Vier Tage im März

Ein wendländisches Tagebuch

Ich mußte einfach zum Castor, das war für mich von Anfang an klar. Aus drei Gründen, die ich Dir, geneigter Leser bzw. geneigte Leserin kurz darlegen möchte. Zum Einen lehne ich die Atomkraft vehement und überhaupt ab und halte die Gorlebener Transporte für eine reine Machtdemonstration der Atommafia. Zum anderen fehlen mir die Worte, wenn ich sehe, daß es dem Staat 30.000 Polizisten und fast 200 Millionen DM wert ist, nur um sechs dusselige Brennstäbebehälter von einem Lager ins andere zu verfrachten. Außerdem fühle ich mich meinem Niedersachsen verpflichtet. „Meinem Niedersachsen", weil ich damals nur aus Zufall in Berlin geblieben und nicht in ein 800-Seelen Dorf gezogen bin. Trotzdem war ich oft genug dort, auch die Gegend um Dannenberg kenne ich, zum letzten Mal war ich Ende Dezember im Landkreis.

Sonntag Abend, ich komme an, klitschnaß, in einem Anflug akutem Schwachsinns hatte ich mich entschlossen, ein großes Stück mit dem Rad zu überbrücken. Regen. Das einzige Mal, zum Glück. Ansonsten sollte eher Sonnenbrand angesagt sein. Ich fahre über Celle, um mir unterwegs noch ein Fahrrad zu besorgen.

Ankunft im Camp Splietau. Entlang der Strecke vom Verladekran am Bahnhof in Dannenberg und dem Zwischenlager in Gorleben gibt es eine ganze Reihe dieser Zeltlager oder Wagenburgen. Das in Splietau, nur unweit vom Verladekran entfernt, also direkt bei Dannenberg, steht unter dem Motto „X-tausendmal quer". Absolut gewaltfrei wollen sich x-tausend Menschen querstellen und zivilen Ungehorsam zeigen. Das Camp selber besteht aus einer riesigen Eingangspforte (Spruch: „Wir sind das Lachen") und mehreren Zirkuszelten und Wohnwagen. Dahinter hunderte kleinere Zelte. Ein Großzelt dient für die Infoveranstaltungen und später zum Aufhängen der nassen Wäsche, in einem sind weitere Infostände stationiert und im dritten kann der Mensch ohne eigenes Zelt schlafen, was ich in dieser Nacht auch machen werde, wenn auch nur bis sechs Uhr. Weiter hinten hat die Großküche „Rampenplan" ihr Zelt aufgebaut. Auch gibt es noch einen Technikwagen mit Fax und Handys.

Nächster Morgen, zum ersten Mal sehe ich das Wendland im Hellen. Knapp sechs Stunden geschlafen und so fühle ich mich auch. „Für die kommenden Tage dient dieses Camp nur zum Unterbringen von Sachen" tönt es aus den Lautsprechern. „Wir ziehen jetzt zur Straße und werden da auch schlafen". Ihh, das wird hart. Die Bauern haben Stroh gebracht, fein. Eine Kolonne von gut tausend Menschen zieht über die Äcker zur Bundesstraße 191, die Polizei kommt uns entgegen. Die Kriege im Mittelalter müssen ähnlich begonnen haben. Wir lassen uns auf der Straße nieder, die Polizei versperrt allerdings den Weg Richtung Kreuzung und Verladekran. Mensch muß sich das so vorstellen: Vom Kran, wo die Castor-Behälter vom Zug auf LKW umgeladen werden, führt eine kleine Stichstraße, vielleicht sechs Meter breit und 300 Meter lang, zur Bundesstraße 191. Diese Bundesstraße ist die einzige noch mögliche Route für den Castor. Die eigentliche Wegstrecke weiter südlich ist an vielen Stellen untertunnelt und verbarrikadiert worden. Außerdem haben sich im Dorf Splietau „bei einem unglücklichen Überholmanöver" 50 Traktoren ineinander verkeilt. Der Castor muß also die um ein paar Kilometer längere Nord-Strecke nehmen, doch da sitzen jetzt wir drauf.

Nach einer Weile wagen sich die ersten zur Kreuzung vor. Die Polizei läßt uns gewähren. Weiter scheint es aber erstmal nicht zu gehen. Mittag im Wendland. 2.000 Menschen bald, die vermummten Grünen (= Polizei) schicken 100 Leute, um die Zufahrtsstraße zu sichern. Doch was ist das?

Wie bei Asterix und Obelix bei den Briten. Um Fünf Uhr zogen erstmal alle zum Tee, da staunten die Briten. Momentan staunen eher wir, denn zum Mittagessen zieht sich die Polizei zurück, in Reih und Glied natürlich. Apropos Polizei. Hier zerfallen sowieso gerade Feind (Welt-) Bilder. Da haben doch tatsächlich ein gutes Dutzend von ihnen „X Hoch Drei - Wir stellen uns quer"-Spuckies auf ihre Schutzschilder geklebt. Als ich sie fotografiere, drehen sie die Köpfe weg. Nein, dazustehen können sie natürlich nicht, schließlich stehen sie auf der anderen Seite.

