Hat eigentlich jemand gezählt, wie oft es diesen Alarm-Ruf schon gab?
Seit die Brennelement-Hallen
in Gorleben und Ahaus fertig sind, hat er immer wieder Menschen in Aufruhr versetzt.
Mehrfach
konnten die Betreiber von ihrem Vorhaben abgebracht werden, viermal haben sie ihr Ding
durchgezogen. Jetzt - nach 3 Jahren Transportestop - ist es wieder soweit: Castor-Alarm!
Tag X!
Zum ersten Mal in all den Jahren wissen wir sogar den genauen Zeitraum, in dem der
Transport von
La Hague nach Gorleben rollen soll: zwischen dem 26. März und 8. April 2001!
3 Jahre Castor-Verhinderung sind ein schöner Erfolg. Aber es war auch eine lange Zeit, um
ein
wenig einzurosten und aus der Übung zu kommen. Deshalb rufen wir hier dazu auf, die
kommenden
Monate gut zu nutzen, um Erinnerungen wach zu rufen und aufzufrischen. Alte
Castor-Häsinnen und
Hasen, frische, unverbrauchte, ideengespickte Neulinge: bereiten wir uns gemeinsam vor! Er
kommt
nicht durch. Es geht nicht nur darum, einen weiteren Castortransport nach Gorleben zu
verhindern,
es geht um viel mehr.
Die Atomwirtschaft ist ziemlich in Bedrängnis geraten. Ohne weitere Atommülltransporte
müssen
einige Atomkraftwerke vom Netz gehen. Und das, obwohl die Regierung mit ihrem
Konsens-Spektakel
den reibungslosen Weiterbetrieb der Atomanlagen garantiert hat. Für die Gegenseite steht
viel auf
dem Spiel.
Diesem Transport kommt ein
besonderes Gewicht zu
Geht es nach dem Willen von Betreibern und Politik, dann soll dieser Castor eine ganze
Lawine von
weiteren Transporten lostreten. In Philippsburg zum Beispiel wurden die Brennelemente zur
Verschickung in die WAA fertiggemacht, nachdem es nicht gelungen war, die Behälterdeckel
für eine
Lagerung vor Ort dicht genug zu bekommen. Allerdings hat die französische Regierung ein
"Junktim"
geltend gemacht: der Abtransport von zunächst sechs Castoren mit Glaskokillen aus La
Hague nach
Gorleben ist die conditio sine qua non, die Bedingung dafür, daß die
Atomkraftwerksbetreiber
weiter ihren Müll nach La Hague "entsorgen" können. Der geplante Castor nach
Gorleben im März 2001
ist somit der Haken, an dem dieses dreckige Geschäft mit dem Plutonium hängt: Unzählige
Transporte
sollen zur WAA nach Frankreich und Großbritannien rollen, damit für die Atommafia die
Rechnung
weiter stimmt.
Ein Castor für den Konsens?
Die rot-grüne Regierung legt großen Wert darauf, zu beweisen, daß sie in der Lage ist,
ihr
Atomprogramm umzusetzen. In monatelangen Gesprächen haben Sozialdemokraten und Grüne mit
der
Atomwirtschaft eine Vereinbarung ausgehandelt, die als "Ausstieg aus der
Atomenergie" verkauft
wurde. Trittin will der Wirtschaft zeigen, daß der Konsens hält, was er verspricht.
Auch wenn einige noch Hoffnungen in einen rotgrünen Ausstieg gesetzt hatten, ist hier ein
Zeitpunkt, wo sich Ausstiegslügen selbst entlarven. Im Konsens wurde der reibungslose
Weiterbetrieb der Atomanlagen festgeschrieben. Mit Lügen, Verschleierungen und falschen
Begriffen
soll gesellschaftliche Akzeptanz hergestellt werden. Grüne füllen auch hier ihre Rolle
als
rücksichtslose Modernisierer der gesellschaftlichen Verhältnisse gut aus. Wir lassen uns
nicht für
dumm verkaufen. Nicht auf Parteien, sondern nur auf die eigene Kraft und Stärke können
wir
vertrauen.
Der Castor-Transport nach Gorleben wurde zur Chef-Sache erklärt. Das ist für uns auch
eine Chance.
Im Wendland erleben wir in den letzten Wochen, wie alle Register gezogen werden. Der
Atomstaat
zeigt sein Gesicht. Selbst im Verteidigungsministerium wurde schon Unterstützung
angefragt. Umso
mehr Gewicht wird es haben, wenn es uns doch gelingt, mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit
und
List ihre Pläne zu durchkreuzen.
Was uns entgegengehalten wird
"Irgendwo muß der Müll doch hin": Castor-Transporte setzen immer wieder das
große Dilemma der
Atomwirtschaft auf die Tagesordnung: es gibt keine Lösung für den Atommüll. Der
Transportestopp
vor drei Jahren kam nicht von ungefähr. Am Beispiel der verstrahlten Castoren wurde
deutlich, auf
welch wackligen Füßen ruht, was von den Betreibern "Entsorgung" genannt wird.
