| GORLEBEN RUNDSCHAU |
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Dezember2006
AUSGABE 10 |
Inhalt:
Ausgabe im
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Beeindruckender WiderstandGrößerer Protest als erwartetZur Hauptdemonstration gegen die Castortransporte nach Gorleben haben sich mit über 6000 Teilnehmern weit mehr Menschen beteiligt, als im Vorfeld erwartet. Damit ist ein deutliches Signal an Politik und Atomindustrie geschickt worden. Der Druck von der Straße gegen die irrsinnige Atompolitik wird nicht nachlassen! Die Bundesregierung ist aufgefordert den maroden Gorlebener Salzstock dicht zu machen. Es muss endlich ein Ende damit haben die Polizei zur Durchsetzung der finanzieller Interessen der Atomindustrie auf die Grundrechte wahrnehmende Bevölkerung zu hetzen. Wir werden uns die Strassen nicht verbieten lassen und entschlossen und fantasievoll weiter streiten, bis das letzte AKW abgeschaltet ist! Die vielfältigen Aktionen zum Castortransport in Frankreich und Deutschland haben gezeigt, dass der Widerstand quicklebendig ist. Und auch die Nach Tschernobyl-Generation hat beeindruckend und selbstbewusst gezeigt, wem die Zukunft gehören wird. Versammlungsfreiheit immer und überall An die 1000 SchülerInnen hatten am Freitag Vormittag in Lüchow ihr Recht auf Meinungsfreiheit eingefordert und gegen die Castor-Transporte demonstriert. Diese Demo wurde von der Versammlungsbehörde mit Hinweis auf die Schulpflicht zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt verboten. Eine spontan gegründete Elterninitiative meldete daraufhin eine Demonstration gegen das Demonstrationsverbot an, zu der auch die SchülerInnen eingeladen wurden.
Wir, die SchülerInnen, WählerInnen und SteuerzahlerInnen von morgen wollen
unser Recht auf Meinungsfreiheit und ganz besonders das der Versammlungsfreiheit immer und
überall wahrnehmen dürfen, erklärte die 17jährige Anna unter begeistertem
Applaus der Jugendlichen und Eltern. Ursula Schönberger von der AG Schacht Konrad prangerte dort an: Die Beispiele
der beiden existierenden Endlager ASSE II und Morsleben zeigen, dass die Atomindustrie
immer nur nach dem Motto gehandelt hat: Hauptsache, wir haben den Müll billig los - was
kümmern uns die späteren Probleme. Wir dürfen nicht zulassen, dass dies so weiter geht.
Der radioaktive Müll kann nicht sicher eingeschlossen werden. Verantwortliche zurRechenschaft ziehen Martin Ott, Bio-Landwirt aus dem vorläufigen schweizerischen Endlagergebiet Benken
hielt in seiner Rede fest: Eigentlich müsste nach dem Gesetz des Lebens, nach dem
ich als Bio-Landwirt produziere, jeder Tag, an dem die Risikotechnologie Atomkraft Strom
und in der Folge ewig strahlenden Müll produziert, strafbar sein. Die Verantwortlichen
und die, die das Ganze verteidigen, müssen nach meinem Rechtsempfinden zur Rechenschaft
gezogen werden. Jochen Stay von der Initiative Xtausendmalquer fasste in seinem
Redebeitrag zusammen: Die Anträge auf Laufzeitverlängerung sind eine Kampfansage.
