Offener Brief
An den Niedersächsischen Umweltminister
Betr.: Schacht KONRAD
| Kopie an den Bundesminister für Umwelt und Reaktorsicherheit Prof.Dr.Rolf
Bertram Göttingen, 16.Dez.03
Herr Minister, Ihre in der FR vom 16.Dezember 03 wiedergegebene Stellungnahme zu SCHACHT KONRAD, wonach das Erzbergwerk in Salzgitter "ideale geologische Voraussetzungen" zur Unterbringung des Atommülls bietet, darf nicht unwidersprochen bleiben. lle neueren (publizierten) Untersuchungsergebnisse besagen genau das Gegenteil. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist es prinzipiell nicht möglich, das wichtigste Kriterium für eine Eignung, nämlich den sicheren Abschluss von der Lebenswelt, zu gewährleisten. Der "positive" Planfestellungsbeschluss fußt auf Strahlenschutzvorstellungen von vor 20 Jahren. Seitdem ist durch radiologische und strahlenbiologische Forschungen erwiesen, daß mit den üblichen "zulässigen" Grenzwerten ein hohes Strahlenrisiko verbunden ist. Was bei der Erörterung im Rahmen des monatelangen Planfeststellungsverfahrens noch als "akademische Spitzfindigkeit" zurückgewiesen wurde, ist inzwischen experimentell belegt. Diese Fakten zeigen, daß insbesondere der Bereich der dichtionisierenden Niedrigstrahlung hoch unterschätzt wurde. Es ist erwiesen, daß z.B. ein einziges Alphateilchen karzinogene und vererbbare genetische Effekte auslösen kann ("Genomische Instabilität", "Bystander-Effekt"). Auch die schädigende Wirkung der Neutronenstrahlung wurde bisher hoch unterschätzt. Unter Zugrundelegung der vorrangig aus der Neutronengewebedosimetrie stammenden Erkenntnisse würde man heute zu einer völlig anderen Bewertung der Risiken und der damit verknüpften Langzeitsicherheit kommen. Damit ist das Fundament des Planfeststellungsbeschlusses erschüttert. Im Interesse gegenwärtiger und künftiger Generationen wäre es Ihre Pflicht, den Planfesstellungsbeschluss zurückzuziehen und ein neues Prüfungsverfahren anzuberaumen. Rolf Bertram Anmerkung der Castor-Nix-Da Redaktion: |
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