THEMEN DER WOCHE
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Schlechte Werte für die ganze Branche
Von Thomas Schmid
"Der Deutschlandfunk hat zum Thema Atomenergie mehrfach sehr gut
recherchierte Beiträge gesendet. Umso unverständlicher ist es für viele Hörer,
dass am 21.07.2007 Herr Schmid, Chefredakteur der "WELT", eine Meinung äußern
durfte, die keinerlei Sachverstand erkennen ließ. Nachstehend unsere Auszugsweise
Kommentierung zu den wichtigsten Passagen."
.... muss eines doch erstaunen: der Umgang mit dem Problem der Kernkraft.
Herr Schmid mag erstaunt sein, aber gleich jedermann?
Wenn sich die Regierungen der Welt an die Hand fassen und beschließen, der
CO²-Ausstoß müsse schnell und drastisch gesenkt werden, dann müsste nach allen Regeln
der Logik das Thema Atom auf den Tisch kommen. Tut es aber nicht.
Wie kommt er darauf, das Thema Atom sei nicht auf dem Tisch? In Wahrheit sind die Medien
voller Meldungen darüber, beispielsweise wie viele Länder angeblich wieder AKWs bauen
wollen.
Alle Lobbyisten frohlocken und trauen sich wieder aus der Deckung.
....die Menschheit hier (d.h. bei alternativen Energiequellen) noch ziemlich am
Anfang steht und diese Energie die CO²-intensive- noch längst nicht ersetzen kann.
Wären die Atomtechnik nicht über Jahrzehnte gefördert und die alternativen
Energiequellen extrem benachteiligt worden, dann gäbe es diesen großen Rückstand nicht.
Siehe hierzu Hermann Scheer in der ZEIT vom 27.7.04, Zitat:
>> Für Forschung und Entwicklung der Atomenergie spendierten die
OECD-Regierungen bis 1973 über 150 Milliarden Dollar (nach heutigen Preisen), für
erneuerbare Energien dagegen praktisch nichts. Zwischen 1974 und 1992 waren es nochmals
168 Milliarden Dollar, für erneuerbare Energien dagegen nur 22 Milliarden. Die üppige
Atomförderung der EU wird dabei gar nicht mitgezählt, und die französischen Zahlen sind
bis heute geheim. Zusammen mit den vielfältigen Markteinführungshilfen und den
Fördermitteln
der Nicht-OECD-Länder, allen voran denen des einstigen Sowjetblocks, liegt die gesamte
Staatsförderung bei mindestens einer Billion Dollar - die für die erneuerbaren Energien
dagegen lediglich bei 50 Milliarden. Seit 1957 helfen die IAEA und Euratom den Regierungen
bei der Konzipierung von Atomprogrammen. Internationale Organisationen für erneuerbare
Energien gibt es demgegenüber bis heute nicht.<<
Zitat Ende
Es wird also noch lange so bleiben, wenn die Politik nicht umsteuert und eine
erwiesenermaßen nicht beherrschbare Technik weiter so stark subventioniert und damit auch
die Produktion des strahlenden Atommüll.
....dass nach Abwägung aller Vorteile, Nachteile und Gefahren die Kernenergie im
Interesse des Klimas eine Option sein sollte, auf die nicht gänzlich zu verzichten ist.
Welche Abwägung kann zu diesem Ergebnis kommen, nachdem es die Unglücke
Tschernobyl, Three Miles Island und Brunsbüttel gab?
Die Atomtechnik birgt das höchste Risiko aller technischen Großprojekte, die der Mensch
je begonnen hat. Ist ihm das keine weiteren Gedanken wert?
Wenn man daran denkt, dass bei einem GAU in Brunsbüttel die Stadt Hamburg unbewohnbar
würde, was gilt es dann noch abzuwägen?
Warum flackert diese Option aber nur wie ein kleines Lichtlein in der
gegenwärtigen Debatte? Aus zwei Gründen. Es liegt an der Torheit derer, die sie
ablehnen.
Torheit? Ist es denn nicht wahr, dass in Tschernobyl das größte vorstellbare Unglück
passiert ist?