Wir antworten heute an die Adresse der Stromkonzerne. Wir nehmen die Aufforderung zum Tanz
an. Der Streit um die Atomenergie beginnt von Neuem. Francis Althoff Nu geit dat los ...Ein Satz, der in den letzten Wochen bei unseren Vorstandstreffen immer wieder fiel. Heute stehen wir hier, weil der Castorzug um 19.47 in Valogne (Frankreich) losfährt, zum 10. Mal. Nu geit dat los, wenn überall an den Transportstrecken Menschen an die Schiene und auf die Straße gehen um gegen diese unberechenbare und totbringende Technologie zu demonstrieren, für uns und die Zukunft , der nächsten 50.000 Generationen. Nu geit dat los, wenn die Allgemeinverfügung der Polizei kommt die uns wie jedes Jahr unsere Rechte auf Versammlungsfreiheit nimmt, an der Strecke und auf der Straße. Nu geit dat los, wenn die Polizeikolonnen alljährlich in den Landkreis einfallen, uns
Tag und Nacht behindern und beobachten. Wir gehen auch für ihre Kinder und Familien auf
die Straße und an die Schiene. Respektvoll schauen wir auf die junge Generation, die sich in dieses brisante umweltpolitische Thema einmischt und reinhängt. Nu geit dat los, wenn Haus und Hof geöffnet werden für Freunde und Gäste aus In- und
Ausland. Margita Freund SchülerInnendemo mit Schikanen behindertEltern-Ini meldet Demo gegen Demoverbot anAm Freitag, den 10. Nov. sollte um 9.30 Uhr in Lüchow die SchülerInnen-Demo gegen den diesjährigen Castortransport stattfinden. Von der Anmeldebehörde wurde der Beginn der Demo nicht akzeptiert. Es sei am Freitag um diese Zeit noch Schule und somit Schulpflicht. In das gleiche Horn bläst die Schulbehörde: es gibt Rundschreiben an die Schulen mit
dem Tenor, Schulpflicht stünde über Versammlungsrecht und Beurlaubungen und Abwesenheit
seien nicht hinzunehmen 1. Wenn wir Unterrichtsausfälle aus Lehrermangel und Raumnot beklagen, wird es mit der Schulpflicht oder dem Recht auf Unterricht nicht sehr genau genommen. Für uns ist daher dies Argument im Zusammenhang der SchülerInnen-Demo nur vorgeschoben, 2. Ein ganzer Tag Unterrichtsausfall war wegen eines Schützenfestes in Clenze an der KGS möglich. Wo blieb da die Schulpflicht?
3. Wir finden es gut und unterstützen es, wenn unsere Kinder sich
gesellschaftspolitisch engagieren. Das gehört zu unseren Erziehungszielen. Wir würden es
begrüßen, wenn die Schulen auch eine Erziehung zu verantwortungsvollen aufgeklärten
BürgerInnen zum Ziel hätten und in solchen Fragen mehr Zievilcourage und Mut zeigten.
Wir unterstützten unsere Kinder bei der Teilnahme an der Demo und tragen etwaige
Repressalien mit bzw. wollen uns dagegen gemeinsam zur Wehr setzen. i.A. R. Dubs Sorry, dass es uns gibt......Auf der SchülerInnen-Demo gehaltene RedeIn der letzten Woche durften wir uns wieder einmal mit Polizei und Vertreter vom Kreishaus wegen der Schülerinnendemo beratschlagen.
Wir machen den Damen und Herren dort reichlich Kummer und Sorgen, ohne uns wäre ihr leben viel einfacher und deshalb wollen wir ihre Ratschläge annehmen und hiermit öffentlich präsentieren: unsere Offizielle Entschuldigung Lieber Hauptmann von der Polizei und natürlich auch allen anderen Atomkraftfreunden und Freundinnen einen wunderschönen guten Tag. Dadurch, dass uns die Demo verboten wurde sind wir mal so richtig zum Nachdenken gekommen. Uns ist aufgefallen, dass es nun endlich an der Zeit wäre, zur Vernunft zu kommen und uns zu entschuldigen. Also... Entschuldigung, dass wir mit dem Motto:I dont go to school today Gruppenzwang ausüben, mit dem Ziel zum kollektiven Schulschwänzen aufzurufen. Entschuldigt, das wir bisher gedacht haben, IHR, die Polizei, würdet Gruppenzwang ausüben. das ist natürlich quatsch. ihr lauft ja nur zufällig alle gleich gekleidet rum. ihr setzt ja nur zufällig alle gleichzeitig eure Helme auf, zieht eure Schlagstöcke nur wenn ihr gerade Lust habt, ihr bildet auch kein ketten und marschiert nicht. ihr zwingt auch keine andren Leute zu irgendetwas, z.B. ihre Demo ausfallen zu lassen ... wie dumm von uns so was zu denken, ausgerechnet von euch, den Vorkämpfern für Individualismus und Spontanität. Wir entschuldigen uns dafür, dass Eier Wurfgeschosse sind, das sie hart sind und Sachen kaputt machen. Es tut uns leid, dass wir so scheiße militant sind. Wir entschuldigen uns für die Wodkaflaschen und die enthemmende Musik. Wir bedauern zutiefst, dass wir ein paar Leute heute auf die Straße bekommen haben. Entschuldigung, dass wir nicht kompromissbereit sind und mit euch kooperieren. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir uns unsere Demo einfach nicht verbieten lassen und unsere Fresse nicht halten.
