Ev. -Luth. Krichkreise Dannenberg und Lüchow
Berichte von Pastorinnen und Pastoren in Lüchow-Dannenberg zum Atommmüll-Transport im März 1997
Herausgegeben von Superintendent Peter Krikokat, Dannenberg - Propst Hans-Jürgen Wolters, Lüchow REDAKTION: Hans-Ulrich Krieger, Peter Kritzokat, Klaus-Markus Kühnel, Klaus-Uwe Nommensen, Gisela Ober, Henning Schulze-Drude, Carsten Wydora
DRUCK: Kirchenkreisamt Dannenberg - 1. Auflage 3.000 Exemplare
ERBETENER KOSTENBEITRAG: DM 10,-- bei Zusendung - DM 5,-- bei
Abholung
Bestellung bei:
Kirchenkreisamt Dannenberg
Bahnhofstr. 26
29451 Dannenberg
Zu unserer Arbeit in diesem Konflikt
Für die Ev.-luth.Kirchenkreise Dannenberg und Lüchow 12. März 1997
Superintendent Kritzokat
Propst Wolters
Inhalt
Wir haben exemplarisch einen Bericht hier vorgestellt - Der gesammte Bericht ist unter http://www.evlka.de/aktuell/pastor.htm und "/aktuell/castor2.txt" zu finden.
Die Berliner schlagen zu
Gegen 08.55 fahren aus Richtung Quickborn zwei Wasserwerfer mit Berliner Kennzeichen neben einander auf und fordern die Menschen auf, die Straße zu räumen. Bei ihnen ist eine Hundertschaft Berliner Polizisten.
Bis 09.10 fordert der
Berliner Sprecher die Menschen viermal zur Räumung auf
Um 09.13 fordert der
Sprecher die Menschen letztmalig zur Raumung auf.
Um 09.14 beginnt der
Einsatz der Berliner Wasserwerfer. Was nun kommt, würden wir
nicht glauben, wenn wir es nicht selbst erlebt hätten.
Gleichzeitig fangen die Polizeibeamten an, die Menschen von der
Straße zu prügeln. Schulze-Drude begibt sich an den Rand der
Straße, um zu sehen, wie hier vorgegangen wird. Die Geschehnisse
spotten jeder Beschreibung. Ein ca. 17jähriges Mädchen steht
mit erhobenen Händen vor den Poli zeikräften. Ein Beamter holt
aus und schlägt der Wehrlosen mit der Faust mitten in das
Gesicht. Das Mädchen wird durch den Schlag rückwärts zu Boden
gerissen, und der Beamte rollt sie mit Fußtritten von der
Straße. Erbost und fassungslos begibt sich Schulze-Drude an den
Rand der Straße, gibt sich als kirchlicher Mitarbeiter zu erken
nen und schreit den Beamten zu, sie mögen damit aufLören. Ein
Beamter ruft zurück: "Hau ab,
sonst gibt s was auf die Fresse!". Die
Polizisten gehen weiter mit brutaler Gewalt gegen die Menschen
vor. Sie drehen Arme um, treten mit den Füßen und Knien in die
am Boden liegenden Menschen, schlagen, schubsen und reißen an
den Haaren. An uns vorbei gehen viele Verletzte, ei nige werden
getragen, andere bluten stark, einer hat sich offensichtlich den
Arm ge brochen.
Um es noch einmal zu betonen: Die Menschen sitzen oder stehen auf der Straße und üben keine aktive Gewalt aus. Die meisten von ihnen haben zum äußeren Zeichen die Hände erhoben.
Auf der Wiese verfolgen Tausende dieses entsetzliche Geschehen. Kühnel und Schulze-Drude kommen mit ihren Ausweisen durch die Polizeireihe. Wir sprechen einen Beamten an, der offensichtlich diesen Einsatz leitet. Wir versuchen, ruhig zu bleiben, fragen ihn nach seinem Namen. Er stellt sich uns mit dem Namen Förster vor. Wir versuchen, ihn davon zu überzeugen, daß die Art des Vorgehens durch nichts zu rechtfertigen ist. Herr Förster erklärt uns, daß die Menschen ja Zeit gehabt hätten, sich zu entfernen und mit diesen Maßnahmen hätten rechnen müssen. Wir merken, daß mit diesem Mann nicht zu reden ist.
Kommentar: Es ist noch keine 10 Jahre her, da haben a 11 e in der Politik der Bundesrepublik Verantwortlichen aufgeschrien, wenn so etwas im anderen Teil Deutschlands auch nur gerüchteweise laut wurde. Es ist nur wenige Wochen her, da haben a 11 e laut aufgeschrien, als es in Belgrad zu einem harten Vorgehen der Polizei gegen demonstrierende Menschen gekommen war.
Fragen: Welche Medien und welche politisch Verantwortlichen schweigen dazu? Warum schweigen sie?
Kritzokat begleitet einen Verletzten zur nächsten Sani-Station. Dort sind schon 9 oder 10 mißhandelte Menschen mit blutenden Gesichtern...die meisten im Schock und voller Entsetzen und unfähig zu sprechen. Jemand stohnt: "Berliner!" Wir erfahren, daß sich Jugendliche auf der Straße angekettet haben. Mit dieser Information gehen wir
um 09.28 noch einmal zu Herrn Förster und teilen sie ihm mit. Er will das an die Einsatzkräfte weitergeben. (Vgl. dazu den Bericht von Lothar Asael "Bei den Angeketteten an der B 191) Die Polizisten haben ein Stück der Straße geräumt. Mit einem Mal ertönt aus dem Wasserwerfer das Kommando an die Einsatzkräfte, aus dem Weg zu gehen. Jetzt sind zwischen den sitzenden Demonstranten und den Wasserwerfern ca. 6 m Platz. Mit ei nem "Kavaliersstart" schießen die beiden Wasserwerfer auf die Sitzenden zu, machen erst Zentimeter vor ihnen eine Vollbremsung. Die umstehenden Menschen schreien auf Die beiden Wasserwerfer spritzen schon wieder auf die vor ihnen sitzenden Menschen.
Die Journalisten stehen ca. 15 m von der Straße entfernt und machen ihre Aufnahmen. Auf einmal hält die Besatzung eines Wasserwerfers den Wasserstrahl genau in die Menge der Journalisten. Danach spritzen sie wahllos in die Menge der Menschen, die auf der Wiese stehen. Kurz danach kommen die Berliner den Einsatzkraften des BGS immer näher. Ihr Lautsprecher fordert die BGS-Wasserwerfer auf, den Weg freizumachen, da sie die Berliner Krafte sonst behindern würden. Es kommt uns vor, als wollten die Berliner dem BGS einmal zeigen, wie man mit solchen Leute "richtig" umgehen muß. Der Lautsprecherwagen der Aktionsgruppe "X-tausendmal quer" fordert die Menschen immer noch dazu auf, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten. Und die Menschen halten sich daran.
Gegen 10.15 ist die Straße geräumt. Nur einige junge Menschen, die sich zwischen zwei Bäumen mittels gespannter Seile in etwa 6 Metern Höhe befinden, konnen nicht so schnell entfernt werden.
(Weitere Berichte dazu: Lothar Asael, Alfredo Rockstroh, Hans-Jürgen Wolters: "Krach am Kran")