Gorleben Rundschau |
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| Es gibt keine "gewaltfreien Castortransporte Von der neuen BI-Vorsitzenden Edelgard Gräfer und Rosi Schoppe Stellt Euch vor: 15.000 Polizeibeamte haben den Auftrag, 6 Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall ins Zwischenlager nach Gorleben zu eskortieren. Aber: 9.000 Menschen sitzen auf der Strasse und blockieren den Weg im Wendland zuletzt im Frühjahr 1997 so geschehen. Von Mitternacht bis morgens um 7 Uhr haben niedersächsische Polizeieinheiten und Bundesgrenzschutz versucht, die Blockierer gemäß des gesetzlich festgeschriebenen Grundsatzes von der Verhältnismässigkeit der Mittel einzeln von der Strasse zu tragen. Danach war Schluss mit lustig. Der Castorfahrplan drohte schliesslich ins Wanken zu geraten. Berliner und Magdeburger Einheiten spritzten, knüppelten und traten den Weg frei. Dieses Szenario besteht bei jedem Castortransport. Polizeieinsatzleitung und verantwortliche Politiker wissen bereits im Voraus: Wenn der Transport sein Ziel erreichen soll ist dies nur mit eskalierender Polizeigewalt möglich. Die Wahl der polizeilichen Mittel steht also vorher fest und auch eine extra für den kommenden Transport gebildete 130köpfige Konfliktmanagement-Truppe der Polizei kann daran nichts ändern. Als ob man diesen Konflikt managen könnte! Als ob Castortransporte sozialverträglich durchführbar seien! Alles Heuchelei der gleichen schlagkräftigen Einsatztruppe, die sich jetzt unter rot-grüner Federführung nur bemüht, nach aussen ein Bild von der verständnisvollen, netten Staatsgewalt abzugeben. Das Bundesverfassungsgericht hat 1985 im vielbeachteten Brokdorf-Urteil festgestellt, dass Demonstrationen ein wesentliches Funktionselement einer lebendigen Demokratie bilden. 1995 wurde im sogenannten Sitzblockaden-Urteil konkretisiert, dass das blosse Sitzen auf einer Strasse keinesfalls einen Straftatbestand erfüllt, sondern lediglich eine Ordnungswirdrigkeit darstellt so ähnlich wie Falschparken, eben falsch Sitzen oder vielmehr: richtig Sitzen (aus unserer Sicht). Die ganze Blockade kann nur zur verbotenen Versammlung erklärt werden, wenn vorher Demonstrationsverbote erlassen worden sind. Nun hat aber das BVG solchen Meinungsäusserungen eben einen hohen Stellenwert im demokratischen Gefüge eingeräumt und damit die Messlatte für staatliche Verbote besonders hochgehängt.
Um diese Latte überspringen zu können muss aus Sicht der verantwortlichen Behörden die Gefahrenprognose über zu erwartende Straftaten der Atomkraftgegner besonders gefährlich ausfallen. Diese Prognosen haben sich noch nie an der Realität vor Ort orientiert, sondern nur pragmatsich an der Durchsetzbarkeit der Transporte. Eine bunte Sammlung von Farbschmierereien bis hin zu angeblich von Atomkraftgegnern begangenen Anschlägen bildet vor jedem Transport die Begründung für den Erlass von Demoverboten. Dabei ist es unerheblich, wann und wo diese Vorfälle sich abspielten: 2 Jahre zuvor oder 300 km weit weg? Egal, hauptsache man kann aus Sicht der Polizei darus ableiten, dass Atomkraftgegner quasi von Geburt an zum Begehen von Straftaten neigen. Damit versucht sich die Exekutive die Rechtfertigung für hartes Zuschlagen gegenüber einer uninformierten Öffentlichkeit zu verschaffen. Unterstützt wird diese Strategie bei jedem Transport von Hausdurchsuchungen, öffentlichen Diffamierungen a la unappetitliches Pack, ständigen Kontrollen, Telefonüberwachung, etc. Man hofft, dass die Öffentlichkeit von den Atomkraftgegnern insgesamt Abstand nimmt, nach dem Motto: Na wenn die Polizei immer bei denen ist, werden die schon irgendwas gemacht haben! oder Wenn die so hart geschlagen werden, wird es wohl einen Grund dafür geben!. Bisher ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Bisher wurde deutlich, dass der einzige Grund für den Einsatz von unverhältnismässiger Polizeigewalt in der Durchsetzbarkeit der Atomtransporte zu finden ist. Und dass die Gewalt hier ganz klar nur von einer Seite ausgeht: Von Polizei und Bundesgrenzschutz, von verantwortlichen Politikern und Staatsanwälten, die sich allesamt zu Bütteln der Atomindustrie degradiert haben. Wir unterwerfen uns nicht! Weder gewalttätig noch gewaltfrei! Wir stellen uns quer!
