Maulwurfslöcher" links und rechts der StraBe mit Erde verfüllt. Von den schlimmsten Unterhöhlungen läßt rnan allerdings ganz bewußt die Finger. Diese Schäden würden von den Bediensteten des Straßenbauamtes behoben, ist zu hören. Und deshalb wurden einige, sich direkt über den "Höhlen" befindende Blockaden noch nicht entfernt. Autofahrer werden so davon abgehalten, die Straße zu passieren, "damit nicht noch etwas passiert".


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:34:46 (MET)


Leserbrief vom 10.03.

Unterschiede

Betrifft: Wasserwerfereinsatz

Vor etwa acht Wochen sah ich in den Tagesthemen einen Bericht über die Demonstrationen in Belgrad. Der Berichterstatter ereiferte sich über den unmenschlichen Wasserwerfereinsatz bei Minustemperaturen. Auch am Mittwoch hatten wir Temperaturen unter null Grad. Ich frage mich nun, wo liegt der Unterschied zwischen einer Frau Merkel und einem Herrn Milosevic?

Helmut Behning, Jameln


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:33:49 (MET)


Anzeige vom 10.03.

Bürgerinitiative Umweltschutz LüchowDannenberg e.V.

Einladung zur Mitgliederversammlung

am Sonnabend, dem 19. April 1997, um 15.00 Uhr im "Rebstock in Waddeweitz.

Tagesordnung: 1. Eröffnungsregularien / 2. Kassenbericht? Prüfungsberieht und Entlastung der Kassenwarte /3. Jahresbericht des Vorstandes /4. Entlastung des Vorstandes / 5. Aktuelles, Berichte / 6. Aussprache I 7. Neuwahlen des Vorstandes /8. Wahl des Rechnungsprüfers /9. Wahl der Delegierten zum LBU und BBU /10. Anfragen


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:32:54 (MET)


Anzeige vom 10.03.

Bäuerliche Notgemeinschaft

Herzlichen Dank

den Splietauer Bürgern für ihre Gastfreundschaft und Toleranz, besonders der Familie Hartmann.

Herzlichen Dank

Xtausendmal quer und Rampenplan für die gute Nachbarschaft und Verpflegung.

Nächstes Treffen: Mittwoch, 12. 3., 20 Uhr Trebeler Bauernstuben

P.S. Bitte unbenutzte Siloplane zurück an die Notgemeinschaft

Spendenkonto: Kreissparkasse Lüchow(BLZ 258 513 35) Kto. 8 904


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:31:58 (MET)


Leserbrief vom 10.03.

Rache des Staates

Betrifft: Polizisten zerstachen Treckerreifen

Am Mittwoch, dem 5. März, um 11.05 Uhr landen BGSHubschrauber&127 in Splietau, und Polizeibeamte zerstechen überfallartig einen Großteil der Treckerreifen der dort auf der Straße verkeilten Trecker. Es gab weder einen Grund noch eine Notwendigkeit für einen solchen Einsatz noch war Gefahr im Verzuge. Auch wenn aus den Reihen von Autonomen Straftaten begangen wurden, darf das nicht zu dieser Reaktion des Staates führen.

Wie kann ein Staat nur aus Rache durch seine Beamten irn Dienst solche Straftaten begehen Iassen? Dies war ein "Bärendienst" für das Vertrauen von Menschen in den Rechtsstaat.

Es stellt sich die Frage, wie man jungen Menschen einen Rechtsstaat erklären und näherbringen kann, wenn der Staat selbst ganz offensichtlich nicht danach handelt. Was bedeutet dann heute überhaupt noch der Begriff "Rechtstaat"? Man kann für (Re)Aktionen dieser Art kein Verständnis aufbringen und hoffen, daß solche Maßnahmen noch mehr Menschen aufrütteln und aktivieren.

Werner Beckmann, Lüchow


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:30:42 (MET)



CASTORGRUPPE GEDELITZ UND UMGEBUNG

Ist der Castor erst mal drin, kommt uns Neues in den Sinn.

WENDLÄNDISCHE BAUERNREGEL



Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:29:53 (MET)


Leserbrief vom 10.03.

Kampfansage an Widerstand

Betrifft: Castor nach Ahaus

Das Gemeinschaftskraftwerk Neckarwestheim kündigt wenige Tage nach dem Gorlebendebakel einen weiteren CastorTransport an. Ziel des Transports soll das Brennelementzwischenlager in Ahaus sein.

&127 Einmal abgesehen davon, daß die Genehmigungsvoraussetzungen für die Einlagerung des Castors V/19 in Ahaus noch nicht vorliegen, wertet die Bügerinitiative Umweltschutz LüchowDannenberg die Absichtserklärung der AKWBetreiber in Neckarwestheim als Kampfansage an die Anti

AtomBewegung. Der Widerstand gegen Atomtransporte läßt sich nicht gegeneinander ausspielen.