Es tut uns unsagbar leid, dass wir nicht an die Sicherheit Gorlebens glauben. Entschuldigt bitte das wir auch nicht an euch glauben. Uns tut es unsagbar leid, dass wir unsere Rechte kennen. Wir bekennen, dass wir nur Schülerinnen und Schüler sind. Wir tun alles für euch, wir küssen euch die Füße und es tut uns leid, dass doch einige zubeißen.
Sorry, dass es uns gibt ... Vorbereitungsgruppe i.A. Lykke&Louisa
Pyramiden gegen den AtomstaatErneut erfolgreiche Blockade der CastortransportstreckeWie die Bäuerliche Notgemeinschaft erfuhr, gelang es einigen ihrer Mitglieder durch tatkräftige Unterstützung der wendländischen Bevölkerung, den Einsatzkräften ein Schnippchen zu schlagen und ihnen ihre Castor-Suppe kräftig zu versalzen.
Trotz massiven Polizeieinsatzes mit Repressionen und Bespitzelung, weiträumiger Versammlungsverbote und Einschüchterungsversuchen bereits im Vorfeld des Castortransportes, konnte erneut die Straßentransportstrecke auf der Südroute sowie auf der Nordroute in den Ortschaften Klein Gusborn und Langendorf blockiert werden.
In diesem Jahr wurden fahrbare Betonpyramiden gebaut, an denen sich ab 19.22 Uhr in der Ortschaft Klein Gusborn und ab 21 Uhr in Langendorf jeweils 4 Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft und des Gorleben Widerstandes angekettet hatten. Ihre Konstruktion und Verankerung im Strassenasphalt ließ hoffen, dass die Polizei es nicht einfach haben wird, diese protestmittel so einfach beiseite zu schieben. Die wendländischen Pyramiden wurden mit den Symbolen der vier Stromkonzerne EON, Vattenfall, RWE und EnBW versehen, um die Aufmerksamkeit auf die Betreiber der Atommeiler und Atommüllproduzenten zu lenken. Für die Blokkierer stehen die Pyramiden von Gizeh als Zeichen für die Vergänglichkeit aller von Menschenhand geschaffenen Werke, sie bröckeln bereits nach nur 4000 Jahren. Aber Stromkonzerne und Politiker maßen sich an, die Sicherheit von hochradioaktiven Atommüll über 1.000.000 Jahre zu garantieren. Nach dem Beinahe-Gau in Forsmark / Schweden, der geplanten Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und der Aufhebung des Moratoriums für den Salzstock Gorleben gilt für die bäuerlichen Aktivisten um so mehr: Wir handeln in Notwehr! Sie fordern: Schluss mit der Entsorgungslüge und der Produktion von weiteren
Atommüll.