Die Polizei rüstet zur Kommunikationsoffensive: 130 Beamte sollen ausschwärmen mit ihrem Button "Wir können auch anders!". Ja, was! Wie anders? Friedlich? Das wäre ein interessantes Eingeständnis, dass nämlich bei der Durchsetzung des letzten Castorkonvois das polizeiliche Verhalten nicht friedlich gewesen wäre. 300 Verletzte hatten wir gezählt. Nur damit der Castortransport sein Ziel "rechtzeitig" erreicht, so als ginge es um die Einhaltung von Fahrzeiten. Oder ist es als Drohung zu lesen? Dass die Polizei auch "gewalttätig" sein kann? Wie wir es auch drehen und wenden, der Slogan ist Klasse, denn er bietet den Einstieg in die Debatte um die Rolle der Polizei bei der Durchsetzung des rot-grünen Atomprogramms. Wir als polizeiliches Gegenüber würden gern mal unsere Meinung direkt und ungeschminkt sagen dürfen, aber die Bezirksregierung lädt uns nur zu nichtöffentlichen Veranstaltungen ein. Das ist nicht unser Ding. Der Castorkonflikt geht alle an. Also entweder öffentlich Debatte oder gar keine. Rückenstärkung erfahren wir inzwischen von den Pastor/innen der Kirchenkreise Lüchow und Dannenberg, die sich in einer Erklärung mit dem Protest solidarisieren. Auch der DGB hat sich erklärt, danke! So kann und wird es weitergehen. Unsere Argumente sind gut, das Aktionskonzept ist okay, und vieles, was noch unklar ist, wird reifen. Wann und wo wir uns in der "heißen Phase" sehen zum Beispiel. Dass wir Geschichte schreiben, auch dieser Gedanke muss reifen. Wieviel Bürgerprotest erreichen kann, dass es eben nicht so ist, dass "die in Berlin" machen können, was sie wollen, dieses Bewusstsein wird wachsen. Gemeinsam sind wir noch stärker! Der Blick nach Frankreich von Jaques Schuler Die französische Anti-AKW Bewegung traf sich kürzlich ein ganzes Wochenende in Rennes, das ist in der Bretagne, um Aktionen und Schwerpunkte für das Jahr 2001 zu definieren. Das Réseau Sortir du Nucléaire hatte auch Vertreter der deutschen und italienischen Bewegung dazu eingeladen. Unser Anliegen war natürlich den bevorstehenden Castor-Transport nach Gorleben ins Gespräch zu bringen. In Westfrankreich haben sich voriges Jahr viele BürgerInnen gegen das Vorhaben einer Endlagersuche im Granit gewehrt; es waren über 50.000 Menschen in den Straßen, in der Mayenne wurde die vom Staat eingesetzte Delegation erst gar nicht angehört, sie brauchten über 10 Stunden um mit dem PKW zur Autobahn zu kommen (20km) und auch nur unter dem Schutz des Veranstalter der Demo. Die französische AKW-Gegner sehen aufgrund der CASTOR-Transporte konkrete Möglichkeiten ihr Anliegen praktisch umzusetzen. Das Réseau hat, mit Übereinstimmung der anwesenden VertreterInnen, zur Protest- und Störaktionen entlang der gesamte Strecke aufgerufen. Es ist ihnen egal wo der Atommüll herkommt oder wo er hinfährt, sie fordern ein Ende des Atommüllgeschäft. Es werden auch im Vorfeld Demos und Infoveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Greenpeace-Frankreich stattfinden. Unser gestecktes Ziel ist eine gute Zusammenarbeit der beiden Bewegungen, der Aufbau eines Beobachtungsnetzes und die Gewissheit dass der Nuklearwahn uns gleichermaßen betrifft. Die Franzosen wissen, dass dieser erste Transport Türöffner für neue deutsche Atomtransporte nach La Hague ist. Sie werden noch massiver gegen WAA-Transporte aus Deutschland vorgehen, und wir sollten sie dabei mit aller Kraft und Überzeugung unterstützen. Gemeinsam sind wir noch stärker! Die Interessen der WendländerInnen wahren Von Michael Seelig