Die Stimmung auf der Straße ist momentan bestens. Die Leute sitzen, liegen, schlafen trinken, essen, rauchen. Jetzt ist Bewegung angesagt. Wir nutzen die hungerbedingte Abwesenheit der Polizei und ziehen direkt vor den Verladekran. Die Polizei scheint das nicht zu stören. 50 Grünlinge stehe als Barriere, der Rest der Damen und Herren werkelt noch an etwaigen Zäunen. Nun sitzen wir wieder. Die Demonstranten langweilen sich. „Einmal möcht ich einen Wasserwerfer erleben" meint der Mensch neben mir. Na super. Heute gab es übrigens einen Unfall mit vier Wasserwerfern, zwei sind totalverschadet. Als die Nachricht die Straßenblockade erreicht, bricht Jubel aus.

Es ist sonnig, ich glaube, ich bekomme einen Sonnenbrand. Hm. Was mich nervt, ist, daß hier alle in irgendwelchen Bezugsgruppen eingeteilt sind. Und deren Leiter ewig Kekse und Schokolade dabei haben. Aber da ich gestern so spät angekommen bin, stehe ich relativ allein da. Heute Abend kommen noch einige Leute an, die ich kenne, soweit ich weiß, wollen die auch nach Splietau. Um 18.00 Uhr ist Treffpunkt vorm Infozelt. Wenn da nicht gerade der Castor kommt. Die Presse ist bestens gelaunt, die Herren (ausschließlich, wahrscheinlich hatten die Chefredakteure Angst um die zarten Damen...) haben ihren Spaß. Über uns sind wieder Hubschrauber, Momentan wird an Polizisten Flugies verteilt. „Du mußt nicht mitmachen", heißt es da. Die Beamten werden sich sowieso wie im Zoo vorkommen müssen. Sie sind die Tiere, die von einem nicht endenden Strom von Menschen interessiert-abgeneigt begutachtet werden. Fast regungslos stehen sie da, durch ihre heftige Kampfausrüstung aber so fruchteinflößend, daß es keiner wagt, sie zu streicheln. Grüne Stehmännchen.

Das Camp ist fast komplett zur Bundes- und Stichstraße gezogen, samt Verpflegung und immerhin einem Klo. Kaum vorzustellen, daß hier einmal Autos gefahren sind. Die Schlange zur Essensausgabe (Makkaroni/vegetarisch) ist geschätzte 50 Meter lang. Ich habe aber Hunger. Mensch ist her sowieso die ganze Zeit nur am Essen. Aus Langeweile, weil einem kalt ist oder weil mensch glaubt, auf Vorrat essen zu müssen - wer weiß, was noch passiert. Bekocht, und das sehr lecker, werden wir von einer Truppe namens Rampenplan, einer fahrbaren Großküche, die vornehmlich für Kongresse, Seminare und Großdemos wie die unsere beordert wird. Gewinn macht Rampenplan im Wendland nicht. Die Essensausgabe erfolgt gegen Spende, sie erheben noch nicht einmal Pfand auf ihr Geschirr (am Ende fehlen 2.500 Tassen!) So stellt bzw. kocht sich eben jeder quer.

Langsam wird’s familiär. Die ersten bekannten Gesichter tauchen auf. Grüne Jugend, Junge Presse. Wundert es mich eigentlich, daß die beiden Knilche, die hier die ganze Zeit demonstrativ mit einer roten Fahne samt Logo rumlaufen, Jusos sind? Nö! Die Stichstraße zum Verladekran ist jetzt komplett besetzt, auch an der Kreuzung zur Bundesstraße sind noch viele Menschen. Und es werden immer mehr. Auf der B 191 entstehen vereinzelt Stroh- und Baumstammbarrikaden. Konfrontation mit der Polizei. Die ist wider da und möchte die Hindernisse entfernen. Sofort ist sie umringt von singenden und tanzenden Demonstranten sowie einem Herr von Fotografen und Kameraleuten. Die beiden Vermummten auf dem Strohballen schauen leicht irritiert, als auf ihrer Barrikade plötzlich fast ein Dutzend Fotoleute rumturnen und angesichts dieser Medienpräsenz die Polizei erstmal den Rückzug antritt.