Der Widerstand im Wendland kennt keine Nachwuchsprobleme und das lässt auf einiges hoffen für kommende Transporte ... Nadin Timme, Christin Timme Vielfacher RechtsbruchAnwaltlicher Notdienst und Ermittlungsausschuss Gorleben kritisieren Verhalten der Polizei scharfAuch in diesem Jahr beging die Polizei bei der Durchführung des Castor-Transports vielfachen Rechtsbruch gegenüber DemonstrantInnen, AnwältInnen und BewohnerInnen des Wendlands. Bei der Treckerblockade in Pudripp am Freitagabend wurden in einem überzogenen
Poilizeieinsatz 20 Trecker beschlagnahmt, obwohl eine schriftliche
Sicherstellungsverfügung hierzu fehlte. Auch gegenüber den RechtsanwältInnen hat sich das Verhalten der Polizei erneut nicht verbessert. Trotz der Zusicherung der Polizeidirektion vor dem Transport, die Berufsausübungsfreiheit zu gewährleisten, wurden AnwältInnen vielfach an Straßensperren aufgehalten und konnten so nicht oder nur verspätet zu ihren MandantInnen gelangen. Vor allem bei der Blockade-Aktion in Langendorf haben sich die nordrhein-westfälischen Einheiten anmaßend aufgeführt. Auch der Presse, Ärzten und Seelsorgern wurde der Zugang zu den AktivistInnen verwehrt. Zwei Anwälte wurden sogar kurzfristig in Gewahrsam genommen, als sie sich weigerten, sich von ihren Mandanten zu entfernen. Hinsichtlich der Ingewahrsamnahmen hat die Polizei aus den vielfältigen Verfahren, die sie in den letzten Jahren verloren hat, nicht gelernt. Es gab 100 Ingewahrsamnahmen. Die meisten dieser Freiheitsentziehungen waren rechtswidrig. Entweder wurden Personen in die Gefangenensammelstelle (GeSa) nach Lüchow gebracht, obwohl weder Gründe für einen Gewahrsam noch für einen Haftbefehl vorlagen und sie sich vor Ort ordnungsgemäß ausweisen konnten. Die Vorführung vor das zuständige Gericht wurde meistens umgangen. Lediglich zwei Ingewahrsamnahmen wurden vom Amtsgericht Dannenberg bestätigt. Wie die vorhergehenden Transporte hat daher auch dieser Transport gezeigt, dass die Polizei nicht gewillt ist, den Transport mit rechtstaatlichen Mitteln durchzusetzen. Die schnelle Durchführung des Transports geht vor die Achtung von Grundrechten. Mein Urlaub im Wendland ...1. Urlaubstag Suche nach der passenden Unterkunft Endlich ist es soweit, die erholsame Zeit des Jahres ist angebrochen. Es muss nur noch ein geeignetes Feriendomizil gefunden werden. Das Glück war auf meiner Seite und ich habe via Internet ein Ferienhaus zum absoluten Schnäppchenpreis gefunden. Es liegt im Wendland und macht einen recht netten Eindruck, dass es zudem noch frei ist, hat mich sehr überrascht. Also mal schnell die sieben Sachen zusammenkramen und ab ins Auto damit. 2. Urlaubstag Anreise Die Anreise ins Wendland gestaltet sich recht unproblematisch, auch dass es die letzten 100 km keine Autobahn mehr gibt, wird als nicht weiter tragisch empfunden, so sieht man doch wenigstens etwas von der Landschaft. Diese ist sehr ländlich und besteht aus zahlreichen kleinen Dörfern, in denen es tatsächlich noch Tante Emma Läden gibt. Es erinnert mich sehr an meine Kindheit und zaubert mir prompt ein Lächeln ins Gesicht. Auch das Ferienhaus ist idyllisch gelegen und die Welt scheint in Ordnung zu sein. 3. Urlaubstag Einkaufsbummel entpuppt sich als Fehler Um die nötigen Vorräte für die nächsten Tage zu besorgen, beschließe ich, in die nächst größere Ortschaft zu fahren. Hier scheint irgendwas im Argen zu sein. Es ist ein massives Polizeiaufgebot vor Ort, was mich aber nicht weiter stören sollte. Ob die Einen suchen? Auf dem Rückweg begannen jedoch merkwürdige Vorfälle. Eine Treckerausstellung mitten auf der Straße, wo zudem noch kostenlos für Essen und Trinken gesorgt wurde. Da ich die nötige Zeit im Gepäck hatte, beschloss ich mir diesen Gratissnack nicht entgehen zu lassen.