" Ich war oft dabei, als junge Beamte aus Berlin und Magdeburg wie Kampfhunde auf friedliche Demonstranten gehetzt wurden und diesen eine Lektion in Demokratie erteilten. Ich habe die Schmerzensschreie gehört, wenn beim Hochreißen den Demonstranten in die Augen gegriffen, die Arme verdreht und sie anschließend wie Drecksäcke in den Graben geschleudert wurden. Hilfe, die Polizei kommt! "Aktionen, die sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegen, stehen ausdrücklich unter dem Schutz der Polizei." Das haben alle bei "x-tausendmal quer" hautnah erlebt. Hat man bei der Bezirksregierung nach über 25 Jahren der Auseinandersetzungen nun doch das Grundgesetz nachgelesen?"Dabei werden Verstöße gegen die Rechtsnorm konsequent verfolgt, um die Interessen der Allgemeinheit zu wahren. " Wo waren die Wahrer der Interessen der wendländischen Allgemeinheit, als es darum ging, die Atomanlagen hier durchzusetzen? Vorspiegelung falscher Tatsachen, Erpressung, Bestechung, Kriminalisierung, Bedrohung, Vorteilsnahme, Gewalt in vielen offenen und verdeckten Formen - immer im Rahmen des geltenden Rechts -, das ist die unendliche Geschichte der Begleitumstände, unter denen die Beschlüsse zur Durchsetzung der Atomanlagen hier gefasst wurden. Demokratie nach Gutsherrenart! Und alle maßgeblichen Politiker waren hier, um den höheren Interessen Nachdruck zu verleihen. Kaum einer der Verantwortlichen trägt heute noch Verantwortung.Heute sprechen sich die kommunalen Gremien und eine breite Mehrheit der Bevölkerung mit Nachdruck gegen den Ausbau und den Betrieb der Atomanlagen aus. Der Kreis verwehrt der Besatzungsmacht die Amtshilfe. Die Begleitumstände haben sich nicht geändert. Allgemeinverfügung, Beschlagnahme, einstweilige Besitzeinweisung, vorsorgliche Gewahrsamnahme. Der erweiterte Rechtsrahmen eröffnet neue Weg zur weiteren Kriminalisierung der Atomkraftgegner. Fürwahr - bei CastorTransporten geht es um die Wahrung der Interessen der Menschen hier im Wendland. Es geht um unsere Heimat, um unsere Zukunft, um unsere Gesundheit, die Gesundheit unserer Kinder. Da ist es schon lange angesagt, die Notbremsen zu ziehen.Ist es nicht völlig gleichgültig, welche Politiker mit welchen Industriebossen über welche Inhalte einen Konsens erzielen? Das Zeug in den Castoren strahlt und ist sau gefährlich. Seit wann hält sich Radioaktivität an rot-grüne Sonntagsreden und unterwirft sich,plötzlich der völkerrechtlichen Verantwortung? Das haben wir doch bei Tschernobyl erlebt! Kein weiterer Castor ins Wendland!Michael Seelig ist Künstler und Handwerker und im Widerstand gegen die Atomanlagen in Gorleben seit vielen Jahren engagiert. Eine politisch - satirische Stellungnahme zum rot-grünen Castor und den grünen Demoverboten von Dietrich Kittner Im März werden nun wieder die Castortransporte rollen. Sie sind jedoch, wie man in Berlin erklärt, jetzt viel sicherer. Vermutlich werden die Züge rotgrün angestrichen: Das isoliert. Allerdings wohl vor allem die Grüngroßkopfeten von ihrer immer schmaler werdenden Basis.
