Angst und
Zorn
von Urban Liebel
Eigentlich wollte ich beim Schreiben dieses Beitrags mit dem
Transport von Castorbehältern im März97 in die
Republik Freies Wendland beginnen. Aber ich denke,
wir sollten zunächst zurückblicken in die Zeit, als sich Robert
Jungk 1977 mit seinem Buch Der Atom-Staat Vom
Fortschritt in die Unmenschlichkeit zu Wort gemeldet hat.
Robert Jungk machte auf die Gefährlichkeit der
Anlagen aufmerksam. Schon damals wurden Grundrechte
angetastet" und bürgerliche Freiheiten
mißachtet.
Er warnte vor neuen Methoden der Überprüfung und
Überwachung. Robert Jungk hat sein Buch in Angst und
Zorn geschrieben. In Angst vor dem drohenden Verlust
von FREIHEIT und MENSCHLICHKEIT. In ZORN geben jene , die bereit
sind, diese höchsten Güter für Gewinn und Konsum
aufzugeben.
Wyhl, Brokdorf, Kalkar und Gorleben waren aber auch Orte, an denen die Polizei versuchte, den Protest der Menschen zu kriminalisieren. Der Ausbau der Kernkraftwerke wurde durch die Polizei gegen die Überzeugung der Menschen durchgesetzt, jedes Mittel war ihr recht: Vorfeldaufklärung, Vorfeldkontrolle, Verbote, Auflagen, Festnahmen, Polizeigewalt und weitere Maßnahmen dienten zur Durchsetzung polizeilicher Entscheidungen.
Wyhl, Brokdorf, Kalkar und Gorleben waren aber auch Orte, an
denen die Politiker sich vor ihre Polizei stellten und die
Menschen der Anti-AKW-Bewegung z.B. als Bundesweit
organisierte Extremisten, militante Kommunisten
bezeichneten. Die Proteste der Anti-AKW-Gruppen wurden als
bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen
bezeichnet. Dies war in den letzten 20 Jahren.
Heute schreiben wir das Jahr 1997. Der dritte Castortransport hat
Gorleben im März 97 erreicht. Menschen stellten sich quer. Das
Ziel, den Transport materiell und politisch nochmals sehr viel
teurer zu machen als die vorausgegangen, wurde erreicht.
Die Polizei war wiedereinmal mit Helm, Sonderwagen
u.v.m. präsent und schützte die Transportbehälter.
Man sprach, wie schon in den Jahren 1995/1996 von einem der
größten Polizeieinsätze der Geschichte.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte natürlich schon im
Vorfeld die Menschen aus dem Wendland im Visier. In einer vom
Bundesamt herausgegebenen Broschüre
Linksextremistische/militante Bestrebungen im Rahmen der
ANTI-CASTOR-KAMPAGNE - Konzepte und Gruppen (Wendland)
werden diese Menschen als Feinde der Demokratie bezeichnet., So
beginnt die Ziffer 4. der Broschüre mit der Überschrift :
Gruppen, die Gewalt praktizieren/propagieren bzw.
tolerieren.
Die PDS, Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI)
u.a. sind im Visier der SchnüfflerInnen. Polizeikessel, das
Zerstechen von Reifen der Trecker, ruppige und rabiate
Räumaktionen, Durchsuchungen, Festnahmen, Wasserwerfer-,
Schlagstock- und Hubschraubereinsatz waren auch diesmal wieder an
der Tagesordnung.