Plötzlich wie aus dem nichts, scheint sich das Polizeiaufgebot hierher zur Teckerausstellung verlagert zu haben und ich beschließe meinen Heimweg fortzusetzen. Leider war die Polizei der Meinung, dass ich noch ein wenig warten solle. Kurze Zeit später ertönte jedoch eine Durchsage durch einen Lautsprecher das die Kreuzung bitte geräumt werden solle. Die Polizisten vor mir waren jedoch immer noch der Meinung, dass ich noch ein wenig auf der Kreuzung warten solle. Irgendwie schon eine merkwürdige Gegend dachte ich mir, oder versteh ich hier einfach die Ansage irgendwie falsch? Nein, die gleiche Ansage erfolgte noch 2 mal, ich hatte also alles richtig verstanden, nur dass die Beamten mich immer noch nicht gehen lassen wollten. Weitere 3 Stunden später hatten sie dann jedoch endlich ein Einsehen und ließen mich mit 2 Anzeigen nach einer polizeilichen Erkennung endlich durch einen Wassergraben zurück zu meinem Auto waten. Damit mir nichts geschehen konnte natürlich mit einer Polizeieskorte. 4. Urlaubstag Beschluss mich gegen diese Behandlung zu wehren Nach einer schlaflosen Nacht, folgte der Beschluss mich gegen diese Behandlung zu wehren. Also ging es erneut in Richtung dieser merkwürdigen größeren Ortschaft. Hierbei fiel mir auf, dass die Suche scheinbar immer noch kein Ende hatte. Die Polizeiwache wurde von meiner Seite schnell gefunden. Da sie jedoch von zusätzlichen Polizisten außerhalb des Gebäudes bewacht wurde, stellte sich nun jedoch endgültig die Frage, wo ich eigentlich gelandet war. Auch in der Wache benahmen sich die Beamten recht merkwürdig und reagierten sehr genervt, als ich erwähnte, dass ich Anzeige erstatten wolle. Ich bekam prompt erklärt, dass sie seit Dienstbeginn nichts anderes machen würden als Anzeigen aufnehmen und diese alle gegen ihre Kollegen gerichtet seien. Mit etwas Mühe konnte ich den nun noch etwas mehr genervten Beamten dann aber doch noch davon überzeugen, dass Anzeigen aufnehmen zu seinem Beruf gehöre. Als er dann jedoch fragte gegen wen denn die Anzeige gerichtet sei, dachte ich eigentlich er würde mich verstehen als ich sagte gegen die Polizei. Dies war jedoch nicht so, und er erteilte mir nun endgültig genervt Hausverbot. Da es sich bei mir ja nun um einen sauerländer Sturkopf handelt, der sich nicht so schnell entmutigen lässt, wurde also nach einer weiteren Dienststelle gesucht.
Als diese gefunden war, bekam ich auch hier zu hören das sie schon den ganzen Tag mit Anzeigen beschäftigt waren und eigentlich keine Lust mehr hätten. Da sie sich beide schon kurz vor der Pension befanden, verstanden sie jedoch sehr schnell, dass diese aufzunehmen ihr Beruf war. Mit der modernen Technik jedoch nicht so richtig vertraut, wurde aus einer einfachen Anzeige ein tagesfüllendes Unterfangen. Zu meinem Glück durfte ich während sie es ins Reine schrieben mal schnell einen Kaffee trinken gehen. Was jedoch nicht wirklich etwas gebracht hat, da sie bei meiner Rückkehr immer noch mit genau dieser Anzeige beschäftigt waren. Freundlicherweise durfte ich dann noch mal gehen, was von meiner Seite nun zum Essen genutzt wurde. Auch bei der zweiten Rückkehr war die Anzeige immer noch nicht ganz fertig. 5. Urlaubstag Spazierfahrt Heute wollte ich den Ärger nun endgültig vergessen und mit der Erholung bei einer Spazierfahrt beginnen. Nach ca. 20 km begannen die merkwürdigen Ereignisse jedoch erneut.