Am Montag ist noch alles weitgehend friedlich im Wendland, stündlich wird die Ankunft des Castor-Zuges ankündigt und schnell nachgereicht, wegen welcher Blockade er diesen Termin nicht schaffen kann. Gegen Abend wird es langsam ernst. Die offizielle Ankunftszeit war 17.26 Uhr. Ich bin derweil auf einen Silo-Turm geklettert und erfreue mich neben einer Schar von Kamaraleuten an der Aussicht über das Wendland. Kein Castor-Zug zu sehen, weit und breit. Es ist dunkel, kalt und feucht, ich bin wieder bei den anderen in der Blockade. Meine Iso-Matte ist weg, irgendwer hat anscheinend gefallen an ihr gefunden. Kalt.

Wir beschließen, nochmal Richtung Quickborn zu ziehen. Mal einen Eindruck von der Situation auf der Transportstrecke bekommen. Einem jedem der verschrienden Berliner Polizisten wünschen wir einen schönen Abend. Die Damen und Herren wirken irritiert. Wo wir Euch doch so lieb haben, liebe Berliner Polizei! Ein Kollege aus Heiligensee ermöglicht es uns sogar, über sein Polizei-Handy zu telefonieren. Wir dürfen zwar nicht selber sprechen, er sagt ab brav, was wir ihm vorgeben und verabredet so für den morgigen Tag ein treffen mit Neuankömmligen aus Berlin. Ein paar Meter weiter erklärt und ein Mitdreißiger, daß wir natürlich nach Quickborn kommen würden, aber keine Chance hätten, nach Splietau zurückzukehren. Da sei ja Versammlungsverbot. Dieser Penner! Jetzt müssen wir über die Felder zurück. Sofort ist ein Scheinwerfer auf uns gerichtet, auch der ständig über uns kreisende Hubschrauber leuchtet die Landschaft aus. Sie lassen uns aber in Ruhe, scheinbar haben die grünen Männchen besseres zu tun.

Zurück an die besetzte Straße. Schlafen ist angesagt. Wir liegen etwa in der 15. Reihe. Die Augen krieg’ ich aber nicht zu, jedenfalls nicht auf Dauer. Nässe, Kälte und das nie aufhörende Hubschraubergekreise (entweder nerven die kleinen der Polizei, die mit Scheinwerfern die Nacht zum Tag machen, oder es sind die 32-Menschtransporter des Bundesgrenzschutzes, der in 7er Staffeln neue Kräfte ins „Krisengebiet" fliegen) tun ihr bestes. Die Person neben mir hatte mich gefragt, ob sie einen Teil des Schlafsackes als Decke haben kann, und da ich sowieso nie „nein" sagen kann, friere ich jetzt. Meine Isomatte ist immernoch weg und vor mir unterhalten sich zwei Studenten über Chemie. Irgendwas mit Kohlenstoff und dessen unglaubliche Eigenschaften. Na dann gute Nacht. Oder auch nicht.

Gegen halb vier beschließe ich, nochmal nach dem Castor zu schauen. Ich komme zu einer Polizeisperre, der Herr in BGS-Uniform schaut erst mich, dann den Presseausweis mißtrauisch an. Kein Wunder, es ist mitten in der Nacht, ich bin kreidebleich und zittere, Gesicht und Haare sind durchwühlt. Wahrscheinlich hat er sich den typischen Journalisten anders vorgestellt, aber da an dem Ausweis nichts auszusetzen ist, läßt er mich durch. Ich stehe tatsächlich vor ihm... dem Castor-Zug. Unglaublich! In Berlin brauche ich für die meisten Konzerte oder Pressevorführungen spezielle Akkreditierungen, und hier lassen sie mich einfach durch zu den bestbewachten Waggons Deutschlands. Bis auf zwei Meter komme ich ran, nur ein kleiner Zaun, vielleicht ein Meter hoch und locker zu übersteigen, trennt mich noch von den Containern. Die Castoren sind silbern, ein oder zwei sind mit einer blauen Plane umhüllt. Ganz klein das schwarz-gelbe Schild „Radioaktivität". Neben mir arbeiten noch zwei Kamerateams und drei Fotografen. Immerhin ein halbes Dutzend BGSler stehen dabei. Wollte ich einen Anschlag verüben, ich hätte es jetzt getan. Ich beschränke mich in dieser Nacht aufs Fotografieren. Aktivisten von „Robin Wood" sind auch vor Ort und nehmen Messungen vor. Der 14fachen Strahlung seien wir jetzt ausgesetzt. Schluck. Noch heftiger: Alle Fotos, die ich vor dem Castor stehend gemacht habe, werden nichts. Die Negative sind seltsam schwarz oder überbelichtet. Auf dem Film ist alles in Ordnung, bis es zu den Castor-Fotos kommen müßte. Ein weiterer Film, den ich dabei habe, wird vollkommen ruiniert. Ein Zufall? Hallo, Physik-LehrerInnen? Ich bin nicht der einzige, dem es so erging. Den Verlust von 48 Wendland-Fotos nicht ahnend schlafe ich mehr schlecht als recht.