Die von Volkstribunen zu Obertanen mutierten Spitzenpensions-Grünen brüten vermutlich schon beim in Berliner besseren Kreisen modischen Absinth über den Einsatzplänen für ihre nunmehr staatliche, weiß- statt schwarzbehelmte Putztruppe. Die muß es den bisherigen Mitgliedern, Sympies und Wählern der ehemals Grünen dann eben notfalls knüppeldick einbleuen, wer der Herr ist im Wendland. Und ein von Joschka zu Joseph geläuterter Minister, der nach eige-nen Worten die Faszination der (wenn auch wohl nicht mehr revolutionären) Gewalt kennt, wird dann kaum noch öffentlich darüber sinnieren, was ein vom staatlichen Gewaltmonopol zusammengedroschener Sitzblockierer empfindet oder einer, der, wie in Gorleben schon geschehen, bei Minusgraden unter den Strahl eines Wasserwerfers genommen wird.
Um es deutlich zu sagen: Es geht nicht darum, Ministern hämisch wie die Christlich-demagogische Union ihre Vergangenheit vorzuhalten. Schließlich hatten wir schon mehr als nur ein oder zwei Bundespräsidenten (von Minister-präsidenten, Ministern und Staatssekretären gar nicht zu reden), deren Jugend-sünden weniger läßlich waren, deren Biographie tatsächlich skandalöse Züge aufwies Mitgliedschaft in der Terrororganisation NSDAP war beileibe nicht das einzige, was man ihnen vorwerfen konnte , ohne daß im gutbürgerlichen Lager öffentlich auch nur ein leise mißbilligendes Wort darüber laut geworden wäre. Es geht darum, daß die grünen Karrieristen sei es aus Machtgeilheit, Oppor-tunismus, Streben nach Wohlleben oder persönlicher Eitelkeit das verraten, für das sie (möglicherweise wirklich) einmal gestanden haben, wofür sie gewählt wurden; es geht darum, daß sie die Hoffnungen von Menschen zerstört haben, daß sie die inzwischen wohl erwünschte allgemeine Resignation befördern: Man kann ja doch nichts machen. Diesen Ausstieg oder keinen, hat Minister Trittin vor einem Jahr katego-risch gefordert. Falsch. Dieser Ausstieg ist keiner. Atomkraft? Nein danke? Kleistert sich Trittin jetzt einen Kleber ans Ministerauto: Castor Ja, bitte? Die Vorstandsappelle an die grüne Klientel lassen es vermuten. Vor Protesten oder gar Widerstand, pfui! wird gewarnt! Von den Grünen! In Worten: Von den Grünen!! Für solch absurden Witz hätte man vor drei Jahren nicht mal ein müdes nachsichtiges Lächeln geerntet. Inzwischen ist er Realität. Unglaublich? Offensichtlich sind die Grünen längst zu einem bloßen Wahlverein verkom-men, bei dem es um Wichtigeres geht als um Frieden, soziale Gerechtigkeit oder Umwelt: um Posten. Und die bekommt bekanntermaßen nur, wer den herrschen-den Kreisen unbedingte Loyalität entgegenbringt. Ihre Fähigkeit zur rücksichts-losen Kriegführung im Ausland haben die olivgrünen Strategen inzwischen hin-reichend bewiesen jetzt muß sich zeigen, wie sie es mit dem Krieg im Innern halten, und sei es gegen die eigene Basis. Nur ein Bauern-Opfer? Es gefährde die Glaubwürdigkeit der Grünen, wenn sie gegen Vorhaben der eigenen Regierung protestieren, ließen sich die Aufsichtsratssprecher Claudia Roth und Fritz Kuhn unisono vernehmen. Daß eher umgekehrt ein Schuh daraus wird, haben