Ich stieß hier auf einen Konvoi von Einsatzfahrzeugen, dessen Anfang selbst hier im Flachland nicht zu erblicken war. Schon wenige Kilometer weiter stellte ich entsetzt fest, dass in dieser Region scheinbar jeder Einwohner Polizist sein muss. Wie sonst kann es möglich sein, nicht nur einen nicht zu übersehenden Konvoi vor mir zu haben und zusätzlich noch ein Spalier von Beamten rechts und links zu haben? In der Erinnerung an den 3. Urlaubstag, habe ich in der nächsten Ortschaft unter Einsatz allem Mutes und getrieben von Lungenschmacht lebensmutig den Zigarrettenautomaten besucht, bevor es zurück zur Ferienwohnung ging. 6. Urlaubstag Panikartige Abreise Nunmehr unter Verfolgungswahn leidend und komplett urlaubsreif, panikartig die Koffer gepackt und hektisch, vorzeitig die Heimreise ins Sauerland angetreten. Hier angekommen kann ich es immer noch nicht fassen das hier keine Polizisten in den Waldwegen stehen. Selbst in den größeren Ortschaften suche ich bislang noch vergeblich nach dem mittlerweile gewohnten Bild mit Wasserwerfen, gepanzerten Räumfahrzeugen und Polizeikonvois. Gehört das Wendland vielleicht zum Irak? Von diesen Erlebnissen geschädigt, den Entschluss gefasst, dem Polizeistaat die Rote Karte zu zeigen! Joachim Schmidt, Drolshagen Eine Aufforderung zum StromwechselStrom bleibt doch Strom?!Unzählige Quellen speisen Bäche und Flüsse, die sich in einem einzigen großen See vereinigen. Von dort fließt ES über verzweigte Lebensadern zu allen Menschen im ganzen Land. Halt! Bevor Sie jetzt weglaufen (oder umblättern), versichere ich Ihnen, daß dies nicht der Beginn eines religiösen oder gar esoterischen Exkurses ist. Der hier ist eher wissenschaftlich-physikalischer und politisch-wirtschaftlicher Natur. Oder sagen wir mal: ein ganz alltägliches, praktisches Thema, über das Sie schon immer mal einen Abend mit jemandem reden wollten. Letzteres stimmt zwar, klingt aber zu schwach, denn ich kann Ihnen sogar eine gehörige Portion Spannung versprechen sozusagen Hochspannung! Unterm Strich gesehen, geht es wie bei jedem guten Thema um Leben und Tod. Insofern hat diese Geschichte sogar Sex. Aber hören (bzw. lesen) Sie selbst! Ich versichere Ihnen: Es dauert nur fünf Minuten. Und das Beste: Den Ausgang der Geschichte bestimmen Sie! Ja, das ist hier quasi interaktiv, Sie können mitentscheiden. Auch über Leben und Tod jedenfalls, wenn Sie es in größeren, nennen Sie es ruhig ganzheitlichen Zusammenhängen betrachten. Seien Sie ehrlich! Das wollten Sie doch immer schon mal. Geschichte machen: Daumen hoch Freispruch, Daumen runter Kopf ab! Ohne zeitraubende Diskussionen mit anderen, außer dem eigenen Gewissen vielleicht. Also los! Es geht um...? Na? Mann oh Mann (Frau oh Frau)! Haben Sie ne lange Leitung! Es geht um Die Stromversorgung!. Nein! Hiergeblieben! Sie haben es versprochen! Hinsetzen! Und Zuhören! (Oder in Ihrem Fall: Weiterlesen!) Bitte!
Also: ES kommt für die meisten einfach aus der Steckdose, und die blumige Überschrift illustriert nichts weiter als das Prinzip der Verteilung von elektrischem Strom vom Kraftwerk (Quelle) bis zum Verbraucher (Mensch). Das, was der Mensch verbraucht, entnimmt er aus dem großen See, der aber nie austrocknen darf. Also müssen die verschiedenen Quellen immer mindestens soviel Strom produzieren und in den See hineinlaufen lassen, wie die Menschen (und Fabriken) entnehmen. Na und?, werden Sie sagen und herzhaft gähnen. Aber Moment! Das oben beschriebene Prinzip funktioniert nämlich auch umgekehrt: Wird weniger Strom aus der Steckdose entnommen, also weniger verbraucht, muß auch weniger produziert werden.
Oh Gott, wie mein alter Herr: Licht aus! Oder haben wir Säcke vor den Türen! Hört das denn nie auf?, werden Sie jetzt zwischen schmalen Lippen hervorpressen und sich mit der flachen Hand verzweifelt gegen den Schädel schlagen. Aber das ändert auch nichts daran, daß der Alte nun mal Recht hatte. Und außerdem haben Sie schon wieder das Licht auf dem Klo angelassen! Und Ihr Fernseher läuft auf Stand-by! Strom bleibt zwar immer nur Strom, aber in Wirklichkeit doch nicht. Jetzt reichts!, mögen Sie denken, und wir können das an dieser
Stelle für Sie dann auch abkürzen.