Neuer Tag, klasse Wetter, beste Laune. Am Morgen sind neue Busse aus Berlin eingetrudelt, man kommt aus dem Hallo sagen nicht mehr heraus. X-tausendmal quer heißt im Moment Volksfest. In Berlin wird gerade eine Deutsch-Leistungskursklausur geschrieben. Ich fahr nochmal nach Dannenberg rein, einkaufen. Für Ilka soll ich eine wasserfeste Einwegkamera mitbringen. Die Händler hier machen ein gutes Geschäft, die Castor-Gegner sorgen für Umsatz- So war das also gemeint, als CDU-Ministerpräsident Albrecht vor 20 Jahren meinte, das Lager in Gorleben werde für Aufschwung im Wendland sorgen.

Im Splietauer Camp wird heftigst geplant und geprobt. Viele kreative Störaktionen werden vorbereitet, ich soll bei einer mit Presseausweis und Fotoapparat präsent sein. Die Polizei soll sich nicht unbeobachtet vorkommen.

Es wird wieder dunkel, die Hubschrauber drehen ihre Runden, alle fünf Minuten ist die Landschaft taghell. Dazu kommen noch die BGS-Geschwader. Apokalypse now! Gegen 22.00 Uhr wird bekannt, daß die Polizei unsere Straße räumen möchte. Es wird ernst, die Castor-„Schlacht" geht in die entscheidende Runde. Feuerwehrsirenen heulen auf. Tag X, mitten in der Nacht. Ich reihe mich bei den anderen ein, Bezugsgruppe Zora bzw. Roter Oktober. Eine wasserfeste Kamera habe ich nicht bekommen. Ilka versichert, daß wir die gebraucht hätten. Letztes Jahr wurde sie auch naß, dem Wasserwerfer sei dank. Ich bin heil froh, jemanden neben mir zu haben, der das alles schon einmal erlebt hat.

Halb Eins, es geht los, die Polizei meldet sich zu Wort. „Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei". Ach nein, wir dachten, es sei der örtliche Schützenverein. Erste Aufforderung, bis „Nulleinuhrnull" die Straße zu verlassen, zweite, dritte. Wir werden immer mehr. Auf der kurzen Straße sitzen dichtgedrängt mindestens 5.000 Menschen. Daneben und hinter der Kreuzung bestimmt nochmal soviel, am Lagerfeuer oder einfach nur als Zuschauer. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Während sich vorne eine Hundertschaft und mehr an Polizisten aufbaut und dahinter Flutlichtscheinwerfer die Massen erleuchten, singen Tausende (naja, alle haben nicht mitgesungen): „20.000 mit dem Wendlandpaß, saßen auf der Straße und erzählten sich was, da kam die Polizei, ja was ist denn das? 20.000 mit dem Wendlandpaß!". Das alles gefilmt und fotografiert von unzähligen Kameras. Reporter kämpfen sich durch die Reihen. Wie wir uns fühlen würden? Angespannt, aber gut. Mit Gewalt kann die Polizei umgehen, wie sieht es mit Gewaltlosigkeit aus? Ein Uhr, die Polizei wird formell. „Gemäß Beschluß des Sonstwierates Lüneburg wurde für diese Straße ein Versammlungsverbot auferlegt". Er werde nun ein Platzverweis ausgesprochen und einfache Gewalt angewendet. Für den Fall des Widerstandes werden zweitens der Wasserwerfer und drittens der Schlagstock in Notwehrlagen angekündigt. Pfiffe. „Fünfter März, Nulleinuhrnull". Doch wir bleiben, die La Ola Welle geht durch die Reihen. Ich bin gerüstet: drei Hemden, drei Jacken, die äußerste wasserfest.

Gegen halb zwei geht’s los. Unter einem Blitzlichtgewitter und musikalischen Begleitung eines Dudelsacks beginnen die schwergepanzerten Vertreter und Vertreterinnen des Gewaltmonopls des Staats, die Leute zur Seite zu tragen. Eine halbe Stunde später, es wird gerade das Pippi-Langstrumpf-Lied gepfiffen, steht die verschwitzte grün-weiße Masse vor uns. Ich bin zu müde, um wirklich Angst zu haben und gespannt der einfachen Gewalt, die jetzt auf mich zukommt. Neben der Straße läuft ein Pfarrer und redet auf die Polizisten ein. Als sich der bullige Herr mit Mundschutz vor mir aufbaut, werde ich doch nervös. „Gehen Sie freiwillig mit?" Ich sage gar nichts mehr, leiste aber kaum Widerstand." Wunderboa" sagt der Bayer und hilft mir sogar noch den Straßengraben hinunter. Das hätte er nicht sagen dürfen, das nächste Mal bleibe ich sitzen. Das nächste mal findet zehn Reihen weiter hinten statt. Diesmal werde ich von zwei Kampfanzügen hinweggetragen. Ich finde gefallen an diesem Adrenalinkick, mittlerweile ist es halb drei.