Wenn die AKWBetreiber meinen, sie könnten den Weg des geringsten Widerstandes gehen, so werden sie sich.täuschen, wir sind all dor. Nächste Demoetappe ist nämlich Ahaus Ende April werden die LüchowDannenberger Atomkraftgegner/innen sich auf den Weg zu traditionellen Maifest und Kundgebung der Ahauser Bürgerinitiative machen. Auch in Ahaus heißt es seit langem "Wir stellen uns quer."

Wolfgang Ehrnke, Breese/G


Castor-Nix-Da <Nix3 danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 20:28:57 (MET)


Kommentar der EJZ vom 07.03.1997

Bittere Botschaft

Man traut seinen Ohren nicht. Einen Kurswechsel in der Energiepolitik wird es nicht geben, dröhnt es aus Bonn just an dem Tag, an dem der umstrittene CastorSixpackTransport sicher ins Zwischenlager Gorleben gerollt ist. Ende gut, alles gut?

Es spricht eine gehörige Portion Ignoranz und Arroganz aus solchen Durchhalteparolen nach dem Motto: Weiter so. Und es mag verwundern, daß Politiker so schnell zur Tagesordnung übergehen während die Spuren der Massenproteste im Wendland noch gar nicht beseitigt sind Was ist von denen zu halten die so tun, als wäre nichts geschehen? Was muß noch passieren, bevor sich bei Regierenden die Erkenntnis durchsetzt, daß es so eben nicht mehr weitergehen kann? Angesichts der Ereignisse in dieser Woche zwischen Verladekran und Zwischenlager darf bezweifelt werden, daB derartige Transporte politisch noch länger durchsetzbar sind. Politische Lösungen, wie sie in diesen Tagen in vieler Munde sind, indes ändern für Gorleben nichts. Nach der Diskussionsvorlage soll hier alles so weitergehen wie bisher. Es ist also zu befürchten, daB der Konflikt, ausgelöst durch ein mit vielen offenen Fragen behaftetes Entsorgungskonzept, weiter auf dem Rücken der Bevölkerung des Wendlandes ausgetragen wird. Die Region wird folglich nicht zur Ruhe kommen. Deutlicher konnte Minister Bohls bittere Botschaft aus Bonn an diesem Tag nach "Tag X3" nicht sein.

HansH. Müller


Castor-Nix-Da <Nix3danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 00:33:35 (MET)


EJZ vom 07.03.1997

N3 sendete vorgestern aus Trebel

Wut, Depression und Ohnmacht

ab Trebel. "Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Sand nach einem Polizisten geschmissen. Nachher war ich so entrüstet und habe mich gefragt, wie so etwas angehen kann", meinte Hermann Bammel von der Bäuerlichen Notgemeinschaft am Donnerstag in den "Trebeler Bauernstuben". Von NDRModeratorin Hanna Legatis war er nach seinen Eindrücken bezüglich des CastorTransportes gefragt worden. . Einen schweren Stand hatte Faesel, er geriet aufgrund des Polizeieinsatzes ins Kreuzfeuer der Kritik. Es schien, als wolle man ihn für das harte Vorgehen seiner Kollegen verantwortlich machen.

Von Wut und Depression hörte das Fernsehteam und von "der Ohnmacht, die man hatte, als der Castor reinfuhr und man absolut nichts machen konnte". Bekannte und Freunde hätten

weinend an der Straße gestanden, so der Gorlebener Karsten Kiehn. Man habe sich zusammengefunden, "um diese Wahnsinnstechnologie zu verhindern", berichtete Marianne von Alemann: "Meine Generation ist die.Kriegsgeneration alles hält zusammen und alle stehen für dieselbe Sache auf der Straße." Egal, ob man graue, grüne, braune oder blaue Haare habe. "Ein bißchen entsetzt" von allem sei auch er, gestand Gisbert Stevens. Entsetzt von dem Aufgebot, mit dem die Interessen der Kernkraftwerke durchgesetzt worden seien.

So richtig lebhaft wurde die Diskussion nach der Sendung; da sprach beispielsweise Peter Faesel davon, "daß wir in unseren Reihen Polizisten haben, die in gewissen Situationen überzogen reagieren". Ein Zuschauer meinte vor dem Hintergrund der Splietauer Vorfälle, die Polizei mutiere immer mehr zu einer kriminellen Vereinigung. Das sei sein Eindruck.


Castor-Nix-Da <Nix3danach>
- Tuesday, March 11, 1997 at 00:32:19 (MET)


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