Ist es denn nicht wahr, dass Three Miles Island haarscharf an einem Gau vorbeigeschliddert
ist?
Ist denn nicht wahr, dass es im AKW Brunsbüttel eine Wasserstoffexplosion gegeben hat, an
einer Stelle, an der kein Fachmann es für möglich gehalten hat?
Das Problem des hochradioaktiven Abfalls erwähnt er mit keinem Wort. Tatsächlich gibt es
dafür weltweit noch keine Lösung. Und der Versuch in Deutschland im Bergwerk ASSE ging
voll daneben. 12 Tonnen Wasser strömen täglich ein und kein Experte hat das
vorausgesehen.
Wie kann, wer das alles weiß, die Skeptiker guten Gewissens der Torheit zeihen?
Das Atom galt vielmehr als ein Dämon, der unbedingt in der Flasche zu halten sei.
So populär diese Sichtweise war - sie war auch hoch ideologisch.
Aha: Wer trotz der potentiellen Gefahren pro Atomenergie ist, urteilt ideologisch.
Wie war das noch mit der Logik?
Und weil das so ist, gibt es - vor allem in den Vereinigten Staaten - längst
zahlreiche ehemalige Atomkraftgegner, die sich bang fragen, ob das Nein zu dieser
sauberen, auf ihre Weise umweltschonenden Energie nicht zu schnell kam.
Diese Behauptung ist leicht aufzustellen: Der Leser kann nicht mal eben überprüfen,
ob das auch stimmt. Außerdem: wie umweltschonend ist eine Energie (gibt es das
eigentlich, eine umweltschonende Energie?), die hochradioaktiven Abfall
produziert, radioaktive Gase, wie Krypton-85, in die Luft bläst, nicht nutzbare Wärme in
die Flüsse ableitet und sie damit aufheizt? Das soll sauber und umweltfreundlich sein?
Man fragt sich, woher Herr Schmid seine Informationen bezieht.
Doch nachdem in Deutschland gerade erst unter der verflossenen rot-grünen
Regierung der Atomausstieg mit großem Getöse als Jahrhundertprojekt beschlossen wurde,
fehlt es an Kraft, das Beschlossene zu überdenken. Nicht Konsequenz, sondern Denkfaulheit
ist da am Werk.
An den zu bedenkenden Gründen für den Ausstieg hat sich nach dem Ende der
rot-grünen Regierung nichts geändert. Also besteht keine Notwendigkeit des Überdenkens.
Zur Erinnerung: Der erste Klimaschutzbericht der Vereinten Nationen wurde schon Anfang der
neunziger Jahre erstellt!
Damit ihre ideologische Bilanz sauber bleibe, verzichtet so mancher darauf, sein
Nein von gestern und vorgestern zu überprüfen.
Nach Lage der Fakten ist diese Behauptung reine Ideologie!
Sie drucksten herum und verstanden es überhaupt nicht, die kühne und
aufklärerische Idee vom Nutzen des Fortschritts und der Beherrschbarkeit seiner Risiken
zum Glänzen zu bringen.
Die Idee von der Beherrschbarkeit der Risiken der Atomenergie ist allerdings kühn.
Doch kurz nach den Ereignisse bei Vattenfall ausgerechnet jetzt in Deutschland zu
behaupten, diese Vision sei Wirklichkeit geworden, hat durchaus etwas Ideologisches an
sich.
Noch verstand man es, auch nur im Umriss zu vermitteln, dass deutsche
Kernkraftwerke in sehr hohem Maße von Sicherheitsmaßnahmen umhegt sind.
Eine Fehlkonfiguration führte dazu, dass der Rauch nicht ins Freie, sondern in die
Schaltzentrale geleitet und diese geräumt werden musste. Das verschweigt er wohlweislich,
weil es das idyllische Bild der von Sicherheitsmaßnahmen umhegten
Atomkraftwerke stören würde. Damit wird Herr Schmid aber nicht verhindern können, dass
der eine oder andere den Eindruck gewinnt, hier ginge es weniger um Fakten denn um
Ideologie.
Eine Nachfrage der
Fachgruppe Radioaktivität |