Ja, das ärgert mich doch schon lange!, merken Sie plötzlich auf, denn jetzt scheints um was Wichtiges zu gehen: Erstens um Geld und zweitens um Sicherheit! Oder umgekehrt! Je nach dem, wo Sie Ihre Prioritäten setzen. Aber was haben wir oben gelernt? Das Prinzip funktioniert auch umgekehrt, sozusagen von hinten nach vorne, von der Steckdose bis zum Kraftwerk, vom Verbraucher bis zum Besitzer der Quelle. Punkt eins: Der Mensch kann sich glatt aussuchen, von wem er Strom kauft. Das ändert zwar nichts daran, daß man etwas dafür bezahlen muß, aber man muß den GAU vor der Haustür ja nicht auch noch selbst finanzieren. Punkt zwei: Der Mensch kann sich aussuchen, was für Strom er kauft! Strom bleibt doch Strom!, werden Sie vielleicht insistieren, aber wir können auch gerne noch mal von vorne anfangen. Nee, bloß nicht!, entgegnen Sie rasch.
Also: Strom wird, zum Beispiel, in Atomkraftwerken produziert. Die können explodieren, dann gibts ganz viele Tote und Sieche. Und selbst ohne Unfall ist der Atommüll so giftig, daß noch Ihre Urenkel und deren Urenkel etwas davon haben Krebs und andere Geschwüre. Und das Uran, das man dazu braucht, ist auch demnächst alle, also wirds irgendwann richtig teuer. Oder in Kohlekraftwerken: Die stoßen ganz viel Kohlendioxid aus, heizen die Erdatmosphäre auf, das Eis an den Polen schmilzt weg, der Meeresspiegel steigt, das Klima ändert sich, die einen saufen ab, die anderen verdursten. (Die Wissenschaft streitet sich noch, ob Sie in der Norddeutschen Tiefebene erst verdursten und dann absaufen oder umgekehrt.)
Und die Kohle zum Verbrennen ist auch nicht ewig vorhanden, und wenn die alle ist, ist es leider schon zu spät. Und bis dahin wirds auch immer teurer. Bei Öl ist es dasselbe, bei Gas auch. Nur bei Sonne, Wind, Wasser & Co. ist es anders. Die Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen ist nicht gefährlich, produziert keine hochgiftigen Abfälle, und ihr Preis bleibt stabil weil der Nachschub unendlich vorhanden ist. Mit steigender Nachfrage und effizienterer Technik wirds mittelfristig sogar billiger. Ja, super, dann gibts ja ne Lösung!, werden Sie mich jetzt unterbrechen und nervös von einem Bein aufs andere treten, aber ich bin noch nicht fertig.
Jedes Tröpfchen Strom, das durch Sonne, Wind, Wasser & Co. produziert wurde und das die Menschen am Ende der Leitung aus dem See nehmen, sorgt dafür, daß dieses Tröpfchen nicht aus dreckigen Quellen in den See nachfließen muß. Sie erinnern sich: Der Wasser- (bzw. Strom) spiegel im großen See, der nicht austrocknen darf. Oder, für Experten, wie Sie jetzt einer sind: Jede Kilowattstunde aus regenerativen Energiequellen sorgt dafür, daß eine Kilowattstunde aus Atom- oder Kohlekraftwerken nicht produziert werden muß. Verbrauchen ganz viele Menschen nun sauberen anstelle von dreckigem Strom, so werden automatisch mehr regenerative Kraftwerke gebaut und gleichzeitig dreckige Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet.
Ja, alles klar. Aber ich muß jetzt wirklich los!, bricht es aus Ihnen heraus. Wohin denn? Es ist November, arschkalt und stockdunkel draußen, werde ich indiskret fragen, obwohl mich das ja gar nichts angeht. Na, wohin wohl? Es ist November, arschkalt, dunkel und wir sind im Wendland, antworten Sie. Da geht mir ein Licht auf: Ach so, zur Castordemo! Na, da will ich Sie nicht länger aufhalten! Nur eine Frage noch: Beziehen Sie noch Atomstrom oder sind Sie schon zu einem Öko-Strom-Versorger gewechselt?