Auch wenn heute ein
grüner Umweltminister auf den Castor eine TÜV-Plakette klebt, ist die Liste der
tatsächlichen
Mängel immer noch lang; die Behälter sind nicht besser, seit der Chef vom Bundesamt für
Strahlenschutz ein grüner Herr König ist. Am Ende kann auch von denen niemand sagen,
wohin der
Müll soll.
Völkerrechtliche Verträge und Verantwortung: Nach dem Motto "aus den Augen - aus
dem Sinn", wird
der Atommüll verschoben. Das hat mit verantwortlicher Politik nichts zu tun. Wir
übernehmen
Verantwortung: Indem wir die Kokillen auf dem Weg nach Gorleben stoppen, schützen wir
auch die
Kinder von Sellafield und La Hague. Der Hahn muß zugedreht werden, die Atomanlagen
gehören
stillgelegt, damit nicht täglich weitere Atommüllberge produziert werden: das ist die
einzig
verantwortbare Lösung.
Laßt uns in die Puschen kommen
Es ist alles nicht neu. Viele von uns können anknüpfen an Castor-Erfahrungen. Aber wie
war das
noch: wer war beim letzten Mal alles noch dabei, was haben wir alles gemacht und was
hätten wir
noch alles machen können? Und jetzt: Neue Leute ansprechen, alte zusammentrommeln, Ideen
aushecken
und realisierbar machen .... es gibt viel zu tun.
Von uns aus braucht es keine wahnwitzige Bullen-Leistungsschau der Superlative. (Keine
Landwirtschaftsmesse würde im Moment so was bringen!) Der Innenminister von Niedersachsen
hat
bereits angekündigt, daß nochmal zehntausend mehr Beamtinnen und Beamten zum Einsatz
kommen. Nur
mit dick aufgetragener staatlicher Gewalt können die wirtschaftlichen Interessen der
Atomindustrie
durchgesetzt werden.
Die Herausforderung nehmen wir an. Es geht um viel, und wir haben gute Chancen, unseren
Zielen ein
Stück näher zu kommen: einzutreten für eine Zukunft ohne atomare Verseuchung; der
Gegenseite die
Suppe gehörig zu versalzen; ihre Pläne zu durchkreuzen; die Kosten hoch zu treiben;
dabei eigene
Ideen und Vorstellungen zu entwickeln und zu stärken.
Gemeinsames Vorgehen!
Kommt zu den Treffen, informiert Euch, entwickelt Ideen und Pläne und macht Euch fit für
eine
widerständige Zeit! Einiges ist aus den Erfahrungen der letzten Transporte bereits
vorüberlegt:
Das Vorfeld ist wichtig: den Castor verhindern, das geht immer
noch am besten, bevor er
losfährt. In jedem Ort zwischen Flensburg und Passau, zwischen Gorleben und La Hague soll
"der
Castor" wieder Thema werden. Und das ab heute! Infoveranstaltungen, Treffen,
Straßenverschönerungen, Bahnhofs-Missionen, phantasievolle Aktionen vor Ort können die
(Fahr-)Pläne der Gegenseite stören. All das soll deutlich machen, daß mit richtig
Ärger zu rechnen
ist, wenn die Transporte wieder rollen.
Tag X fängt nicht erst an, wenn irgendwo die Behälter zu
sehen sind: schon am Wochenende
vor dem Transport versammeln wir uns zum Auftakt. Damit beginnen X-Aktivitäten der
verschiedensten
Arten an der Strecke, wo immer sie frei ist.
Das Wendland ist größer als der Landkreis: Wir warten nicht
vor dem Verladekran, sondern
gehen dem Castor entgegen. Auftakt-Kundgebung ist in Lüneburg. Camps und Versammlungsorte
wird es
längs der gesamten Strecke Lüneburg-Gorleben geben.
Die Transportstrecke besteht nur zum kleinsten Teil aus
Straße. Das Castor-Gleis ist 56
Kilometer lang, die Straße 18 km. Der Gleis-Strecke von Lüneburg nach Dannenberg gilt
unsere
besondere Aufmerksamkeit. Davor liegt ein weites Feld.
Einfallsreichtum für Aktionen ist gefragt. Aus der Vielfalt
soll Ergänzung entstehen,
keine gegenseitige Behinderung. Nicht wo die meiste Polizei ist, ist es am schönsten.
Wichtige Termine
28.1.2001
Schienenspaziergang in Dahlenburg
(an der B 216 zwischen Lüneburg und Dannenberg)
18.2.2001
großer Aktionstag in Ahaus, 14 Uhr Rathaus
24.2.2001
Tolles Treiben im Wendland (Fasnacht zwischen Lüneburg und Gorleben, Treffpunkt in
Dahlenburg)
25.2.2001
Delegiertentreffen (Ort und Zeit erfragen!)
1.-12.3.2001
möglicher Castor-Transport Neckarwestheim - Ahaus
24.3.2001 X-minus
Auftakt-Kundgebung in Lüneburg
Infos: www.bi-luechow-dannenberg.de
WANN, WENN NICHT JETZT? WO, WENN NICHT HIER? WER,
WENN NICHT WIR?
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg
e.V. * Drawehner Str. 3 * 29 439 Lüchow * Tel: 058 41 - 46 84, Fax: 31 97
Spenden für BI: 20 60 721 bei der KSK Lüchow,
BLZ 258 513 35 
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