Wir sitzen wieder, die Polizei wird hektischer. Anscheinend können sie nicht mehr. Dauernd müssen sie sich bücken, schwer heben und hören dann doch nur ein „bis gleich". Aus unserem Lautsprecherwagen wird die momentane Geschwindigkeit der Räumung bekannt gegeben. 40 Meter pro Stunde.. Bis zur Kreuzung sind es bestimmt noch 200, bis nach Gorleben 20.000 Meter. Die Polizisten beginnen zu provozieren. Doch wir bleiben gewaltfrei und singen „Wir wollen Frieden für alle" und Richtung Polizei „Macht mal Pause" oder „Hätt ich Dich heut’ erwartet hätt’ ich Kuchen mitgebracht". Um sechs Uhr sollte die Straße eigentlich frei sein. Daraus wird wohl nix. Nix hoch drei eben. Ich bekomme einen Schlag auf die Schulter. „Kommen Sie schon." Die beiden Herren heben mich reichlich unfähig und lassen mich auch noch fallen. „Stehen Sie schon auf" ruft eine Frauenstimme. Dann bekomme ich einen Tritt in die Seite. Getreten. Auch noch von einer Frau. Das gibt’s doch alles nicht. Ich bin ganz schön fertig, aber Ilka will wieder rein. Mit Unbehagen beobachten wir die weiteren Provokationen der Polizei. Mt ihrem Schild gehen sie gegen die Blockierer an den Seiten vor. Demonstranten, sie sich einhaken, werden gleich getreten. Tumult.

Um halb fünf kündigt der Staatsschutz einseitig die Deeskalation auf. „Achtung, Achtung... blaschwätz, wir setzen jetzt den Wasserwerfer ein". Wir bekommen 20 Minuten Zeit, den Platz zu verlassen. Wir nutzen die Zeit lieber, um Planen rumzureichen. Mir wird mulmig. Nun kommt er also doch. Es ist fünf Uhr. Drei Wasserwerfer sind vorgefahren, der vorderste zielt auf uns. Wir sind alle auf die Knie gegangen und erheben die Hände. Eine Mutter appeliert über Lautsprecher an die grünen Kerls, die ihre Söhne sein könnten, aufzuhören. Ein bizarres Bild.? Es sind Minusgrade! Über uns kreisen die Hubschrauber, rechts der Dudelsack. „Keine Gewalt", kurz auch „Wir sind das Volk". Dann aber von der anderen Seite „Wasser auf zehn Uhr". Scheiße! Es wird naß. Wir kauern unter den Planen. Die Schweine! Ich habe eigentlich nichts gegen Schweine, mensch verzeihe mir. Wir waren die ganze Zeit absolut friedlich, und nun das. Nach meinem nächsten Abtransport ist meine Hose erstmal naß. Wir laufen zum Lagerfeuer. Ich habe genug. Die Sonne geht auf. Die Sonne wird siegen gegen die Atommafia! Und zurück, etwa in Höhe halbe Straße. Die IG Medien hat eine riesige, 50 Meter lange, schwarze Plane gespendet, die jetzt über die Demonstrantenköpfe gespannt wird. Die Polizei reagiert mit Wasserstoßschüssen. Durch die Plane sehen wir nichts mehr, hören nur die Ankündigungen der Gegenseite. „Wasser auf zehn Uhr". „Wagen drei Meter nach vorn." Kriegen wir überhaupt noch genug Luft? „We all living in the yellow submarine" singen sie hinter uns. Irgendwann trennen uns nur noch wenige Reihen von der Polizei. Bevor die Polizisten zupacken, werden wir nochmal unter Beschuß genommen. Das sich neben uns ein Hochspannungsmast befindet, scheint die grüne Kampftruppe nicht zu stören. Ich habe Glück und werde „nur" unter Beschuß genommen. Ilka bekam den Strahl zuvor aufs Auge.

Uns reicht’s, wir laufen und triefen zurück ins Camp. Unser Haßgefühl auf die Polizei schlägt Kapriolen. Wie konnten sie nur den Wasserwerfer einsetzen? Sie wären spätestens um acht Uhr fertig gewesen. Mit dem Wasser schneiden sie sich ins eigene Fleisch, denn jetzt kommen sie noch langsamer voran. Kein Blockierer verläßt freiwillig die Straße. Während jeder Wassersalve müssen die Räumer ihre Tätigkeit einstellen, um nicht selbst naß zu werden. Außerdem halten die unzähligen Herren von Presse und Fernsehen die Wahrheit von Splietau in Bild und Ton fest: grüne Wasserwerfer, die mit voller Kraft auf ungeschützte Demonstranten schießen, die zudem noch die Hände erhoben haben.