die Neu-Apologeten der Macht nicht gesehen. Wahrscheinlich ist ihnen nicht einmal die unverschämte Arroganz dieses Satzes bewußt geworden. Ein Grundproblem muß angesprochen werden, das Dilemma aller Regierenden wohl: Nach ein paar Monaten im Amt schon sind sie unfähig zu begreifen, daß das Volk nicht für die Regierung da ist, die Basis nicht für die Parteiführung, sondern umgekehrt. Minister und andere Würdenträger wissen sich im Besitz der besseren Einkommen, der besseren Renten und Anzüge, der Flugbereitschaft der Bundeswehr und damit logischerweise auch der allein seligmachenden Wahrheiten. Wer nicht zum Klüngel gehört, hat zu parieren. Erst als Regierende und das bedeutet Fischers Läuterung haben sie erkannt: Demos gegen Vor-haben der Regierung sind per se staatsabträglich. Einsprüche werden nur von noch Mächtigeren entgegengenommen. Wer dieses Prinzip nicht befolgt, wird, wie Salvador Allende in Chile, aus Sicht der anderen Regierungen bald ein Fall für die CIA oder im eigenen Staat, wie die Leute im Wendland, reif für die Be-reitschaftspolizei. Sollen sich doch die ObergrünInnen um Übervater Fischer mal auf die basis-demokratischen Grundsätze, sel. Wwe, ihrer Partei besinnen und dann eben gleiches Recht für alle in Atomlobbys Namen zu einer Gegendemonstration, einer Pro-Castor-Kundgebung in Gorleben aufrufen. (Joschka dürfte sogar sei-nen alten Helm mitbringen). Mal sehen, wer sonst noch kommt außer den mi-nisteriellen Bodyguards, zwei sechsjährigen Autogrammsammlern und den drei Dutzend hinkommandierten Arbeitnehmern der Energiekonzerne. Die Fischer-chöre wären vorprogrammiert: Die Partei, die Partei, die hat immer recht. Aus der Basis-Demo würde es dann wohl zurückschallen: Wir sind das Volk. An-ders als andere, die sich vor ihnen schon solcher Konfrontation ausgesetzt sahen, würde die grüne Nomenclatura dann jedoch wohl kaum den Hut nehmen. Denn um das Volk geht es ihr beweisbar nun wirklich nicht. Die verstaubte Filmschnulze Grün ist die Heide wird sich in Lüchow oder Uelzen wohl kein Kinobesitzer mehr trauen, ins Programm zu nehmen. Dafür strahlte das Fernsehen unlängst eine alte Defa-Abenteuer-Serie aus: Das grüne Ungeheuer. Sie schildert die schmutzigen Praktiken des US-amerikanischen grünen Konzerns United Fruit, der aus Geschäftsinteressen Landbewohner un-ter Druck setzte und mit Hilfe der CIA in einem unerklärten Krieg sogar ein an-deres Land bombardierte. Hier krampfhaft Parallelen herstellen zu wollen, wäre freilich überzogen. Die Sache spielte sich in den fünfziger Jahren ab, das Bom-bardement war vergleichsweise maßvoll, nicht einmal Uran-Munition wurde verschossen. Überhaupt pflegte man damals die Gefahren der Radioaktivität e-her zu verharmlosen, und infolgedessen konnte man sich unter Grünen oder gar grünen Ministern absolut nichts vorstellen. Vor allem hat United Fruit zu keinem Zeitpunkt behauptet, außer dem Eigeninteresse an Geld und Macht ir-gendwelchen anderen Prinzipien verpflichtet zu sein, geschweige denn basisde-mokratischen. Gespannt sein darf man auf die nächsten Wahlerfolge der Grünen nicht nur