Wenn ich Glück habe, antworten Sie: Selbstverständlich habe ich gewechselt! Doch die statistische Wahrscheinlichkeit für diese Antwort liegt im Gorleben-Landkreis Lüchow-Dannenberg bei lediglich 4 Prozent. Von den anderen 96 Prozent werden sich viele peinlich berührt abwenden und vornehmen, nächste Woche endlich diesen schon x-tausendmal geplanten, langweiligen, staubtrockenen, verdammten, aber eben doch wichtigen Wechsel hin zu einem Ökostromanbieter zu machen. Das kostet Sie fünf Minuten und keinerlei Unannehmlichkeiten. Den ganzen Wechselvorgang macht Ihr neuer Anbieter für Sie. Am Besten, Sie schreiben sich folgende Telefonnummern mit Kugelschreiber auf den Arm. Ja, gleich neben die EA-Nummer, dann können Sie jederzeit von der Demo direkt aus anrufen oder eben hinterher. Keine Angst, die Nummer erinnert Sie auch noch drei Tage später an Ihr Vorhaben, denn: Duschen ist in der Sitzblockade oder der GESA eh nicht drin! GPenergy Tel.: 040 - 80 81 10 - 330
Ach so, ich gehe natürlich auch mit zur Demo. Denn mit dem Stromwechsel allein ist der Atomausstieg dann doch nicht getan! Und da können wir uns im Polizeikessel ja mal über was anderes Spannendes unterhalten. Zum Beispiel über Die Öl-Zentralheizung. Oder im Gefangenentransporter über Das Autofahren. Also, ich meine: die Gefahren von beidem für die Umwelt. Oder so. Oder Sie erklären das mit der Stromversorgung mal einem netten Polizisten, der sich auch nachts in der Kälte die Füße plattsteht. Am Besten, Sie beginnen mit den Worten: Unzählige Quellen speisen Bäche und Flüsse ... Mathias Edler
Offener Brief an Minister GabrielEinladung zu einer öffentlichen VeranstaltungSehr geehrter Herr Gabriel, wie geht es weiter mit dem geplanten Endlagerstandort Gorleben? Vor zehn Tagen sind erneut 12 Behälter mit Glaskokillen in das Zwischenlager Gorleben geprügelt worden. Somit stehen nunmehr 80 CASTOR-Behälter hier im Wendland. Warum wird nun auch unter Ihrer Regie mit Castortransporten zusätzlich Druck auf ein Endlager in Gorleben gemacht, obwohl angeblich eine ergebnisoffene Suche geplant wird? Sie haben just am Straßentransporttag in der Welt angekündigt, eine vergleichende Suche nach geeigneten Endlagern zu beginnen. Gleichzeitig wollen Sie das Moratorium in Gorleben aufheben. Damit setzen Sie faktisch Weiterbau und Fertigstellung des Erkundungsbergwerks zum Endlager um. Die Menschen hier im Wendland sind lange genug von Atomindustrie und Politik veräppelt worden. Wir möchten endlich klare Aussagen. Legen Sie auf den Tisch, warum Gorleben überhaupt geeignet sein soll, warum Sie weiterbauen und damit weitere Milliarden verschwenden wollen! Seit Jahrzehnten ist klar, dass ein Nichteignungskriterium für ein Endlager eine fehlende zusätzliche geologische Barriere als Schutz vor Eindringen von Wasser ist. Und genau diese ist in Gorleben bekanntermaßen nicht vorhanden. Wir fordern Sie deshalb auf, konsequent und verantwortungsbewusst zu handeln und den Standort Gorleben aufzugeben! Warum wollen Sie trotz besseren Wissens das untaugliche Endlagerprojekt in Gorleben weiter ausbauen lassen? Wollen Sie tatsächlich weiter dafür sorgen, dass in Gorleben das meiste Geld investiert wurde, und sich damit dem Diktat des Kapitals beugen? Wir wollen umgehend Klarheit, bevor Sie Endlagersuche und Aufhebung des Moratoriums umsetzen lassen! Die besorgten Menschen im Wendland, die sich seit 30 Jahren gegen die Atommafia und den Atomstaat wehren und wie Einwohner kaum einer anderen Region von deren Machenschaften betroffen sind, erwarten, dass Sie vor Ort in einer öffentlichen Veranstaltung Rede und Antwort stehen. Teilen Sie uns einen Termin mit, an dem Sie uns noch vor Weihnachten erklären, was Sie mit uns und den betroffenen nachfolgenden Generationen in den nächsten 1 Million Jahren vorhaben. Francis Althoff
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Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
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Bearbeitet am:29.09.2006 /ad