Zwischen Blockade und Camp haben Bauern und Bürgerinitiative eine Shuttle-Service ins Lager eingerichtet. Im Camp werden Tausende Second-Hand-Kleidungsstücke ausgegeben. Welch perfekte Organisation! Die Demonstranten gehen einfach zurück ins Camp und hängen ihre Sachen im beheizten Zelt wieder auf, ziehen sich was Neues an und zurück geht’s. Ich nehme mir eine beige Bügelfaltenhose. Sitzt perfekt, ist nur mega-häßlich. Sieht fast aus wie eine Hose eines Streifenpolizisten. Naja...

Es ist jetzt neun Uhr. Die Polizei kämpft sich von zwei Seiten an die Kreuzung voran. Seit der ersten Aufforderung zum Gehen sind achteinhalb Stunden vergangen. Schaut her, was wir mit Widerstand erreichen können! Es sind jetzt drei Wasserwerfer und vor allem Berliner und Magdeburger Polizisten im Einsatz. Diese im Wendland als staatlich angestellte Schlägertrupps oder Skinheads in Uniform bekannten Kollegen setzen ein Zeichen. Es gibt 132 Verletzte, darunter zwei Schädelfrakturen.

Wir fahren erstmal per Fahrrad über die blockierte und unterhöhlte Süd-Strecke nach Grippel. Hier muß der Castor durchfahren, hier treffen sich Nord- und Süd-Straße. Ich bin so aufgeputscht, das für Müdigkeit keine Zeit bleibt. Grippel ist bewacht wie eine Festung. Hier kommen nur Anwohner rein, will uns der Brandenburger Polizist wohl sagen, als er uns anschnautzt: „Sie kommen hier nicht durch". Hm. Ich möchte aber nach Grippel, will da jemanden hallo sagen, den ich kenne. Zweiter Versuch. Mit einer halbwegs professionell aussehenden Kamera um den Hals (mein eigentlicher Fotoapparat ist im Splietauer Camp, ich habe sonst nur noch einen kleinen Knipser dabei) und Presseausweis stehe ich wieder an der Wache. „Können Sie mich bitte durchlassen?!" sage ich und versuche den typischen Journalisten-Blick zu imitieren: Zielstrebig und leicht desinteressiert. Und durch. Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht, vornehmlich bin ich ja auch im Wendland, um einen Artikel zu schreiben, für aktiv natürlich. Jetzt ist mir doch etwas mulmig. Um mich herum BGSler, Panzer, Wasserwerfer, ich als einzige Zivilperson, ab und zu ein Einwohner. Die Unsicherheit sieht man mir wohl an, mein Ausweis wird insgesamt dreimal geprüft. Nach einigem Suchen (Wo wohnten die noch gleich?) komme ich zu meinem „Hallo", dämlicherweise auf einem Grundstück, das ich auch ohne Presseausweis erreicht hätte. Und einem mit Stacheldraht, und da hatte die Jacke ein Loch. Ich muß wohl nicht den aller Fittesten abgegeben haben, jedenfalls sagt man mir das später. Kein Wunder! 26 Stunden wach, fünfmal geräumt, blockiergekämpft, dazu 26 Stunden Hubschrauber über’m Kopf. Lieber geneigter Leser, Du ahnst ja gar nicht, was für eine ruhige Stadt Berlin ist. Außerdem muß ich wohl zerwühlt ausgesehen haben.

Es ist schon bizarr zu sehen, wie dieses kleine Dorf durch Polizei und BGS entstellt und besetzt daherkommt. Beim letzten Mal vor drei Monaten war es mir sympathischer. Armes Grippel, armes Wendland.

Zurück aus Grippel ist meine Gruppe verschwunden. Ich hatte mich wohl ein wenig verquatscht. Na prima, jetzt habe ich zwei Fotoapparate bei mir, dafür laufen irgendwo ein paar Leute mit meinem Fahrrad und meiner Regenjacke rum.

Plötzlich Unruhe. Der Castor sei schon in Quickborn durch. Seit der Konvoi im halb zwölf (unsere Blockade hatte ihn fast zwölf Stunden aufgehalten!) losgefahren ist, hat er schon einiges an Strecke geschafft. Dicht gedrängt bilden die Polizisten eine Kette entlang der Strecke. Auf das angrenzende Feld strömen hunderte Demonstranten... bis die Polizei zum Gegenangriff bläst und die Leute 50 Meter über den Acker jagt. Ich stehe vielleicht 500 Meter von der Nord-Strecke entfernt, als ich hinter einem scheinbar unendlichen Konvoi von Wasserwerfern, Panzern und Hundertschaften in grün den ersten Castor-Behälter sehe. Wir müssen doch etwas machen! Über Gärten und Wiesen folge ich dem Strom von Menschen. Wir kommen an die Straße heran. Polizisten, wohin das Auge schaut. Doch anscheinend nicht genug, denn immer wieder gelingt es Leuten, sich auf die Straße zu setzen. Wald- und Wiesenspiele. Mach mit, mach’s nach, mach’s besser. Ohne Vorwarnung Wasserwerfer und Knüppel, sogar Pferde. Meine Hochachtung denen, die den Mut haben, sich hinzusetzen. Sie werden übel zugerichtet. „Ihr Schweine", immer wieder.