um Gorleben und Ahaus herum. Aber vermutlich langen dem einen oder der an-deren schon die zu erwartenden happigen Ministerpensionen oder anderweitige Versorgungsposten. Von Amerika lernen heißt wählen lernen. Für den Fall, daß zukünftig auch bei uns die Wahlen gewinnt, wer weniger Stimmen erhält, sitzen Leute wie Fischer (und natürlich der artverwandte Möllemann) wohl schon vorsorglich in den Startlöchern. Von Vorteil sein könnte dann andererseits eine als logische Folge zu erwartende Verringerung der Wahlkampfkosten. Jedoch bleibt selbst diese Hoffnung äußerst vage, denn es steht zu befürchten, daß die Kandidaten auch weiterhin Logistik über Logik stellen werden. Als Logistik bezeichnet man die organisatorische Bewältigung materieller Versorgungsprobleme. Sonst nix. Brennpunkt: Barsebäck Deutsch-schwedischer Kampf gegen deutsch-schwedische Atommafia. · In Schweden begann am 30. November 1999 der sogenannte Ausstieg mit der Abschaltung von Block 1 des AKW in Barsebäck Als Entschädigung dafür lieferte der staatliche Energieversorger Vattenfall der Sydkraft (Eignerin von Barsebäck) gratis Ersatzstrom. Die Entschädigung von über einer Milliarde DM zahlt der schwedische Staat. · Mit diesem Geld hat sich Vattenfall bei HEW eingekauft und hält seit Januar 2001 insgesamt 71,2% der Anteile. Noch besitzt der Hamburger Senat 25,1%, Vattenfall will jedoch auch den Rest erwerben. Die deutsche EON wiederum hat sich bei Vattenfall eingekauft und 8% Anteile an Forsmark erhalten. Forsmark betreibt drei große Reaktoren nördlich von Stockholm. Außerdem hat EON 45,4% Stimmanteile bei Sydkraft und der norwegische Energieversorger Stadtkraft 29%. · Also ein großes internationales Verwirrspiel unter dem Namen Globalisierung. Als Resultat der wirtschaftlichen Verflechtungen haben weder die schwedischen, deutschen oder norwegischen Betreiber das geringste Interesse an einem baldigen Ausstieg. Entsprechend ist die zum 30. Juni 2001 geplante Abschaltung des Blocks II in Barsebäck auf die Zeit nach den Wahlen verschoben worden. · Die Barsebäcksoffensiv überlegt im Augenblick, ob es in diesem Jahr wieder eine Protestaktion vor dem AKW Barsebäck im Rahmen einer internationalen Fahrradtour geben wird. Einige Aktivisten haben aber bereits ihre Teilnahme an den Castor-Demonstrationen im Wendland angekündigt. Roland Rittmann Nationale Verantwortung bleibt auf der Strecke Ein Streckenkonzept der ganz besonderen Art, vorgestellt von Wolfgang Ehmke Völkerrechtlich sei "Deutschland" gezwungen, den WAA-Müll aus La Hague zurückzunehmen. Das hämmern uns die Regierungsgrünen unablässig ein. Wir fragen zurück: Gibt es auch eine völkerrechtliche Verpflichtung, abgebrannte Brennelemente nach La Hague zu schicken, und zwar bis zum Juli 2005, ohne jede Mengenbegrenzung? Wo beginnt die "nationale Verantwortung", wo bleibt sie auf der Strecke? Schon sind Castortransporte aus Philippsburg, Biblis und Stade nach La Hague für die Monate April bis Mai angekündigt für den Fall, dass der "Türöffner"-Transport nach Gorleben rollt. Seit wann ist die Wiederaufarbeitung ein Entsorgungsbeitrag?
Schon vergessen, dass noch im Herbst 1999 in einem interministeriellen Papier der rot-grünen Bundesregierung nachlesbar war, dass die Wiederaufarbeitung nicht den Buchstaben des Atomgesetzes entspricht? Denn mit einer "schadlosen Verwertung" hat sie nichts zu tun. Das Atommüllvolumen wächst, die radioaktive Umgebungsbelastung in La Hague (und Sellafield) ist bitterer Fakt. Transportrisiken verdoppeln sich - erst hin, dann zurück! Die Glaubwürdigkeit rot-grüner Politik bleibt ebenso auf der Strecke, kein Wunder, dass wir nun ein neues Streckenkonzept entwickelt haben. Die Devise heißt 20 + 50 oder umgekehrt. Nicht nur die letzten 20 Straßenkilometer werden Orte des Protests gegen das Entsorgungsfiasko und für den Sofortausstieg sein, die Aktionsfläche wird ausgedehnt. Wir gehen dem Castor entgegen, bis Lüneburg. Dort findet auch am 24. März die Auftaktkundgebung statt. Der Staat zeigt Härte, die Menschen zeigen Charakter..... Und auch dieser Mal werden wir uns querstellen!!! Ein Rück- und Aus-Blick auf die gesammte Vielfalt des Widerstands von Birgit Huneke Vieles hat sich mit den Jahren verändert, doch eine Konstante im Widerstand ist
geblieben. Es ist die Bandbreite der Menschen, die diesen Widerstand in und weit über die
Region hinaus tragen. Vom Schüler bis zur Rentnerin, vom Landwirt bis zur Bäckersfrau,
vom Chefarzt bis zur Beamtin, sie alle werden es nicht zulassen, daß unsere Haltung zu
dem Thema ungehört bleibt. Gruppen wie die SchülerInnen und die MotorradfahrerInnen befanden sich auf den Straßen in und um Lüchow-Dannenberg. Sie blockierten Zufahrten zu Polizeiunterkünften und wehrten sich gegen die Beschlagnahmung der Turnhallen. Die Gorleben Frauen oder die Ini 60 brachten ihre Kreativität ein, Fußballvereine oder die IGAS ihr sportliches know how. Die zahlreichen Ortsgruppen veranstalteten Straßen- und Schienenspaziergänge, ein Protest der nicht selten von ganzen Dörfern getragen wurde. In unzähligen Städten der Bundesrepublik fanden Aktionen und Informationsveranstaltungen statt. Die große Sitzblockade vor dem Verladekran, kleine Sitzblockaden auf den Zufahrtsstraßen, Einzelaktionen wie das einbetonieren zweier junger Männer im Gleisbett oder das am Seil hängen zwischen zwei Bäumen. Das alles war Ausdruck zivilen Ungehorsams und es galt: keiner muß mutiger sein als er/sie ist. Hüttendörfer wurden errichtet und ob Verpflegung, Technik oder seelischer Beistand, es waren Menschen aus der Bevölkerung die sich gegenseitig Kraft gaben diesem Wahnsinn entgegenzutreten. Eine wahre Flut Anzeigen in der hiesigen Presse von Geschäftsleuten, Ärzten, Lehrern, Kindergärten bis hin zur Belegschaft der Friedhofsangestellten machten deutlich wo die Menschen stehen.
In diesen Käfigen sollen Demonstranten festgehalten werden
Der Staat hat sich im Konflikt um die Atomenergie verantwortungslos auf die Seite der Industrie geschlagen. Eine Belagerung von tausenden Polizisten Wochen vor dem Transport. Ein breitflächiges
Demonstrationsverbot. Menschen wurden wie im Karwitzer oder Quickborner Kessel
über Stunden unrechtmäßig festgehalten. Kontrollstellen im gesamten
Lüchow-Dannenberger Raum. Bauern durften nicht über die Straße um ihre Schweine zu
füttern, Kinderwagen mit denen demonstriert werden sollte, wurden einkassiert und
zerstört. Mit dem Mut derjenigen die das Recht und auf ihrer Seite wissen. Sie wurden verprügelt, beschimpft, eingesperrt und kriminalisiert. Vor dem anstehenden nächsten Transport Ende März gleicht das Bild in puncto Polizei- und BGS Präsens auch jetzt schon wieder einer belagerten Region. Und auch dieses Mal werden wir uns querstellen ! ......geschlagen, aber ungeschlagen. Wenn hier nicht das Ende ist, ist dies erst der Anfang!* Dies ist der Anfang! * Der Staat zeigt Härte, die Menschen zeigen Charakter. So viel Mut, so viel menschliche Größe! Geschlagen, aber ungeschlagen. Wenn hier nicht das Ende ist, ist dies erst der Anfang! Zitat der BI nach dem Castor-Transport 1997