Weiter durch den Wald, immer gerade aus. Vorsprung vor dem Konvoi gewinnen. Richtung Gorleben gehen der Polizei die Kräfte, sprich die Leute, aus. An einer Lichtung scheint es möglich, die Straße zu stürmen, doch plötzlich landen BGS-Hubschrauber und Grenzschützer springen heraus. Flucht! Schnell starten die Hubschrauber wieder. Vor unseren Augen. Wie im Krieg. Auf dem gesamten Waldstück, vielleicht drei Kilometer lang, nehmen wir dem Atomkonvoi bestimmt eine Stunde ab. Doch es fehlt ein Konzept, ein Plan. Muß ein schönes Bild abgeben: Eine Landstraße, an den Seiten eine menschliche Mauer der Polizei, auf der Straße Hunderte Beamte, die einem scheinbar bis zum Horizont führenden Konvoi aus Mannschaftswagen, Panzern und Wasserwerfern vorweg traben. Mitten darin sechs Castor-LKWs. Und links und rechts im Wald wuseln und rennen Tausende Demonstranten. Immer nahe an der Straße bleiben, was zum Blockieren suchen. Die Polizei-Hubschrauber fliegt direkt über unsere Köpfe und dabei so tief, daß wir vor Wind nicht mehr laufen oder sehen können. Es ist wie ein Rausch. Alle rennen. In welcher Richtung ist die Straße? Immer geradeaus. Arme Vegetation. Um kurz vor drei erreichen wir Gorleben. Verschnaufen. Langsam beginne ich zu begreifen, was ich da sehe. Das ganze Dorf ist voller Grünlinge. Die Castorstraße ist zugleich Hauptstraße. Die Einwohner stehen fassungslos in ihren Gärten. Plötzlich springen 40 von ihnen auf die Straße. Keine Autonomen, ganz normale Leute. Die Polizisten knüppeln. An einer Kreuzung hat die Polizei wohl geschlafen, denn sonst ist nicht einmal möglich, von außen überhaupt an die Hauptstraße im Dorf ranzukommen. Tausend Menschen sammeln sich schnell, viele SchülerInnen. Die 20 Beamte, die hier Barrikade stehen, würden diesen Volkssturm wohl kaum standhalten. Die Polizei reagiert und läßt zwei Wasserwerfer vorfahren. Gorlebener, verlaßt Euer Dorf! Die Leute drehen sich um, erwarten das Wasser. Ich gehe ein paar Schritte zurück, kann nicht mehr. Mir schießen Tränen in die Augen. Das kann doch alles nicht wahr sein.

Der Castor rollt vorbei. Wir suchen einen Weg raus aus Gorleben, aber die Polizei sorgt überall für Sackgassen. Scheiße, ein Dorf-Kessel. Wir springen über einen Zaun, quer übers Privatgrundstück, sehen wieder die Straße, die Castoren fahren vorbei. Mitten auf einem Feld falle ich auf die Knie und kämpfe gegen die Tränen. Schade, das keine Kamera in der Nähe, muß ein sehr pathetisches Bild abgegeben haben.

Der Castor ist nicht mehr aufzuhalten, bis zum Zwischenlager renne ich noch mit, erreiche die Transporter aber nicht mehr. Es ist halb vier. Ich hänge über einer Polizeiabsperrung und treffe meine Gruppe wieder. Sie hatten in Grippel eine Nachricht hinterlassen, in irgendeiner Ecke. Vielleicht sollte sie nächstens Mal einen Pfeil daneben kleben. Wir setzen uns und verarschen ein paar Polizisten.

Die Sperren werden entfernt. Es ist vorbei. Polizisten entrüsten sich, können auch nicht mehr. Wir laufen auf der Straße, die eben noch heiß umkämpft wurde. Alle sind aufgedreht und seltsamerweise bester Laune. Eigentlich haben wir ja gewonnen. Aufzuhalten war der Castor doch sowieso nicht. Oder hat das jemand hier geglaubt? Dreck! 15 Stunden sind seit Beginn der Räumung vergangen. 15 Stunden für 20 Kilometer. Helge Schneiders „Es gibt Reis" tönt durch den Wald.

Ein Caravan nimmt uns zurück nach Grippel. Ich nicke dreimal kurz ein. Ach da hatten sie mein Fahrrad hingestellt. Ich will ein Foto machen, Grippel hat was. Scheiße! Mein Knipser ist weg. Irgendwo beim Rennen im Wald verloren, nehme ich an. Mit 30 gemachten Fotos drin. Mist, Mist, Mist.

Im Camp ist eine seltsame Atmosphäre in der Luft. War er wirklich nicht zu stoppen? Aber wir haben alles gegeben. Eine 83jährige Frau bedankt sich und bewundert unseren Mut. Die alte Frau wurde von der Polizei auch festgenommen. Wegen Gewalttätigkeit! Rampenplan, unsere Großküche, gibt Glühwein aus. Ich bin unglaublich müde und rede recht wirr. Aber da es den anderen nicht anders geht, fällt das nicht weiter auf. Kaum ein Verb stimmt. Es ist so unglaublich still im Wendland. Die erste Nacht ohne Hubschrauber.

Wir schlafen in einem Jugendgästehaus in Pisselberg. Ich war noch nie nach 10 Stunden Schlaf so müde. Time to say good bye. Vier intensive Tage schweißen zusammen. Ilka fährt nach Paris, die anderen in ihre Bundesländer. Von unserer Gruppe fahr ich als einziger nach Berlin. Vorbei an der berühmten Esse-Tankstelle, Treffpunkt für Neuankömmlinge in Dannenberg und Generalversorger für Essen, Trinken und Zigaretten. 24 Stunden hatten sie auf, Cola und Schokolade rund um die Uhr. Noch einmal laufe ich die Zufahrtsstraße zum Verladekran hoch. Kein Mensch ist zu sehen, nur ein Fernsehteam von Radio Bremen steht auf dem Acker daneben. Die Straße sieht aus wie ein Schlachtfeld. Stroh, Erde, Gehölz, alles kreuz und quer. Kaum noch vorzustellen, was hier vor 24 Stunden los war. Über mir kreist wieder ein Hubschrauber. Wahrscheinlich koordiniert er die Abreise des Staatsschutzes. Auf den Straßen ziehen sich unzählige grüne Konvois dahin. Polizei und BGS waren wohl gestern auch mit den Kräften am Ende und haben die Rückfahrt auf den nächsten Tag geschoben. Das muß eine stille Nacht gewesen sein im Wendland. Zehntausende Menschen, ob grün oder bunt, schliefen so tief wie schon lange nicht mehr. Und wahrscheinlich sind doch alle todmüde aufgewacht. Muskelkater.

Ich fahre über Dömnitz, einem kleinem Dorf auf der östlichen Seite der Elbe. Ein dunkelgrüner VW. Polizei? BGS? Nein, Feldjäger! Echt Jungs, was macht Ihr denn hier? Ich kaufe eine Elbe-Jeetzel-Zeitung, dem regionalem Wendland-Blatt mit Kultstatus. Topthema über mehrere Seiten natürlich Tag X. Im Regionalzug durchblättere ich die Zeitung und stoße auf eine Anzeige der Bürgerinitiative gegen den Castor. „Der Staat zeigt Härte, die Menschen zeigen Charakter. So viel Mut, so viel menschliche Größe! Geschlagen, aber umgeschlagen. Wenn hier nicht das Ende ist, ist dies erst der Anfang! Das Land gehört den Lebendigen!" Die Worte gehen unter die Haut. Ich muß mich sehr beherrschen. Es haben so viele von uns am Ende geheult, mit den Kräften am Ende oder fassungslos der Dinge, die sie da sehen. Für viele änderte sich innerhalb dreier Tage die Sicht auf diesen Staat. Zu schnell. Unter Schock.

Ich wußte, das es kraß werden würde, aber wer da nicht live erlebt hat, kann sich kaum vorstellen, was am Tag X im Wendland vorgeht. Ich bin ja leicht für pathetische Bilder zu haben, aber das hier war zuviel. Die BRD ist ein Polizeistaat, zumindestens wenn es darum geht, bestimmte Interessen durchzusetzen. Die Polizisten waren so alt wie wir. Marionetten der Atommafia. 300 Verletzte bei uns, 100 bei denen.

Sollte es nocheinmal einen Castor-Transport geben (im Lager ist noch Platz für über 400 Behälter), stellen wir uns wieder quer, und ich hoffe, Du bist dabei. Ob genauso gewaltfrei, weiß ich noch nicht. Wie meinte ein Organisator aus dem Splietauer Camp angesichts der deutlich überforderten Polizisten? „Wir sind ja eine gewaltfreie Aktion. Ansonsten wäre der Verladekran längst zerlegt". „Nächstes Mal suchen wir uns zehn Leute und sprengen die Straße", meinte jemand anders. Wer den Castor-Transport durchlebt hat, verliert Hemmungen. Armes Wendland. Besetztes Wendland.


Bearbeitet am 25.03.