Castor Strahlung: Niedrige Dosis - Hohes Risiko Auswirkungen der Niedrigstrahlung auf Biologisches Gewebe, von Herbert Waltke Das, was an Strahlung aus einem (hoffentlich) dichten Castor nach aussen dringt, spielt sich im sogenannten Niedrigdosisbereich ab im Gegensatz z. B. zu einer Atombombenexplosion, bei der in kürzester Zeit enorme Mengen an Energie frei werden. Bei den Auswirkungen beider Vorgänge auf biologisches Gewebe bestehen grosse Unterschiede. Als Beispiel seien bei dem letzteren die eindeutige Beziehung zwischen Ursache (Atomblitz) und Wirkung (akute Strahlenkrankheit) oder die Beziehung zwischen Dosis (Strahlungsenergie) und Wirkung (Schwere der Erkrankung) genannt. Diese Zusammenhänge sind wissenschaftlich relativ einfach mess- und reproduzierbar. Anders im Niedrigdosisbereich: Hier gelten ganz andere Gesetze. Allein der Zeitraum, der zwischen einem (Strahlen-)Schaden und seiner Wirkung (Krankheit) liegt, mag dies verdeutlichen. Im Niedrigdosisbereich versagt eine streng wissenschaftliche Beweisführung (R. Scholz). Anders ausgedrückt: Bei den Toten von Hiroshima und Nagasaki hat niemand an der Todesursache gezweifelt, aber ein polizist, der 10 Jahre nach einem Castortransport an Krebs erkrankt, wird grosse Schwierigkeiten mit der Beweisführung haben. Dennnoch verfährt man im internationalen Strahlenschutz so, als gäbe als keine Unterschiede. Man rechnet einfach die Dosen von Hiroshima herunter und kommt dann zu folgendem Ergebnis: Niedrige Dosis gleichbleibend mit vernachlässigendem Risiko. Das hat u.a. auch damit zu tun, dass im Strahlenschutz immer noch Physiker mehr zu sagen haben, als Biologen. Diese Wissenschaftler waren es, die noch bis in die 70er Jahre geleugnet haben, dass in Hiroshima auch Menschen an Krebs erkrankt sind, die nur im Niedrigdosisbereich bestrahlt wurden eben weil dies aufgrund ihrer Berechnungen unmöglich war. Ähnliches geschieht heute mit der Beurteilung der Wirksamkeit der Neutronenstrahlun aus und der alpha-Teilchen auf dem Castor. Wenn die längst bekannten Forschungsergebnisse der Strahlenbiologen sich im Strahlenschutz niederschlagen würden, wäre heute weder der Betrieb eines AKW noch ein Castortransport möglich. Beim Stahlenschutz bleibt die Frage: Wer schütz hier wen? Die Menschen vor den Strahlen oder die Strahlen vor den Menschen?
Ja, natürlich könnte man es auch soo formulieren, wenn man will: 'Wir sind die, vor denen uns unsere Genossen immer gewarnt haben! 'Aber, ist das nötig? Die Gewaltfrage? Die Gewaltfrage können wir ganz eindeutig beantworten. Wir sind klar gegen GEWALT-freie Blockaden und GEWALT-freie militärische Interventionen. Das bringt doch beides nichts ein, das kann man eindeutsch im internationalen moralischen Kontext so sehen, verstehen Sie? Gewalt um Schaden abzuwenden, um Gewalt zu verhindern, das ist das einzige Mittel in so einem Fall wie auf dem Balkan. In Gorleben ist das anders. Da provoziert die Gewaltfreiheit den Staat und fordert staatliche Gewalt heraus, bedingt geradezu polizeiliches, äh, Handeln. Wir denken, das ist jetzt klar.
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Redaktion: Torsten Koopmann S. Simon, T. Vogt, W. Ehmke, J. Schuler
Auflage: 2.001
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Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion:
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Bearbeitet am:31.01.2001 /ad